4. August 2003
Serafin — „No Push Collide“
Schwächen, die zeigen Serafin mit ihrem Grunge-Rock-Debüt „No Push Collide“ (Sony Music) nicht. Eigentlich machen die vier Jungs von der Insel sogar verdammt viel richtig. Und dass der Hörer beim durchforsten der zwölf Tracks ständig am Rätseln ist, welcher bekannten Formation dieser und jener Song denn nun wieder ähneln könnte, ist schlicht und ergreifend Newcomer-Schicksal.
Vielleicht darf es ja schon bald als der Serafin-Sound gelten, wenn sich ohrwurmartige Refrains aus dem Munde von Sänger Ben Fox scheinbar mühelos unter martialische Gitarren-Ausbrüche mischen, um wiederum von ebenso gekonnt dargebotenen nuancierten Melodieläufen abgelöst zu werden.
Wenngleich sich dem geübten Hörer gleich eine ganze Palette von Referenzen aufdrängen mag, die von Nirvana über die Foo Fighters oder Weezer bis hin zu den Queens Of The Stone Age reichen, bleibt am Ende noch genügend Serafin übrig, um nicht gänzlich in der Plagiat-Schublade zu verschwinden.
Alternative Rock-Klänge aus England sind zugegeben nicht eben selten. Doch das Quartett darf schon allein deshalb nicht als klassische Inselkombo abgetan werden, weil die Bandmitgleider fein säuberlichst übers gesamte Commonwealth verteilt sind: Nur Ben Fox stammt aus England, komplettiert wird die Runde durch den Schotten Darryn Harkness an der Gitarre und den beiden Neuseeländern Ben Ellis (Bass) und Ronny Growler (Drums).
Ihre Songs auf „No Push Collide“ scheuen weder die poppigen Melodien, wie etwa beim Ohrwurm „Day By Day“ — welcher allerdings kaum mehr zu verbergen vermag, dass die Foo Fighters Quelle der Inspiration waren — balladenhafte Tracks („Peaches From Spain“) noch den rotzigen Grunge-Gitarren-Sound und wenn sich Ben Fox bei „Lethargy“ die Seele aus dem Leib schreit, sind Assoziationen mit dem Gesang von Grunge-Ikone Kurt Cobain fast unvermeidlich. Doch trotzen Serafin ihrem Newcomer-Schicksal wacker mit makellosen Rocksongs — und es wäre schon sehr verwunderlich, wenn dieses Bemühen in Zukunft unbeachtet bliebe.
