Blond, das ist kei­nes­wegs nur eine Haar­farbe, son­dern eine Über­zeu­gung. Blond, das ein Zustand, der nicht nur chro­nisch, son­dern gar chro­ma­tisch sein kann. Mei­nen jeden­falls Annette Pos­tel und Gunzi Heil — und die zwei müssen’s schließ­lich wis­sen. Ende Juni ver­gan­ge­nen Jah­res war es, da fei­erte das „Zel­ti­val“-Publi­kum gera­dezu fre­ne­tisch die Pre­miere von „Blond 2 — Frisch getönt“.

Der Auf­tritt des Duos Pos­tel und Heil gehörte zu den Hoch­ge­nüs­sen des Som­mer­spek­ta­kels rund ums Toll­haus. Doch regte sich im Vor­feld trotz aller Ehr­schät­zung die ein oder andere zwei­felnde Stimme, ob der Musik­ka­ba­ret­tist mit der sei­nen neben der Chan­teuse würde beste­hen kön­nen. Und wie er konnte — ein ums andere Mal, denn das Revue-​​Programm war in den ver­gan­ge­nen Mona­ten mehr­mals in der gan­zen Region zu schauen. Die High­lights gibt’s nun auch auf CD (Longblond Records) gepresst.

„Ein an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­ner Streif­zug durch die Ent­ste­hungs­ge­schichte der blon­den Musik“ ver­spricht das durch Joe Völ­ker am Piano kom­plet­tierte Trio. Von der Stein­zeit mit ihrem Vor­zei­ge­b­lon­den Bar­ney Geröll­hei­mer geht es in „Frisch getönt“ über das natur­blonde Mit­tel­al­ter und die Roman­tik über die 1970er bis in die was­ser­stoff­ge­tönte Gegen­wart. Bekannte Klang­mus­ter — ob von Brahms, Mozart, dem gerock­ten von Falco („Ama­deus“), George Bizet oder Richard Clay­der­man, Nicole Kid­man und Rob­bie Wil­liams bis hin zu Henry Valen­ti­nos „Im Wagen vor mir“ und „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jür­gens — in bes­ter „Mou­lin Rouge“-Manier bekom­men sie bei „Blond 2″ eine adrett anzu­hö­rende Text-​​Tönung verpasst.

Eine Teil-​​Tönung, die sich hören las­sen kann

„Viele Parts wir­ken aller­dings nur auf der Bühne so rich­tig, wes­halb wir uns ent­schlos­sen haben, nur Aus­züge auf die neue CD zu packen“, erklärt Gunzi Heil. Recht hat er, denn die ohne Unter­trei­bung gran­diose schau­spie­le­ri­sche Leis­tung des Trios macht zwei­fels­ohne einen nicht unbe­deu­ten­den Teil des Charmes die­ses Pro­gramms aus — und die lässt sich nun mal schlecht akus­tisch vermitteln.

So sind denn auf der Aus­kopp­lung im schi­cken Digi­pack auch „nur“ sechs Musik­stü­cke mit einer Gesamt­spiel­zeit von rund 20 Minu­ten ent­hal­ten: Neben dem swin­gen­den „Dud-​​el-​​du“ (mit der Musik von „Ding A Dong“, Teach Ins ers­tem Platz beim „Grand Prix d‘ Euro­vi­sion de la Chan­son“ anno ’75) und den mit Brahms unter­leg­ten „Schwes­tern“ von Edu­ard Mörike gibt’s die bei­den Eigen­kom­po­si­tio­nen „Zu zweit ist man nie­mals allein“ und „Ene­mene“ sowie Fal­cos „Ama­deus“ und „So was Dum­mes“ mit der Musik von Car­son Parks zu hören.

Aus­ge­spart wurde lei­der die „Blond“-Version von „Im Wagen vor mir“, die dem Rund­ling sicher­lich auch gut zu Fri­sur gestan­den hätte. Die Teil-​​Tönung kann sich den­noch alle­mal hören las­sen. Blond, das ist wirk­lich nicht nur eine Haar­farbe. „Blond“, das ist Klein­kunst und zwar im ganz gro­ßen Stil.