Rainer LangeKarls­ruhe — Man war schon immer ein wenig anders als andere Bands. Die Rede ist vom Karls­ru­her Trio Tri­gon und ihrer Stil­krea­tion des Heavy-​​Zen-​​Jazz. Der geneigte Fan wird’s wis­sen und wem es bis­lang ver­bor­gen blieb: Die Drei haben ihre Not kur­zer­hand zur Tugend gemacht, denn der Gesangs­part spielt bei Tri­gon seit jeher zweite Geige; auf Vocals wird gänz­lich ver­zich­tet: „Sin­gen darf bei uns nur die Gitarre“, so die Impro­vi­sa­ti­ons­künst­ler um Trigon-​​Gitarrero Rai­ner Lange. „Zumin­dest was die grund­le­gen­den Riffs angeht, pla­nen wir. 70 Pro­zent ist aus dem Steg­reif“, erklärt der Heavy-​​Zen-​​Jazzer die Band-​​Philosophie.

Front­mann Lange stammt ursprüng­lich aus Offen­burg, wo er 1962 gebo­ren wird. Nach dem ’82 abge­leg­ten Abitur in Ett­lin­gen stu­diert er Mathe und Che­mie, hängt sein Stu­dium jedoch als­bald an den Nagel und ent­schließt sich zu einer Bank­lehre. Heute ist er in einem hie­si­gen Kre­dit­in­sti­tut als Bescheid-​​Administrator tätig. Seine Musiker-​​Karriere star­tet 1980 in einer Schüler-​​Band im Jugend­zen­trum Spech­ten­nest in Ettlingen.

Gemein­sam mit sei­nem Bru­der Ste­fan grün­det er 1984 die Gruppe Strai­ght On, ’87 folgt die erste Platte. 1989 ent­schließt man sich zu einem Neu­an­fang unter dem Label Tri­gon und so hea­vy­zen­jaz­zen Rai­ner und Bru­der Ste­fan, sei­nes Zei­chens Bas­ser, gemein­sam mit Daniel Beck­mann an den Drums seit­her durch die Repu­blik. Und man ist emsig: Mit der Live-​​CD „Burg Herz­berg Fes­ti­val 2002″ erschien jüngst ihre 20. Scheibe.

Wer sich in Sachen Tri­gon noch zu den Unwis­sen­den zäh­len muss, dem sei zur Ein­stim­mung die fol­gende Erklä­rung der Band mit auf den Weg gege­ben: „Dazu kann man Tan­zen, Plat­zen, aber auf kei­nen Fall Sit­zen. Denn es ist Heavy. Und es ist Zen. Ob es Jazz ist, müs­sen Sie selbst raus­fin­den.“ Viel Spaß beim Suchen.

Beschrei­ben Sie sich mit drei Wor­ten:
Ich bin ich — was erwar­tet ihr in drei Worten?

Was ist Ihre größte Stärke?
Organisationstalent.

Was ist Ihre größte Schwä­che?
Gutgläubigkeit.

Was war als Kind oder Jugend­li­cher Ihr Traum­be­ruf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu wer­den, was Sie heute sind?
Nach mei­ner Phase als Dschun­gel­for­scher kam der Archäo­loge, gefolgt vom Astro­nom und Astro­naut. Als ich Kind war gings mir noch nicht ums Geld­ver­die­nen und PCs gabs auch noch keine.

Was wür­den Sie im Leben gerne noch errei­chen?
Noch viel gute Musik machen.

Was nervt Ihre Part­ne­rin am meis­ten an Ihnen?
Dass ich zur Spe­zies der Höh­len­men­schen gehöre.

Auf wel­chen Gegen­stand möch­ten Sie im Leben nicht ver­zich­ten?
Ich ver­su­che, mein Herz nicht an Gegen­stände zu hän­gen — aber meine Gitarre brauch ich schon.

Wen wür­den Sie gerne auf den Mond schie­ßen?
Mich selbst! Viel­leicht klappt das ja eines Tages noch… Im Sinne einer mensch­li­chen Müll­ent­sor­gungs­de­po­nie möchte ich diese Frage nicht beantworten.

Wel­cher Mensch beein­druckt Sie?
Men­schen, die opti­mis­tisch blei­ben und sich weiterentwickeln.

Wel­che Musik (Inter­pret und Titel) und wel­cher Film haben Sie am meis­ten beein­druckt?
Gitar­ris­ten, die mich am meis­ten beein­flusst haben, sind Roman Bunka, Joe Satriani, Frank Zappa, Jan Akker­man und Bill Gib­bons. Auf eine Scheibe kann ich mich aber nicht beschrän­ken: Can — „Soon over babaluma“ und um es nicht zu über­trei­ben hör ich mit Pink Floyd — „Umma­gumma“ auf . Als Film hin­ter­ließ „Harold und Maude“ blei­ben­den Eindruck.

Wel­ches Buch haben Sie als letz­tes gele­sen?
Tad Wil­liams „Otherland“.

Sie wer­den als Tier gebo­ren. Als wel­ches?
Ich bin mit mei­ner mensch­li­chen Gestalt durch­aus zufrieden.

Sie tau­schen einen Tag mit einer Per­son des ande­ren Geschlechts — wer wäre das?
Ich möchte mit nie­man­dem tauschen.

Was fin­den Sie an Karls­ruhe reiz­voll?
Die Mischung aus Groß– und Klein­stadt, das viele Grün, die net­ten Menschen.

Was wür­den Sie an Karls­ruhe ändern, wenn Sie Ober­bür­ger­meis­ter wären?
Es wer­den immer mehr inner­städ­ti­sche Grün­flä­chen geop­fert. Keine U-​​Strab und ein rich­tig gro­ßer Kul­tur­etat. Kon­zerte zurück ins Wildparkstadion.

Wel­ches sind die mar­kan­tes­ten Karls­ru­her /​ deut­schen Köpfe?
Sven Ottke und Joschka Fischer.

Sie leben in einem ande­ren Land. Wel­cher Grund könnte Sie dazu bewe­gen bezie­hungs­weise davon abhal­ten, nach Deutsch­land ein­zu­wan­dern?
Der Grund für Aus­wan­de­rung ist über­all gleich: Fami­lie, Job, Krieg, Repres­sa­lien. Wenn ein ande­res Land meine Hei­mat wäre und kei­ner der oben genannte Gründe zuträfe, würde ich mir keine Gedan­ken über das Ver­las­sen mei­ner Hei­mat machen. Zum Glück ist Deutsch­land meine Heimat.

Es geht um das Glück der Repu­blik. Wel­che Per­son, Grup­pie­rung oder Idee sollte mehr Ein­fluss gewin­nen?
Per­so­nen: His­to­ri­ker. Grup­pie­rung: Grüne. Idee: „soziale Wärme“

Wie und wo möch­ten Sie ster­ben?
Wenn es denn sein muss, zu Hause und in Ruhe.

Kom­men Sie in den Him­mel oder in die Hölle?
Immer nur Manna und Harfe ist doch langweilig…