Das Wort „Grotske“ ent­stammt dem Ita­li­en­schen und heißt über­setzt soviel wie Ver­zerr­tes oder Ver­wun­der­li­ches. Seit der Renais­sance dient es als Sam­mel­be­griff für die Dar­stel­lung des Monströs-​​Grausigen, aber ebenso Komi­schen in Kunst und Lite­ra­tur und manch Gegen­warts­au­tor hält die Gro­teske sogar für die ein­zig zutref­fende Dar­stel­lungs­form in einer undurch­schau­bar und sinn­los gewor­de­nen Welt. So sieht es wohl auch Ame­ri­kas Berufs-​​Provokateur Mari­lyn Man­son und ruft mit sei­nem neuen Album des­halb kur­zer­hand „The Gol­den Age“ (Motor Music) aus.

Gleich der Opener „This Is The New Sh**t“ zeigt, wo’s lang­geht. Von den eins­ti­gen Aus­flü­gen in die hohen Glamrock-​​Gefilde wie noch auf „Mecha­ni­cal Ani­mals“ prak­ti­ziert, ist rein gar nichts mehr zu hören. Nach einem kur­zen Intro knal­len Man­son und Kon­sor­ten so rich­tig rein — und zwar kom­pro­miß­lo­ser und här­ter als jemals zuvor. Das Aggres­si­ons­po­ten­tial reicht zwar nicht ganz an die legen­däre ‚96er Scheibe „Anti­christ Super­star“ heran, weiß aber zumin­dest den Vor­gän­ger „Holy Wood“ alle­mal in den musi­ka­li­schen Schat­ten zu stellen.

Die 15 Tracks auf „The Gol­den Age Of Gro­tes­que“ klin­gen hart und auf den Punkt gebracht. Allen voran „This Is The New Sh**t“, aber auch „mObs­cene“ oder „(s)Aint“ gehö­ren zu den bra­chia­len Anspiel­tipps. Viel­leicht ist die klare musi­ka­li­sche Rich­tung auch ein Resul­tat neuer Mit­strei­ter: Nach­dem Man­sons lang­jäh­ri­ger Bas­sist Twiggy Rami­rez die Band vor gut zwölf Mona­ten ver­las­sen hat, zupft nun ein neuer Mann die Sai­ten: Tim Skold.

Doch bei Mari­lyn Man­son ging es seit jeher um wesent­lich mehr als blo­ßes Musi­zie­ren. Es ist das gewagte Zusam­men­spiel aus Art­work, Show und Selbst­in­sze­nie­rung, das den Reiz des Gesamt­kunst­werks aus­macht. Am Ende bleibt alles wie gehabt: Seine Fans wer­den Mari­lyn Man­sons fünf­tes Album „The Gol­den Age Of Gro­tes­que“ wohl ebenso ver­göt­tern wie das kon­ser­va­tive Ame­rika es fürchtet.