Karls­ruhe — Eigent­lich wollte sie ja Opern-​​Sängerin wer­den, „aber für die Tenöre war ich zu groß, für die Inten­dan­ten dann doch ein wenig zu blond und für die Regis­seure hatte ich zu wenig Figur“, koket­tiert Annette Pos­tel heute im Blick zurück. Geschafft hat sie es den­noch — wenn­gleich ihr der­zei­ti­ges Enga­ge­ment an der Frank­fur­ter Kammer-​​Oper nur eine Art Neben­be­schäf­ti­gung ist. Einen Namen gemacht hat sich die Wahl-​​Karlsruherin viel­mehr als Chanteuse.

Unge­ach­tet aller klas­si­schen Aus­bil­dung — sie stu­dierte Gesang und Gesangs­päd­ago­gik an der staat­li­chen Musik­hoch­schule Mann­heim — fin­det Annette Pos­tel ihre Stimme lange Zeit noch nicht aus­ge­reift, so dass der Traum von der gro­ßen Oper vor­erst ein sol­cher blei­ben muss. So ist sie eben Chan­teuse gewor­den und ver­zückt ihr Publi­kum seit­her mit Arien, Ele­gien und Tira­den — ob alleine oder im Duett: Mal wan­delt sie „Kurt­weil­li­ges“ prä­sen­tie­rend auf den Spu­ren des bekann­ten Kom­po­nis­ten, mimt in „Chan­son Pur­pur“ die lüs­terne Diva oder blon­delt „Frisch getönt“ gemein­sam mit Musik-​​Kabarettist Gunzi Heil über die Bret­ter, wel­che dem Volks­mund nach die Welt bedeu­ten sollen.

Anno 2002 war es, als Annette Pos­tel für ihr Pro­gramm „Keine Diva fällt vom Him­mel“ den Klein­kunst­preis des Lan­des Baden-​​Württemberg ent­ge­gen neh­men durfte. Beglei­tet von Klaus Webel am Flü­gel plau­dert sie froh­ge­mut aus dem traurig-​​komischen Chan­son­näh­käst­chen; Selbst­ge­schrie­be­nes und Stü­cke von Bal­zun, Bent­gens, Kof­ler, Kirst, Weill wie Mozart mani­fes­tie­ren sich in melan­cho­li­schen Rhap­so­dien und Opern-​​Parodien gepaart mit kaba­ret­tis­ti­schen Einlagen.

Doch auch an ande­rer Stelle wusste die gebür­tige Pfäl­ze­rin zu über­zeu­gen: 1997 bekommt sie im Ber­li­ner Thea­ter des Wes­tens den ers­ten Preis im Bun­des­wett­be­werb Gesang, Sparte Chan­son, zuer­kannt; vor drei Jah­ren ersingt sich Annette Pos­tel gar die „Gold­me­dal­lie“ des Lotte-​​Lenya-​​Gesangswettbewerbes der Kurt-​​Weill-​​Foundation New York.

Der Chan­son, das Sin­gen über Liebe, Lust und Lei­den­schaft ist für Annette Pos­tel über die Jahre zur sprich­wört­li­chen Beru­fung gewor­den. Oder gibt es sonst noch ein Metier, in dem sich Abend­klei­der und Par­füm steu­er­lich abset­zen lassen?

Beschrei­ben Sie sich mit drei Wor­ten:
Anstren­gend, laut, fröhlich.

Was ist Ihre größte Stärke?
Opti­mis­mus und Schnelligkeit.

Was ist Ihre größte Schwä­che?
Opti­mis­mus und Schnel­lig­keit (und damit ver­bun­den: Unord­nung, Hek­tik, Chaos, Ungeduld…).

Was war als Kind oder Jugend­li­cher Ihr Traum­be­ruf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu wer­den, was Sie heute sind?
Tier­domp­teuse (habe schon immer gerne Tiere gehabt und mei­nen klei­nen Bru­der her­um­kom­man­diert) und Opern­diva (zunächst wegen der Musik und der Ver­klei­dung, spä­ter wegen der Mil­lio­näre, die einem dann angeb­lich zu Füßen fallen).

Was wür­den Sie im Leben gerne noch errei­chen?
So-​​Weitermachendürfen-​​wie-​​bisher, meine Mitte.

Was nervt Ihren Part­ner am meis­ten an Ihnen?
Siehe Frage 3.

Auf wel­chen Gegen­stand möch­ten Sie im Leben nicht ver­zich­ten?
Auf den Flü­gel von mei­nem Freund.

Wen wür­den Sie gerne auf den Mond schie­ßen?
Auf-​​die-​​Straße-​​Spucker, Umwelti­gno­ran­ten, Kriegs­trei­ber, einige Poli­ti­ker, Püppi-​​Frauchen in Nerzmänteln…

Wel­cher Mensch beein­druckt Sie?
Gunzi Heil, weil er so eine sprü­hende Fan­ta­sie hat, Georg Kreis­ler (Kaba­ret­tist), Geor­gette Dee (Diseuse) u.v.m. (dar­un­ter beson­ders Men­schen über 80, weil ich trotz eige­nem Rede­fluß auch gerne zuhöre).

Wel­che Musik (Inter­pret und Titel) und wel­cher Film haben Sie am meis­ten beein­druckt?
Mozart und Puc­cini in ihren Opern, Hugo-​​Wolf-​​Lieder, die Sän­ge­rin­nen Monts­e­rat Caballé, Edita Gru­berova, aber auch Sting, Freddy Mer­cury, Seal, u.v.m. Lieb­lings­filme: u.a. grüne Toma­ten und Amélie.

Wel­ches Buch haben Sie als letz­tes gele­sen?
Das Hand­buch zu mei­nem Auf­nah­me­ge­rät. Davor „Warum Frauen nicht ein­par­ken kön­nen…“ und meh­rere 20er– und 40er-​​Jahre-​​Biographien (über Kom­po­nis­ten, Inter­pre­ten, Politiker…).

Sie wer­den als Tier gebo­ren. Als wel­ches?
Als Seeot­ter (die sind so niedlich)…

Sie tau­schen einen Tag mit einer Per­son des ande­ren Geschlechts — wer wäre das?
Mein Freund, dann würde ich die Män­ner viel­leicht mehr verstehen.

Was fin­den Sie an Karls­ruhe reiz­voll?
Parks, Zoo, Archi­tek­to­nisch schöne alte Ecken, die mode­rate Größe, die Cafés.

Was wür­den Sie an Karls­ruhe ändern, wenn Sie Ober­bür­ger­meis­te­rin wären?
Den Tun­nel und den Umbau des Bota­ni­schen Gar­tens noch mal über­den­ken und die Kriegs­straße mit Grün­flä­chen übertunneln.

Wel­ches sind die mar­kan­tes­ten Karls­ru­her /​ deut­schen Köpfe?
Karls­ruhe: Gunzi, Harald Hurst und Wolf­gang Riehm. Deutsch­land: Joschka Fischer sowie Grä­fin Dönhoff.

Sie leben in einem ande­ren Land. Wel­cher Grund könnte Sie dazu bewe­gen bezie­hungs­weise davon abhal­ten, nach Deutsch­land ein­zu­wan­dern?
Minus: die eher harte deut­sche Spra­che, die nass­kal­ten Win­ter. Plus: die Kul­tur­land­schaft, die Demokratie.

Es geht um das Glück der Repu­blik. Wel­che Per­son, Grup­pie­rung oder Idee sollte mehr Ein­fluss gewin­nen?
Attac, Frie­dens­be­we­gung, Greenpeace.

Wie und wo möch­ten Sie ster­ben?
Schnell und schmerz­los mit 85 nach einem Auftritt.

Kom­men Sie in den Him­mel oder in die Hölle?
Wenn im Him­mel Mozart und in der Hölle Tango gespielt wird, will ich eine Kombi-​​Eintrittskarte.