Mit ihrer EP „Zeug­nis“ stell­ten sich Gruppe 3 wage­mu­tig auf den musi­ka­li­schen Prüf­stand — und die Ver­set­zung gelang ihnen mit ihrem rocken­den deut­schen Sprech­ge­sang nahezu mühe­los. Nun hat das Trio sei­nen Longplayer „Grund­ge­dan­ken“ (The M-​​Company/​Sony) nach­ge­legt und den groo­ven­den Sound gepaart mit viel inhalt­li­chem Anspruch auf annä­hernd eine Stunde getrimmt. Funk­rock trifft auf Punk, Pop auf Rock — und der Spaß hat bei den Dreien immer wie­der tie­risch ernst­hafte Absichten.

Eine Achtel-​​Schrubberband will das Trio auf gar kei­nen Fall sein und ihre Songs unter­strei­chen groo­vi­gere Ansprü­che. Doch was nutzt der beste Anspruch, wenn die Musi nicht kickt? Aber keine Sorge, diese musi­ka­li­sche Klippe umschif­fen Gruppe 3 gekonnt. An der Basis stimmt’s und man merkt ihrem Sound ganz ein­fach an, dass die Erlan­ge­ner keine New­bees mehr sind: Ihr Rap-​​Pop-​​Funk-​​Rock-​​Debüt-​​Album ist sau­ber pro­du­ziert, zwei­fels­ohne und nicht ganz uner­war­tet — eilt der Band ihr guter Ton doch bereits seit jenen Tagen vor­aus, als man noch als Yeah! zusam­men Musik machte.

War­nen­der Zei­ger­fin­ger oder doch bloße Selbsttherapie?

Und wenn weit abseits des abge­leg­ten Disco­punks der viel­zi­tierte Spaß im text­li­chen Vor­der­grund steht, wie etwa bei „Abge­hen“, „Voll­gas“, „Trick 17″ oder „Gassi gehen“, dann kann man vor den „Grund­ge­dan­ken“ und ihren geis­ti­gen Schöp­fern eigent­lich nur den Hut zie­hen. Da macht das Hin­hö­ren rich­tig Laune. Schwie­rig wird’s aller­dings, wenn Sän­ger Gre­gor, Jahr­gang 1975, hoch­ge­sto­chen seine musi­ka­li­sche Auto­bio­gra­phie ins Mikro rappt: Den „Mara­thon Mann“ mag man einem End­zwan­zi­ger ein­fach nicht so recht abneh­men. Den­noch gibt es auch den ein oder ande­ren Song, der dem selbst­auf­er­leg­ten Ansprü­chen zu genü­gen weiß: Der Track „Teu­fels­kreis“ bei­spiels­weise the­ma­ti­siert auf recht anspre­chende Art und Weise die Fol­gen des Drogenmissbrauchs.

Bleibt aber immer die Frage, ob die Musik denn nun als war­nen­der Zei­ger­fin­ger fun­giert oder viel­leicht doch der blo­ßen Selbst­the­ra­pie die­nen soll. Bei­des keine son­der­lich heh­ren Ansprü­che und um wie­der auf die EP „Zeug­nis“ zurück­zu­kom­men: Durch die Rei­fe­prü­fung fal­len las­sen kann man Gruppe 3 natür­lich nicht, dafür ist „Grund­ge­dan­ken“ hand­werk­lich betrach­tet ein­fach zu makel­los. Aber viel­leicht las­sen wir das Trio für schlech­tes Betra­gen eine Runde nachsitzen.