Bei­nahe hätte alles ein unrühm­li­ches Ende genom­men, ja ein lang­sa­mes Dahin­sie­chen als „Alternde Jung­fern“ schien das Schick­sal der einst so präch­ti­gen Metal-„Göttinen“. Doch das Album „Brave New World“ besie­gelte end­gül­tig die tri­um­phale Rück­kehr von Bruce Dick­in­son und riss Iron Mai­den mit einem Schlag aus der musi­ka­li­schen Bedeu­tungs­lo­sig­keit, in wel­che man nach dem Abgang des Front­manns gestürzt war.

Blaze Bai­ley ver­mochte es nie, die „Air Raid Siren“ — was über­setzt soviel wie Luft­warn­si­rene heißt — auch nur halb­wegs adäquat zu erset­zen. Nach einer Solo-​​Auszeit von acht Jah­ren schloss sich der „ver­lo­rene Sohn“ anno 2000 Har­ris & Co. ein erneu­tes Mal an; ebenso wie Gitar­rist Adrian Smith, der die Bri­ten damit vom Quin­tett zum Sex­tett auf­stockte. Nun steht seit gerau­mer Zeit der zweite Longplayer der Wie­der­ver­ein­ten in den Rega­len — und die Eiser­nen Jung­frauen bit­ten zum „Dance Of Death“ (EMI).

Mit sei­ner Stimme gin­gen die Metal­ler seit 1980 zum Angriff über: Bruce Dick­in­son. Schon das Debüt­al­bum des Quin­tetts um Band-​​Leader und Bas­sist Steve Har­ris mit dem schlich­ten Titel „Iron Mai­den“ über­zeugte mit ast­rei­nem Heavy Metal-​​Sound, der durch die dop­pel­läu­fi­gen Lead-​​Gitarren zusätz­lich an Kraft gewann. Und daran hat sich gott­lob auch auf „Dance Of Death“ — seit weni­gen Tagen auch als DVD zu haben — nichts geän­dert. Inner­halb der eng gesteck­ten Gren­zen des zele­brier­ten Bri­tish Heavy Metal spie­len Iron Mai­den das, was sie unbe­strit­ten kön­nen wie keine zweite For­ma­tion, ohne sich dabei auch nur im Ansatz auf (unnö­tige) Expe­ri­mente einzulassen.

Und so klingt „Dance Of Death“ wie ein Maiden-​​Album nun ein­mal seit über 20 Jah­ren zu klin­gen hat: Melo­di­sche Metal-​​Salven, fortan aus drei Roh­ren abge­feu­ert, dazu heult Dick­in­sons unver­wech­sel­ba­res Organ wie zu bes­ten Zei­ten — und nicht zu ver­ges­sen das opti­sche Moment: Mas­kott­chen Eddie prangt stan­des­ge­mäß auf dem Cover, dies­mal als Sensenmann.

Es fehlt aller­dings — trotz solch ein­gän­gi­ger Num­mern wie „Wil­dest Dreams“, „No More Lies“ oder „Gates Of Tomor­row“ — ganz klar an rich­ti­gen Kra­chern, die das Zeug Metal-​​Hymne für die Ewig­keit haben. Allen­falls das sehr gelun­gene „Dance Of Death“, wel­ches gerade zu Beginn sehr schön die fran­zö­si­schen Branle-​​Tänze des 15. Jahr­hun­derts ein­fängt, erin­nert mit sei­nen schnel­len Gitar­ren­läu­fen an ver­gan­gene „Num­ber Of The Beast“-Zeiten.

Aber alles halb so wild und wenn man der fes­ten Über­zeu­gung ist, es selbst nicht tref­fen­der for­mu­lie­ren zu kön­nen, wird eben kur­zer­hand ein Zitat zur Sache bemüht, wel­ches in die­sem Falle von Mat­thias Mineur vom „E.M.P.“-Magazin stammt: „Wun­der­ta­ten erwar­tet man nicht von jedem neuen Werk — Genie­strei­che gibt es nur ein­mal pro Dekade.“