Längst vor­bei die Zei­ten, da der Name Banda Bas­sotti für sau­ber geschrubb­ten Drei-​​Akkorde-​​Sound aus Ita­lien stand. Mit ihrem sieb­ten Album „Así Es Mi Vida“ (Gri­dalo Forte Records) fes­ti­gen die Pan­zer­kna­cker — so die deut­sche Über­set­zung des Band­na­mens — viel­mehr ihren Ruf als Kult-​​Ska-​​Punk-​​Rocker. Abge­se­hen von einer Eigen­kom­po­si­tion las­sen sie 17 Tracks lang mit ihren ganz eige­nen Inter­pre­ta­tio­nen von Revolutions-​​Klassikern und Abei­ter­lie­dern die gute alte Inter­na­tio­nale hoch­le­ben: „Ohne Erin­ne­rung keine Gerech­tig­keit, ohne Gerech­tig­keit kei­nen Frie­den, ohne Frie­den keine Zukunft.“

Banda Bas­sotti neh­men ihre Hörer mit auf die musi­ka­li­sche Reise durch die linke Widerstands-​​Geschichte, ange­fan­gen bei den ita­lie­ni­schen Partisanen-​​Kämpfen, über das Bas­ken­land und Spa­nien, Sta­lin­grad, El Sal­va­dor und Cuba bis hin nach Chile. Selbst das iri­sche Eiland wird nicht aus­ge­spart. Neben bekann­ten Klas­si­kern wie „Guan­tan­amera“, „Nica­ra­gua Nica­ra­guita“, „El Pue­blo Unido Jamas Sera´ Ven­cido“, „El Paso Del Ebro“ oder „Fis­chia Il Vento“, der bedeu­tends­ten ita­lie­ni­schen Partisanen-​​Hymne — sieht man ein­mal von „Bella Ciao“ ab, dem sich Banda Bas­sotti in der Ver­gan­gen­heit eben­falls ange­nom­men haben — sind auch einige weni­ger bekannte Stü­cke vertreten.

>Wer aller­dings auf einen Mitgröhl-​​Kracher im Stile von „Luna Rossa“ hofft, wird fest­stel­len müs­sen, dass Banda Bas­sotti längst einen etwas ande­ren Kurs ein­ge­schla­gen haben. Drei Akkorde, lieb­los dahin­ge­schrubbt, das machte gegen Ende der 80er den Charme die­ser Musik aus und der hielt sich bis in jene Tage, da hier­zu­lande der „Schlacht­rufe BRD“-Sampler in jeder gut sor­tier­ten Alternativ-​​CD-​​Sammlung sein Plätz­chen sicher hatte. Vor­bei. Ska lau­tet das Zau­ber­wort, das die linke Szene der­zeit domi­niert, da machen Banda Bas­sotti keine Ausnahme.

Doch es hat schon etwas, die alten Arbei­ter­lie­der im neuen musi­ka­li­schen Ska-​​Punk-​​Kleide zu hören; sogar soviel, dass zwangs­läu­fig spär­lich ver­tre­tene inno­va­tive Ele­mente über­haupt nicht nega­tiv ins Gewicht fal­len. Zumal zahl­rei­che Gast­mu­si­ker — unter ande­rem Lou Watts und Alice Nuits von Chum­ba­wamba — ihr Scherf­lein zum unnach­ahm­li­chen Banda Bassotti-​​Sound besteu­ern, der nach wie vor ob allen Ska und Reggae-​​Einflüssen auch die rot­zi­gen E-​​Gitarren-​​Klänge nicht zu kurz kom­men lässt. The­men­be­dingt sind bei eini­gen weni­gen Stü­cken, wie etwa „Go On Home Bri­tish Sol­diers“ oder dem „Sam Song“, erst­mals iri­sche Folk-​​Einflüsse zu ver­neh­men. Aber auch Spa­nisch, Eng­lisch, Rus­sisch und sogar Jiid­dish wer­den angestimmt.

Wer des Nachts unter der Flagge des Coman­dante vom sozia­lis­ti­schen Welt­frie­den träumt, dürfte mit den Hym­nen der römi­schen Pan­zer­kna­cker längst bes­tens ver­traut sein. Doch auch all jene, die sich nicht unein­ge­schränkt zu den „Berufs-​​Linken“ zäh­len, soll­ten dem musi­ka­li­schen Mani­fest des Inter­na­tio­na­lis­mus, der Soli­da­ri­tät und des Anti­fa­schis­mus eine echte Chance einräumen.