Chaoze One- "Rapression"Was rie­fen doch Rio Rei­ser und seine Man­nen von Ton Steine Scher­ben einst gens Bon­zen­volk: „Ihr kriegt uns hier nicht raus — das ist unser Haus!“ Ber­lin damals erin­nert ein wenig ans Karls­ruhe von heute, denn die­ser Tage steht die Zukunft des selbst­ver­wal­te­ten Kul­tur– und Wohn­pro­jekts Ex-​​Steffi mehr denn je auf Mes­sers Schneide. Dabei sol­len die Zei­ten sich doch ändern, heißt es.

Zumin­dest gilt diese Phrase unbe­strit­ten für die Musik der lin­ken Bewe­gung, in der sich immer mehr neue Ein­flüsse mani­fes­tie­ren konn­ten. Längst haben Ska– und Reggae-​​Klänge ebenso ihren fes­ten Platz wie der Sprech­ge­sang: „Rapres­sion“ (Twis­ted Chords) heißt denn kon­se­quen­ter­weise auch das neue Werk des in der Fächer­stadt behei­ma­te­ten Hip­Ho­pers Chaoze One.

Und um zu bewei­sen, dass er mitt­ler­weile zu den ech­ten Kön­nern sei­nes Fachs gezählt wer­den darf, brauchte es nicht erst die Ehrer­wei­sung der sze­ne­be­kann­ten Anarcho-​​Rapper von Anar­chist Aca­demy. Doch um so schö­ner der Rit­ter­schlag und ange­sichts der zahl­reich aus­ge­mach­ten Schwach­stel­len im „Grün­groß­deutsch­land“ kann gemein­sa­mes Rei­men (gegen Räu­mung) eigent­lich nicht schaden.

Dem räu­mungs­be­droh­ten Haus in der Schwarz­wald­straße 79 hat der MC des­halb gleich einen eige­nen Song gewid­met: „Kein Tag ohne“. Unter­stützt wird er auf sei­nem Debü­tan­ten von der Hei­del­ber­ger Reggae-​​Ragga-​​Ska-​​HipHop-​​Combo Irie Révol­tés, die eben­falls im Dezem­ber ihren Erst­ling „Deux Cotes“ ver­öf­fent­licht haben, und auf „Rapres­sion“ beim Track „Kein Mensch ist ille­gal“ zu hören sind.

„Old– und Newschool des deutsch­spra­chi­gen Hip­Hops, ver­ei­nigt euch!“, möchte man fast ob der illus­tren Runde laut her­aus­ru­fen, die sich da ihr Stell­dich­ein gibt: Denn neben der Hei­del­ber­ger Rap-​​Crew Posi­ti­ves Licht und den MCs von Irie Révol­tés — Mal Eleve und Car­lito — fin­den sich auch die bereits erwähn­ten „Rap­pel­kis­ten­kids“ von Anar­chist Aca­demy in Per­son von Bütti, Bom­ber und Deadly T („5. Terroristen-​​Kollaboration“) sowie die Micro­phone Mafia mit Asia und Rossi („Kalte Zei­ten“) auf der „Rapression“-Feature-Liste.

Doch auch seine Allein­gänge kön­nen sich hören las­sen: Ob ein­fühl­sam wie bei „Letz­ter Gruß“ oder fast schon rockig („Auf­prall 2003″) — Chaoze Ones Debüt steht durch­weg für satte Beats und kri­ti­sche Lyrics. Gewalt­lo­ser Wider­stand eben. Da würd sich auch ein Rio Rei­ser freuen.