1. Februar 2004
Chaoze One — „Rapression“
Was riefen doch Rio Reiser und seine Mannen von Ton Steine Scherben einst gens Bonzenvolk: „Ihr kriegt uns hier nicht raus — das ist unser Haus!“ Berlin damals erinnert ein wenig ans Karlsruhe von heute, denn dieser Tage steht die Zukunft des selbstverwalteten Kultur– und Wohnprojekts Ex-Steffi mehr denn je auf Messers Schneide. Dabei sollen die Zeiten sich doch ändern, heißt es.
Zumindest gilt diese Phrase unbestritten für die Musik der linken Bewegung, in der sich immer mehr neue Einflüsse manifestieren konnten. Längst haben Ska– und Reggae-Klänge ebenso ihren festen Platz wie der Sprechgesang: „Rapression“ (Twisted Chords) heißt denn konsequenterweise auch das neue Werk des in der Fächerstadt beheimateten HipHopers Chaoze One.
Und um zu beweisen, dass er mittlerweile zu den echten Könnern seines Fachs gezählt werden darf, brauchte es nicht erst die Ehrerweisung der szenebekannten Anarcho-Rapper von Anarchist Academy. Doch um so schöner der Ritterschlag und angesichts der zahlreich ausgemachten Schwachstellen im „Grüngroßdeutschland“ kann gemeinsames Reimen (gegen Räumung) eigentlich nicht schaden.
Dem räumungsbedrohten Haus in der Schwarzwaldstraße 79 hat der MC deshalb gleich einen eigenen Song gewidmet: „Kein Tag ohne“. Unterstützt wird er auf seinem Debütanten von der Heidelberger Reggae-Ragga-Ska-HipHop-Combo Irie Révoltés, die ebenfalls im Dezember ihren Erstling „Deux Cotes“ veröffentlicht haben, und auf „Rapression“ beim Track „Kein Mensch ist illegal“ zu hören sind.
„Old– und Newschool des deutschsprachigen HipHops, vereinigt euch!“, möchte man fast ob der illustren Runde laut herausrufen, die sich da ihr Stelldichein gibt: Denn neben der Heidelberger Rap-Crew Positives Licht und den MCs von Irie Révoltés — Mal Eleve und Carlito — finden sich auch die bereits erwähnten „Rappelkistenkids“ von Anarchist Academy in Person von Bütti, Bomber und Deadly T („5. Terroristen-Kollaboration“) sowie die Microphone Mafia mit Asia und Rossi („Kalte Zeiten“) auf der „Rapression“-Feature-Liste.
Doch auch seine Alleingänge können sich hören lassen: Ob einfühlsam wie bei „Letzter Gruß“ oder fast schon rockig („Aufprall 2003″) — Chaoze Ones Debüt steht durchweg für satte Beats und kritische Lyrics. Gewaltloser Widerstand eben. Da würd sich auch ein Rio Reiser freuen.
