Karls­ruhe — Fern­seh­ka­me­ras waren zwar keine da am ver­gan­ge­nen Sams­tag­abend, wenn­gleich die blon­den Dar­bie­tun­gen durch­aus sen­de­wür­dig gewe­sen wären. Ein Qua­li­täts­merk­mal, wel­ches man Helge Thun und sei­ner Kalauer-​​Truppe aus dem Wun­der­land Tags zuvor nicht unbe­dingt beschei­ni­gen konnte. Daran änderte auch der ver­ord­nete SWR-​​Klatsch-​​Zwang nichts. Ganz anders die bei­den Lokal­ma­ta­do­ren und so blon­delte Annette Pos­tel mit ihrem Büh­nen­part­ner Gunzi Heil „Frisch getönt“ durch den Premieren-​​Abend.

Der hatte sein Gesangs­ta­lent zwar beim jüngst erschie­ne­nen „Fest“-Song erneut unter Beweis gestellt, doch regte sich die ein oder andere zwei­felnde Stimme, ob der Musik-​​Kabarettist mit der sei­nen neben der Chan­teuse würde beste­hen kön­nen. Jene, die bereits mit dem Vor­gän­ger­pro­gramm vom „Zel­ti­val“ 2002 ver­traut waren, wuss­ten die Ant­wort frei­lich längst. Doch auch den geis­tig Jung­fräu­li­chen war recht bald klar: Er kann! Wenn­gleich es dies­mal mehr mit­ein­an­der denn nach­ein­an­der gab. „Letz­tes Jahr haben uns die Leute hin­ter­her ver­gli­chen — Gunzi machte die­ses und Annette machte jenes. Aber das geht nicht. Äpfel und Bir­nen kann man nicht ver­glei­chen“, erklärte die Chan­teuse im Vor­feld. Am Sams­tag stand jeden­falls ein bun­ter Obst­korb auf der Bühne, um beim Bild zu bleiben.

Musi­ka­li­scher Streif­zug durch die Geschichte des Blondseins

Und so bege­ben sich Annette Pos­tel und Gunzi Heil beglei­tet von einem glän­zend auf­ge­leg­ten Joe Völ­ker am Kla­vier um kurz nach halb neun ihren musi­ka­li­schen Streif­zug durch die Geschichte des Blondseins. „Der heu­tige Abend steht unter zwei Mot­ten“, gibt Annette Pos­tel zu Beginn die Rich­tung vor. Das erste ergibt sich schon aus der Natur der Sache — und das zweite eigent­lich auch; näm­lich zum einen das Blonde und zum ande­ren die Liebe. Es hätte aber auch lau­ten kön­nen: „Je län­ger der Abend desto kür­zer die Klei­der“. Zumin­dest was Annette Pos­tel anbe­langt. Im Falle von Gunzi Heil, der im ver­trau­ten Schwarz mit T-​​Shirt und Leder­hose in den Abend star­tet, wäre „desto bun­ter die Klei­dung“ wohl pas­sen­der gewe­sen. Spä­ter prä­sen­tiert er sich gar mit roter Schlag­hose und Hippie-​​Batik-​​Hemd.

Von der Stein­zeit mit ihrem Vor­zei­ge­b­lon­den Bar­ney Geröll­hei­mer geht es sodann über das natur­blonde Mit­tel­al­ter und die Roman­tik über die 1970er bis in die was­ser­stoff­ge­tönte Gegen­wart. Und da Zeit­rei­sende ab und an eine kleine Ver­schnauf­pause benö­ti­gen, gibt es nach einer äußerst erhei­tern­den Stunde mit viel Geist, Gags und Gesang eine eben sol­che und dazu ein küh­les Blon­des — was auch sonst?

Anschlie­ßend begrüßt Stoff­ge­vat­ter Rani­cki das Publi­kum, „aller­dings nur zum Teil und zwar zum zwei­ten“, um wie ihm auf­ge­tra­gen ein paar Worte über die Apos­tel zu ver­lie­ren, „doch von einer Frau war dabei nie die Rede“. Und als besagte A. Pos­tel dann auf der Bühne erscheint, zei­gen sich Puppe und Spie­ler den­noch durch­aus erfreut, „denn Frauen, die sin­gen, schrei­ben wenigs­tens keine Bücher!“

Und her­nach geht es wei­ter, wie es vor der Pause auf­ge­hört hat: Bekannte Klang­mus­ter — ob von Mozart, dem gerock­ten von Falco, Geor­ges Bizet oder Richard Clay­der­man, Nicole Kid­man und Rob­bie Wil­liams bis hin zu Henry Valen­ti­nos „Im Wagen vor mir“ und Udo Jür­gens — das blonde Duo ver­sieht sie in bes­ter „Mou­lin Rouge“-Manier mit neuem, sprit­zi­gem und vor allen Din­gen geist­rei­chem Text. Frei­lich war jener an die blon­den Gege­ben­hei­ten ange­passt und so lau­tet der Refrain pas­sen­der­weise: „Sie fär­ben die Haare“.

Ful­mi­nante Sah­ne­schlacht zum Finale

Die Sahne gibt’s trotz­dem. Erbar­mungs­los besprü­hen sich die bei­den Haupt­ak­teure bei der letz­ten Zugabe — Gunzi Heil schmet­tert sein „Karlsruh“-Lied und Annette Pos­tel wählt „Car­men“ — sehr zur Freude des Publi­kums mit der wei­ßen Pracht. Weni­ger erfreut sind der­weil zwei Damen aus der ers­ten Reihe, die ihre gute Sicht im Nach­hin­ein viel­leicht ein klein wenig bereut haben: Denn die Sah­ne­haube vom Haupt Annette Pos­tels ver­mag nicht län­ger der Schwer­kraft zu trot­zen, als die zur ful­mi­nan­ten Ver­beu­gung ansetzt. So kommt es, dass in Reihe eins — wäh­rend der Rest des nahezu aus­ge­füll­ten Zel­tes begeis­tert applau­diert — ver­hal­ten abge­putzt wird.

Beacht­lich, denn die Mess­latte lag hoch. Nicht wegen der eher im geis­ti­gen Nim­mer­land ange­sie­del­ten „Wun­der­land­re­vue“, aber immer­hin hatte kein Gerin­ge­rer als Götz Als­mann das „Zel­ti­val“ eröff­net. Nun durf­ten also die ver­meint­lich Kleins­ten ihre künst­le­ri­sche Visi­ten­karte abge­ben und aller guten Dinge sind bekannt­lich drei. Was den Sams­tag Abend anbe­langt, so gilt der Posi­tiv auch im Super­la­tiv und lau­tet wie folgt: Die Bes­ten waren bis­lang die Drit­ten. So sah es wohl auch das Publi­kum — ehr­lich klatscht eben doch immer noch am längsten.