Wem mag die­ses feu­rige Augen­paar wohl gehö­ren? Weder Hum­phrey Bogart noch Gary Gil­more kom­men ernst­haft in Frage, schon eher würde man sie wohl Mari­lyn Man­son zuord­nen — und läge damit gar nicht mal so falsch. Vin­cent Damon Fur­nier ist’s, der seit annä­hernd 55 Len­zen mit ihnen durch die Welt blickt und zwei­fels­ohne haben sie seit sei­ner Debüt-​​Platte „Pret­ties For You“ aus dem Jahr 1969 bereits so man­ches schauen dürfen.

Inter­na­tio­na­ler Durch­bruch mit „School’s Out“, dazwi­schen Alkohol-​​Einbrüche und erneu­ter Auf­bruch mit dem 89er Hit-​​Album „Trash“. Kürz­lich kehrte jener Musi­ker mit einem neuen Album auf den Markt zurück und lässt seine Fan­schar seit­her durch „The Eyes Of Alice Cooper“ (Spit­fire/​Edel) bli­cken.

Nach­dem der Urva­ter des Scho­ck­rocks mit der Tri­lo­gie um „The Last Temp­ta­tion“, „Bru­tal Bla­net“ und „Dra­gon Town“ teil­weise erbar­mungs­los mit der Industrial-​​Keule zuge­schla­gen hat, erklin­gen auf „The Eyes Of Alice Cooper“ plötz­lich ein­mal mehr Highschool-​​Rock ‚n‘ Roll und Oldschool-​​Hardrock; uner­war­tet und oben­drein gänz­lich frei von peinlich-​​störendem Retro-​​Gehabe.

>Ange­fan­gen beim kraft­vol­len Opener „What Do You Want From Me“ zei­gen Alice Cooper samt Band, dass sie es immer noch ver­ste­hen, rich­tig guten Rock ‚n‘ Roll abzu­lie­fern. Eine kleine Frischzellen-​​Kur gab’s dann aber doch: Zu den lang­jäh­ri­gen Gitar­ris­ten Eric Dover und Ryan Roxie sowie Schlag­zeu­ger Eric Sin­ger gesellte sich mit Bas­ser Chuck Gar­ric ein neues Gesicht.

In die­ser Kon­stel­la­tion hat die Gruppe 13 Stü­cke ein­ge­spielt, die nicht nur musi­ka­lisch son­dern auch text­lich zu über­zeu­gen wis­sen; etwa das herr­lich per­si­flie­rende „Man Of The Year“ oder das Tri­but an die Rock­szene annoda­zu­mal in „Detroit City“. Dane­ben gibt’s klas­si­sche Bal­la­den im Cooper-​​Style („The Song That Didn’t Rhyme“, „Be With You A While“) sowie spring­le­ben­dige Rock­num­mern („Spi­rits Rebel­lious“, „I’m So Angry“).

„The Eyes Of Alice Cooper“ — ein zeit­ge­mä­ßes Rock ‚n‘ Roll-​​Werk! Es ist in der Tat beacht­lich, mit wel­cher Bra­vour der Alt­meis­ter den Spa­gat voll­bringt, mit musi­ka­li­schem Rück­wärts­gang, das Gas­pe­dal bis zum Boden­blech durch­ge­tre­ten, der­art nach vorn zu pre­schen. „School’s Out“? Noch lange nicht!