15. März 2004
Blond 2 — „Frisch getönt“
Blond, das ist keineswegs nur eine Haarfarbe, sondern eine Überzeugung. Blond, das ein Zustand, der nicht nur chronisch, sondern gar chromatisch sein kann. Meinen jedenfalls Annette Postel und Gunzi Heil — und die zwei müssen’s schließlich wissen. Ende Juni vergangenen Jahres war es, da feierte das „Zeltival“-Publikum geradezu frenetisch die Premiere von „Blond 2 — Frisch getönt“.
Der Auftritt des Duos Postel und Heil gehörte zu den Hochgenüssen des Sommerspektakels rund ums Tollhaus. Doch regte sich im Vorfeld trotz aller Ehrschätzung die ein oder andere zweifelnde Stimme, ob der Musikkabarettist mit der seinen neben der Chanteuse würde bestehen können. Und wie er konnte — ein ums andere Mal, denn das Revue-Programm war in den vergangenen Monaten mehrmals in der ganzen Region zu schauen. Die Highlights gibt’s nun auch auf CD (Longblond Records) gepresst.
„Ein an den Haaren herbeigezogener Streifzug durch die Entstehungsgeschichte der blonden Musik“ verspricht das durch Joe Völker am Piano komplettierte Trio. Von der Steinzeit mit ihrem Vorzeigeblonden Barney Geröllheimer geht es in „Frisch getönt“ über das naturblonde Mittelalter und die Romantik über die 1970er bis in die wasserstoffgetönte Gegenwart. Bekannte Klangmuster — ob von Brahms, Mozart, dem gerockten von Falco („Amadeus“), George Bizet oder Richard Clayderman, Nicole Kidman und Robbie Williams bis hin zu Henry Valentinos „Im Wagen vor mir“ und „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens — in bester „Moulin Rouge“-Manier bekommen sie bei „Blond 2″ eine adrett anzuhörende Text-Tönung verpasst.
Eine Teil-Tönung, die sich hören lassen kann
„Viele Parts wirken allerdings nur auf der Bühne so richtig, weshalb wir uns entschlossen haben, nur Auszüge auf die neue CD zu packen“, erklärt Gunzi Heil. Recht hat er, denn die ohne Untertreibung grandiose schauspielerische Leistung des Trios macht zweifelsohne einen nicht unbedeutenden Teil des Charmes dieses Programms aus — und die lässt sich nun mal schlecht akustisch vermitteln.
So sind denn auf der Auskopplung im schicken Digipack auch „nur“ sechs Musikstücke mit einer Gesamtspielzeit von rund 20 Minuten enthalten: Neben dem swingenden „Dud-el-du“ (mit der Musik von „Ding A Dong“, Teach Ins erstem Platz beim „Grand Prix d’ Eurovision de la Chanson“ anno ’75) und den mit Brahms unterlegten „Schwestern“ von Eduard Mörike gibt’s die beiden Eigenkompositionen „Zu zweit ist man niemals allein“ und „Enemene“ sowie Falcos „Amadeus“ und „So was Dummes“ mit der Musik von Carson Parks zu hören.
Ausgespart wurde leider die „Blond“-Version von „Im Wagen vor mir“, die dem Rundling sicherlich auch gut zu Frisur gestanden hätte. Die Teil-Tönung kann sich dennoch allemal hören lassen. Blond, das ist wirklich nicht nur eine Haarfarbe. „Blond“, das ist Kleinkunst und zwar im ganz großen Stil.
