Karls­ruhe — Er ist blond. Doch wer ist das nicht. Er spielt vor­züg­lich Kla­vier. Tun viele. Und er ver­eint oben­drein auch pfif­fi­gen Lie­der­ma­cher, tra­shi­gen Pup­pen­spie­ler sowie blitz­ge­schei­ten Kaba­ret­tis­ten unter sei­nem sem­mel­blon­den Haupt. Da wird der Kreis schon ein wenig erlauch­ter; in der Region alle­mal. Und das macht er sogar der­ma­ßen gut, dass ihn das Land Baden-​​Württemberg vor gut zwei Jah­ren für schul­dig emp­foh­len und sein Ant­litz fol­ge­rich­tig mit dem Klein­kunst­preis ver­ziert hat. Und schon hat­ten Musik-​​Kabarettist Gunzi Heil und der Geheim­tipp nur­mehr den Anfangs­buch­sta­ben gemein.

Wenn es ein Indiz dafür gibt, dass es ein Karls­ru­her Künst­ler geschafft hat, dann ist das wohl ein Auf­tritt beim „Fest“. Gunzi Heil war diese Ehre im Som­mer 2002 ver­gönnt — aber wer weiß, viel­leicht hätte er auch mit einer sei­ner Blues-​​Rock-​​Formationen La Grange, Tuning Fork oder der Stones-​​Coverband Public Under­ground den gro­ßen Durch­bruch geschafft. Von den eins­ti­gen Ambi­tio­nen zum Rock­star zeugt heute ledig­lich noch die lange Mähne; wenn­gleich Gunzi Heil sich seit 1998, als sein ers­tes kaba­ret­tis­ti­sches Solo-​​Programm in der Schau­burg zu sehen war, trotz Literaturwissenschafts-​​Studium nicht gänz­lich vom gesun­ge­nen Wort los­zu­sa­gen vermochte.

Im Novem­ber 2001 leuch­tet ihm gar die Ode und der schlaue Barde ergreift in solch musi­schem Moment die Gunst der Stunde und bannt die gött­li­che Ein­ge­bung auf CD. Die erste war es aller­dings nicht, hatte er doch bereits mit dem wohl popu­lärs­ten Auto­ren badi­scher Zunge, Harald Hurst, bereits zwei an der Zahl auf­ge­nom­men. Gemein­sam ser­viert man dem Publi­kum den „Badi­schen Dop­pel­weck“, ist aber ebenso im musik­li­te­ra­ri­schen Drei­er­pack an der Seite von Kuno Bären­bold zu genie­ßen: „Musik & Lite­ra­tur — live und pur“ mun­det vie­len Geschmä­ckern und weiß den kul­tu­rel­len Hun­ger mit abwechs­lungs­rei­chen Hap­pen und Häpp­chen nach­hal­tig zu stillen.

Zum beden­ken­lo­sen Ver­zehr geeig­net sind auch die Waf­feln, wel­che Gunzi Heil gemein­sam mit sei­nem Kom­pa­gnon Mar­cus Dürr zube­rei­tet. Die bei­den „Frucht­zwerge“ sind im Jahr 2000 zu „Pop­pets“ mutiert — oder zum bes­se­ren Ver­ständ­nis: Kaba­rett Goes Trash-​​Figurentheater: Mit ihren selbst her­ge­stell­ten Klapp­maul­pup­pen, Mario­net­ten und Stab­fi­gu­ren ist das Straßentheater-​​Duo seit Som­mer 2001 bun­des­weit auf Tour und ver­sorgte dabei auch die Karls­ru­her beim Stadt­ge­burts­tag mit puder­zuck­ri­gen Teig­wa­ren. Und wenn die Pop­pets das Waf­fel­ei­sen zur Hand neh­men ver­mi­schen sich Spiel und Wirk­lich­keit — sehr zur Freude des Publi­kums, das die Lecke­reien anschlie­ßend ver­zeh­ren darf. Fast logi­sche Folge: Der Stra­ßen­thea­ter­preis der Stadt Koblenz. Auch mit Sän­ge­rin und BaWü-​​Kleinkunstpreisträgerin Annette Pos­tel steht Gunzi Heil ab und an mit „Blond 2: Frisch getönt!“ auf der Bühne.

Doch soll ob all der Duos und Trios das Solo nicht unter­ge­hen. Sein Pro­gramm gleicht teil­weise einer nost­al­gi­schen Arche Noah der Fern­seh­un­ter­hal­tung: Die bei­den Vorzeige-​​Schwabentiere, s‘ Äffle und s‘ Pferdle, haben sich mit ihrem „Hafer– und Bananen-​​Blues“ ebenso auf dem Heil­schen Kabarett-​​Flaggschiff ein­ge­fun­den wie die als Luftballon-​​Ferkel reinkar­nier­ten Pig­geldi und Fré­de­ric. Und wo sonst gibt sich selbst der vom Zwei­ten abge­setzte „Sohn des Paps­tes“ alias Mar­cel Reich-​​Ranicki ein nör­geln­des Stell­dich­ein, wenn nicht bei Gunzi Heil? Wohl dem die Ode leuchtet.

Beschrei­ben Sie sich mit drei Wor­ten.
Sem­mel­blond, baum­groß, pfahldünn.

Was ist Ihre größte Stärke?
Lin­zer­t­orte backen.

Was ist Ihre größte Schwä­che?
Vollnussschokolade.

Was war als Kind oder Jugend­li­cher Ihr Traum­be­ruf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu wer­den, was Sie heute sind?
Als klei­ner Bub wollte ich Cow­boy wer­den. Was ich jetzt mache war nicht beabsichtigt.

Was wür­den Sie im Leben gerne noch errei­chen?
Meine „Ally Mc Beal“-VHS-Cassetten-Sammlung ver­voll­stän­di­gen und dann mit Colt Sea­vers weitermachen.

Was nervt Ihre Part­ne­rin am meis­ten an Ihnen?
Mein Schreibtisch.

Auf wel­chen Gegen­stand möch­ten Sie im Leben nicht ver­zich­ten?
Auf die Schnur, mit der ich einen Kugel­schrei­ber an mei­nem Schreib­tisch fest­ge­bun­den habe.

Wen wür­den Sie gerne auf den Mond schie­ßen?
Sel­ber hin­flie­gen und run­ter­gu­cken wär schön.

Wel­cher Mensch beein­druckt Sie?
Mick Jag­ger, Worlds Best Per­for­mer — wie gerade in der Olym­pia­halle wie­der zu sehen war.

Wel­che Musik (Inter­pret und Titel) und wel­cher Film haben Sie am meis­ten beein­druckt?
Musik: Rol­ling Sto­nes, vor allem die Lie­der zwi­schen 1962 und 2002. Film: „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Wel­ches Buch haben Sie als letz­tes gele­sen?
Das Buch „Dem Leser den Rücken zukeh­rend“ von Timm Ulrichs nehme ich immer wie­der gerne zur Hand.

Sie wer­den als Tier gebo­ren. Als wel­ches?
Eine unse­rer Katzen.

Sie tau­schen einen Tag mit einer Per­son des ande­ren Geschlechts — wer wäre das?
Ich würde mit Annette Pos­tel tau­schen, denn dann müsste sie, weil sie ja dann auch ich wäre, meine Texte bei unse­ren Duet­ten noch ler­nen, und ich würde ihre, die sie schon kann, dann schon kön­nen, die dann aber meine wären und das bis übers zwei­ge­stri­chene C — ansons­ten bleibt ja alles blond.

Was fin­den Sie an Karls­ruhe reiz­voll?
It’s Near Heidelberg.

Was wür­den Sie an Karls­ruhe ändern, wenn Sie Ober­bür­ger­meis­ter wären?
Den Mega-​​ECE-​​Center-​​Neubau stoppen.

Wel­ches sind die mar­kan­tes­ten Karls­ru­her /​ deut­schen Köpfe?
Harald Hurst und Harald Schmidt.

Sie leben in einem ande­ren Land. Wel­cher Grund könnte Sie dazu bewe­gen bezie­hungs­weise davon abhal­ten, nach Deutsch­land ein­zu­wan­dern?
Vom Ein­wan­dern abhal­ten: Die vie­len For­mu­lare, For­mu­lare, Formulare…

Es geht um das Glück der Repu­blik. Wel­che Per­son, Grup­pie­rung oder Idee sollte mehr Ein­fluss gewin­nen?
Die Idee, auf das wirk­lich Wich­tige zu achten.

Wie und wo möch­ten Sie ster­ben?
Unter­wegs und plötzlich.

Kom­men Sie in den Him­mel oder in die Hölle?
Nach­dem ja die Hölle offi­zi­ell von der katho­li­schen Kir­che abge­schafft wurde, dürfte es im Him­mel ein ziem­li­ches Gedrän­gel geben und der meist­ge­spielte Song ist dann „Hey You, Get Off My Cloud“. Schöne Aussichten!