Karls­ruhe — „Wenn die so waren, wir waren es jeden­falls nicht.“ Lean­der Hauß­mann macht kei­nen Hehl dar­aus, was er von der „Ostalgie“-Welle hält, die seit gerau­mer Zeit durch die Repu­blik schwappt. Hier­auf ange­spro­chen, ver­weist der viel­ge­lobte Regis­seur, der zur Zeit mit „Herr Leh­mann“ in den Kinos zu sehen ist, gerne auf sei­nen Bei­trag, den er zu die­sem Thema in einem Ham­bur­ger Nach­rich­ten­ma­ga­zin ver­öf­fent­licht hat. Und Lean­der Hauß­mann sieht man es an, dass er nicht zu den „Ost­al­gi­kern“ zählt, denen nichts ande­res ein­fällt, als ste­reo­type Kli­schees zu zeigen.

Zwar hat er mit sei­nem Film „Son­nen­al­lee“ einen wesent­li­chen Teil dazu beige­tra­gen, den Osten hip zu machen, wenn man das so sagen kann. Trotz­dem fin­det er deut­li­che Worte, um zu zei­gen, dass er „Ost­al­gie“ nicht ver­kitscht ver­klärt ver­stan­den wis­sen will: „West zu sein ent­schul­digt nicht, sich nicht zu informieren.“

Doch bevor Lean­der Hauß­mann am ver­gan­ge­nen Frei­tag­abend Ralf Geß­wein und Patrick Wurs­ter Rede und Ant­wort stand, wid­mete er sich den Kino­be­su­chern der Schau­burg. Gemein­sam mit Pro­du­zent Claus Boje reiste der 1991 als bes­ter Nach­wuchs­re­gis­seur des Lan­des aus­ge­zeich­nete Hauß­mann eigens aus Ber­lin an, um die Stim­mun­gen des Karls­ru­her Publi­kums auf sei­nen Film am eige­nen Leib zu erfahren.

„Becks hat bis­lang kei­nen Cent bezahlt!“

Und die Reak­tio­nen, die er für seine Adap­tion von Sven Rege­ners Kul­tro­man ern­tete, ver­wun­der­ten den Thea­ter­ma­cher. „Posi­tiv über­rascht“ sei er vom Publi­kum gewe­sen, denn mit eini­gen Fra­gen hätte er nicht gerech­net. Natür­lich woll­ten die Damen im Kino­saal wis­sen, ob denn die durch­aus respek­ta­ble Bier­wampe Det­lev Bucks echt gewe­sen sei. Und respek­ta­bel auch die Ant­wort, die offen­barte, dass im deut­schen Film digi­tale Bild­be­ar­bei­tung wirk­lich gewinn­brin­gend ein­ge­setzt wird: Näm­lich für das Retu­schie­ren, um den herr­li­chen Plas­ti­lin­bauch in die rich­tige Fär­bung zu brin­gen. Det­lev Bucks Echt-​​Haut kapi­tu­lierte näm­lich vor der „Eisens­kälte beim Dreh“ — und ließ prompt den natür­li­chen Rosa-​​Ton ver­mis­sen, auf den die Wampe ursprüng­lich aus­ge­legt war.

Solch Ein­satz wird frei­lich belohnt. Denn „Herr Leh­mann“ ist für das Produzenten-​​Duo Claus Boje und Det­lev Buck ein vol­ler Erfolg. Wäh­rend die gro­ßen Block­bus­ter aus Über­see eigent­lich nur dank gigan­ti­scher Mar­ke­ting­stra­te­gien vor allem am ers­ten Start­wo­chen­ende die Kas­sen klin­geln las­sen, zapft „Herr Leh­mann“ nicht nur seit 14 Tagen erfolg­reich — im Gegen­teil: „Die Leute emp­feh­len den Film wei­ter“, weiß Claus Boje zu berich­ten und des­halb glaube er auch daran, dass sein „Herr Leh­mann“ noch einige Zeit vor allem in den klei­ne­ren Pro­gramm­ki­nos zu sehen sein wird. Im glei­chen Atem­zug bedau­ert er, dass der Film zwar in vie­len der gro­ßen Mul­ti­ple­xen läuft, er dort aber nicht so zur Gel­tung käme, wie er es ver­dient hätte.

„Die Komö­die ist meine List, ein Drama zu erzählen“

Und den­noch: „Mit 110 Kopien sind wir bun­des­weit gestar­tet und hat­ten am ers­ten Wochen­ende prompt den zweit­bes­ten Kopi­en­schnitt“, strahlt Boje. Übri­gens: „Becks hat bis­lang kei­nen Cent bezahlt! Das Bier in den grü­nen Fla­schen war ein­fach das Kult­ge­tränk in den 80er Jah­ren, daran führte kein Weg vor­bei“, ver­si­chern beide uni­sono. „Sonst haben wir bei unse­ren Fil­men ja eher Schwie­rig­kei­ten damit, Spon­so­ren zu fin­den“, wit­zelt Hauß­mann mit Anspie­lung auf „Son­nen­al­lee“. Auch wenn sein „Herr Leh­man“ in ers­ter Linie die Lach­mus­keln stra­pa­ziert, nimmt der Film am Ende eine doch recht tra­gi­sche Wen­dung. „Die Komö­die ist meine List, ein Drama zu erzäh­len. Ich möchte den Zuschauer erst in Sicher­heit wie­gen, bevor ich die trau­rige Bot­schaft duch­schei­nen las­sen“, erzählt Lean­der Hauß­mann über seine Arbeit im Regiestuhl.

Bleibt die Frage, wes­halb das Gespann den wei­ten Weg von Ber­lin in die Fächer­stadt auf sich genom­men hat und bei sei­ner Ant­wort bricht dann doch wie­der der Theater-​​Regisseur in Hauß­mann durch: „Ganz ein­fach, ich wollte ein Feed­back mei­nes Publi­kums. Ich hasse nichts mehr als im eige­nen Saft zu schmo­ren.“ Wer solch Tingeltangel-​​Touren durch die Repu­blik auf sich nimmt, hat in der Regel pri­mär zum Ziel, sei­nen Film zu pro­mo­ten. Aber Lean­der Hauß­mann sagt das mit einer der­ar­ti­gen Bestimmt­heit, dass man bei­nahe nicht drum herum kommt, sei­ner Aus­sage Glau­ben zu schen­ken. Sprachs und ent­schwand ins Karls­ru­her Nacht­le­ben. Bis denn dann, Herr Haußmann!