Pforz­heim — Inzwi­schen wei­len die drei Brü­der Hans, Michael und Chris­toph Well längst wie­der in ihrer Hei­mat, dem namens­ge­ben­den Bier­moos. Doch was wis­sen sie zu berich­ten von ihrem Aus­flug am ver­gan­ge­nen Frei­tag­abend ins badisch-​​schwäbische Grenz­ge­biet? „Des Pforz­heima Publi­kum woar scho a bis­serl lät­schert drauf, moanst ned Ger­hard?“ Ange­spro­chen ist ihr lang­jäh­ri­ger Part­ner, Kaba­ret­tist Ger­hard Polt, der gemein­sam mit den Bier­mösl Blosn im Con­gress Cen­trum auf Ein­la­dung des Kul­tur­haus Oster­feld für reich­lich baye­ri­sche Momente sorgte.

„Viel­leicht ham’s uns aba a ned ver­stan­den“, ent­geg­net der grum­me­lige 61-​​jährige Münch­ner und supft genüß­lich den Schaum vom Kru­grand. Dabei hatte das Quar­tett zu Beginn doch extra gewarnt, die des Baju­wa­ri­schen nicht unein­ge­schränkt Mäch­ti­gen könn­ten hier und da Ver­ständ­nis­schwie­rig­kei­ten haben. In bewähr­ter Tra­di­tion müh­ten sie sich, ein klein wenig Lokal­ko­lo­rit auf­blit­zen zu lassen.

Oder hat­ten ihnen die Pforz­hei­mer etwa die Gering­schät­zung für ihr idyl­li­sches „Städtle“ übel genom­men: „Mir ham uns heut Mit­tag a bis­serl umg­schaut, wie’s so aus­schaut bei eich — und lasst eich gsogt sei: Mir san über­haupts nicht beein­druckt…“ Doch auch all jene, die von wei­ter nord-​​westlich in die Gold­stadt gereist waren und sich an die­ser Stelle bereits ver­gnügt die Hände rei­ben, bekom­men sogleich ihre ver­bale Watschn: „…aba des woarn ma von Karls­ruhe a ned.“

„Singa sollts, ned klatschen!“

Es fol­gen sodenn noch die obli­ga­to­ri­schen „Grüße der baye­ri­schen Staats­t­re­gie­rung“, bevor die Bier­mösl Blosn den ers­ten Ver­such star­ten, das Publi­kum in ihr breit­in­stru­men­tier­tes Spiel ein­zu­be­zie­hen: Doch „das Was­ser ghört zum Waschen“, andern­orts ein Stim­mungs­ga­rant par excel­lance, ani­miert zum gro­ßen Erstau­nen der Prot­ago­nis­ten nur ganz ver­ein­zelt zum Mit­sin­gen. Erst als sich der Abend dem Ende ent­ge­gen neigt, taut das zah­len­den Volk ein wenig auf. Doch um kei­nen fal­schen Ein­druck auf­kom­men zu las­sen: Gut unter­hal­ten gefühlt haben sich die Pforz­hei­mer schon zuvor.

Doch zei­gen konn­ten sie’s nur, wenn’s ums Klat­schen ging. Auch der älteste der Well-​​Brüder, der Hans, bemerkt schon recht bald, dass die wahre Stärke der Gold­städ­ter „nicht im Sin­gen, son­dern im Aus­drucks­tanz“ lie­gen muss. Dum­mer­weise war der an die­sem Abend aber über­haupt nicht gefragt; und selbst von so schnörkellos-​​unverblümten Auf­for­de­run­gen wie „Singa sollt’s, ned klat­schen!“ lässt sich der Pforz­hei­mer nicht aus der badi­schen Ruhe bringen.

Ger­hard Polt gab sich gewohnt bissig-​​bösartig

Da kommt dem Publi­kum der Ger­hard Polt gerade recht. Einer, der sich — ansons­ten herr­lich teil­nahms­los dasit­zend — in ste­ter Regel­mä­ßig­keit vom Stuhl erhebt und in sei­nen Mono­lo­gen von jenen Din­gen zu berich­te­ten weiß, die den klei­nen Mann eben so beschäf­ti­gen. Sicht­lich dank­bar nichts tun zu müs­sen, lauscht das Publi­kum und bedenkt die gewohnt bösartig-​​bissigen Bemer­kun­gen des baye­ri­schen Vorzeige-​​Kabarettisten mit reich­lich Szenenapplaus.

So erzählt Polt etwa von sei­nem zukünf­ti­gen Rent­ner­da­sein in Spa­nien, wo er „kein Nasi­vin und keine Angora-​​Unterhose“ braucht und „Paella fres­send“ die bun­des­deut­sche Ren­ten­kasse ent­las­tet. Auf sei­nen gelieb­ten Schweins­bra­ten weiß er im Aus­land zu ver­zich­ten. Denn der Polt ist bekannt­lich ein Tole­ran­ter. Ganz im Gegen­satz zu sei­nem spa­ni­schen Freund, dem „Hor­chi“, der ihn schon bei sei­ner Ankunft in Espagna gar mit gen Him­mel gereck­tem rech­ten Arm begrüßt. Und über­haupt soll­ten nach Polts Dafür­hal­ten „a die Islami bei uns an Leber­kaas fressen!“

„Bei de Schneckn, da hört die Tole­ranz auf!“

Sogar bei jener Dame, der er Treue bis zum Tod gelobt hat, sieht er über so man­ches hin­weg — aber „bei de Schneckn, da hört die Tole­ranz auf!“ Kein Wun­der, denn die­sen Bies­tern ist eben nur sehr schwer Herr zu wer­den: „Des Schne­cken­gift, des fres­sens als ob’s a Wie­ner Schnit­zel wär“. Mit sei­nem bewähr­ten Polt­schen Rezept zeigt er dar­über­hin­aus sogleich, was er von außer­baye­risch Gebrau­tem hält: „Da schütt i an Kas­ten War­stei­ner drü­ber und scho ver­re­ckens.“ Einen Haken hat seine Methode dann aber doch, denn „hin­ter­her ist die Erdn lei­der voll­stän­dig kontaminiert…“

Zum Aus­gleich lie­fert das Quar­tett ebenso gedie­gene wie beein­dru­ckend vor­ge­tra­gene Ein­la­gen, etwa „Dreh­leier Unplug­ged“, die „Feu­er­wehr Suite“ oder klas­si­sche Stü­cke nach Bier­mösl Art, bei wel­chen sogar Ger­hard Polt zum Instru­ment, genauer gesagt dem Kon­tra­bass, greift. Die Pforz­hei­mer Lokal­po­li­tik samt finan­zi­ell dar­nie­der­lie­gen­dem FC wird im wei­te­ren Ver­lauf des Abends ebenso aufs Korn genom­men wie die hei­mi­sche Staats­re­gie­rung und der Kali­for­ni­sche Gou­ver­neur aus Über­see, der im zoo­lo­gi­schen Affen­ge­hege von den Goril­las mit dem Lied­gut „Bist a do?“ begrüßt wird.

Und frei­lich kommt kein Biermösl-​​Konzert ohne Alp­hör­ner und den „Kung Fu-​​Plattler“ aus, der dies­mal aller­dings ledig­lich zwei Run­den zählt. Das zah­lende Volk übt Nach­sicht, sind doch Michael und Chris­toph Well auch nicht mehr die Jüngs­ten. Und über­haupt: Wer sich bei der kör­per­li­chen Kon­zerter­tüch­ti­gung aufs bloße Klat­schen beschränkt, hat eben auch kei­nen unein­ge­schränk­ten Anspruch auf akro­ba­ti­sche Bühnen-​​Höchstleistungen.

Doch zurück ins schöne Bier­moos, wo Polt und die Well-​​Brüder gerade bei einer wei­te­ren Maß ein­hei­mi­schen Brau­guts über ihren Auf­tritt in der Gold­stadt sinie­ren. Ganz auf­ge­ge­ben haben sie das Völk­chen vom Nach­bar­land gott­lob noch nicht und so hört man’s vom Ein­zel­kind der Runde ver­schmitzt gran­teln: „Jo mei, da war ja in Ost­fil­dern letzt Joar no mehr Stim­mung. Aber hof­fent­lich, hehe, hof­fent­lich san die Karls­ru­her beim „Zel­ti­val“ im Som­mer a bis­sel aufgweckter…“