25. März 2004

Der Drachenmacher

Karls­ruhe — Etwa 20 Jahre ist es her, dass ein klei­ner Dra­che dem Schöp­fer­geist Peter Maf­fays ent­sprun­gen ist, doch Taba­luga ist schon weit­aus älter: Sei­nen 700. Geburts­tag begeht der Grün­län­der zu Beginn der Geschichte ums ver­schenkte Glück, die von Frei­tag bis Sonn­tag, 16. bis 18. April, vier­mal in der Karls­ru­her dm-​​Arena zu schauen sein wird. Wenige Wochen vor Ein­zug des Rock-​​Märchens in der Fächer­stadt unter­hielt sich Patrick Wurs­ter mit „Taba­luga“-Kon­zert­ver­an­stal­ter Fritz Rau.

???: Muss­ten Sie Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten, um das Star­auf­ge­bot für ihren „Taba­luga“ zu gewin­nen oder kom­men sie alle gelau­fen, wenn der große Fritz ruft?
Fritz Rau: Nein, das war teil­weise gar nicht so ein­fach. Wir haben zwei Jahre lang hart dafür gear­bei­tet; ich per­sön­lich habe mich in die­ser Zeit aus­schließ­lich die­ser Auf­gabe gewid­met. Es war unser Ziel, für jeden Song einen exqui­si­ten Künst­ler zu bekom­men. Neh­men wir etwa Heinz Hoenig, der als TV-​​Schauspieler ganz anders arbei­tet, als in einem Stück, wo er zwei­ein­halb Stun­den nahezu per­ma­nent auf der Bühne steht. Als wir jedoch erfah­ren hat­ten, dass er einst Mit­glied einer Rock­band war und dar­über hin­aus drei Jahre lang im bes­ten Jugend­thea­ter Ber­lins, dem Grips-​​Theater, gespielt hat, wuss­ten wir: Das ist unser Mann für die Rolle von Taba­lugas eisi­gem Wider­sa­cher Arktos! Dann haben wir um ihn gekämpft. Und so ist es uns nach und nach gelun­gen, Künst­ler um Künst­ler zu ver­pflich­ten — von Regis­seur Rufus Beck, der auch die Rolle des Magi­ers inne hat, über Sissi Per­lin­ger, Rolf Stahl­ho­fen, Kader Kesek und Mee Eun Kim bis hin zu Nadeen Hol­lo­way. Einen Sän­ger vom Kali­ber eines Udo Lin­den­berg wür­den wir lie­bend gerne bei allen Auf­trit­ten auf der Bühne sehen. Aber das geht natür­lich nicht, da er auch ande­ren Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men hat. So erhält die Rolle durch die unter­schied­li­chen Pech­vö­gel wie etwa Ben Becker, Götz Als­mann oder Tobias Kün­zel einen ganz eige­nen Kolo­rit. In Karls­ruhe wird Eisi Gulp die­sen Part übernehmen.

???: Wie wür­den Sie die Bot­schaft und das Kon­zept von „Taba­luga und das ver­schenkte Glück“ in Worte fas­sen?
Rau: Von Erich Käs­t­ner haben wir uns vol­ler Respekt das Motto ent­lie­hen „Nur wer erwach­sen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch“. Es ist jedoch mit­nich­ten ein rei­nes Kinder-​​, son­dern viel­mehr ein Fami­li­en­pro­gramm. Oft­mals heißt es leicht­fer­ti­ger­weise, je klei­ner ein Mensch ist, desto weni­ger muss man bie­ten, um ihn zufrie­den­zu­stel­len. Nein, für uns sind die Kin­der das anspruchs­vollste Publi­kum, das es gibt. „Taba­luga“ ist aller­dings kein Musi­cal, denn dort spie­len die Musi­ker keine ent­schei­dende Rolle. Wir ver­an­stal­ten ein Peter Maffay-​​Konzert, das heißt Rock vom Feins­ten, ange­rei­chert mit Theater-​​, Show– und Revue-​​Elementen — ein Fan­tas­ti­kal also!

???: Wie lange wird es dau­ern, bis die „Tabaluga“-Technik in der dm-​​Arena errich­tet ist und was erwar­tet die Zuschauer bei den vier Auf­füh­run­gen?
Rau: Für den Auf­bau wer­den gute drei Tage benö­tigt. Wir bie­ten aller­dings keine „Guck­kas­ten­bühne“, auf der sich alles abspielt. Fünf Schau­plätze neh­men über eine Stre­cke von 140 Metern den gesam­ten Innen­raum der dm-​​Arena in Anspruch. Dazwi­schen sitzt das Publi­kum. Der Sound kommt von oben aus 360 Grad-​​Boxen — es gibt also keine guten oder schlech­ten Plätze. Der Zuschauer ist stets ganz nah dran am Gesche­hen. Das ist eine gänz­lich neue Art der Kon­zep­tion für eine Pro­duk­tion die­ser Grö­ßen­ord­nung. Es gibt hier­zu­lande nur wenige Hal­len, wel­che die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für ein sol­ches Spek­ta­kel bieten.

???: Beim Tour-​​Auftakt am 19. März in Frank­fur­ter Fest­halle hat Peter Maf­fay gesagt, dass es sehr wohl eine wei­tere „Tabaluga“-CD geben wird, eine Bühnen-​​Produktion die­ser Art jedoch nicht mehr ange­dacht ist. Wie sinn­voll erscheint das für Sie als Kon­zert­ver­an­stal­ter aus unter­neh­me­ri­scher Sicht?
Rau: Vor zehn Jah­ren konn­ten wir uns mit „Taba­luga und Lilly“ über 700.000 Besu­cher freuen. Als es an die Pla­nung der aktu­elle Tour­nee ging, habe ich gesagt: „Lass uns ein­fach eine Wie­der­ho­lung von ‚Taba­luga und Lilly‘ machen.“ Aber ein Peter Maf­fay macht keine Neu­auf­lage einer alten Pro­duk­tion — es muss schon ein Novum sein. Das ist aller­dings ein gro­ßer Kraft­akt, zeit­lich wie finan­zi­ell: Die Pro­duk­ti­ons­kos­ten von elf Mil­lio­nen Euro wol­len erst ein­mal amor­ti­siert sein. Soll­ten wir unse­ren bis­he­ri­gen Tur­nus bei­be­hal­ten, wäre ich 84, Maf­fay Mitte 60 — nein, das ist uto­pisch. Wenn jemand die­ses Rock-​​Spektakel erle­ben möchte, hat er jetzt noch ein­mal Gele­gen­heit — und dann nie wieder.