22. März 2004
Fury In The Slaughterhouse — „Nimby“
17 Jahre auf der Schlachtbank und noch immer galoppiert der Hannoveraner zwischen Hackebeil und Fleischermesser. Um die 40 sind seine Reiter mittlerweile fast alle und da ist die Frage durchaus erlaubt, ob die Reflexe noch ausreichen, um nicht von den scharfen Klingen des Musik-Business filetiert zu werden. Die CD-Veröffentlichungen der vergangenen Zeit haben jedenfalls bereits für so manch blutigen Kratzer gesorgt. Mit ihrem neuen Album „Nimby“ (SPV) jedoch haben sich Fury In The Slaughterhouse zur Überraschung vieler eine wahre Frischzellenkur verpasst.
Gleich mit dem Opener „Welcome To The Other World“ präsentieren die sechs Furys herzhaft erfrischendes Liedgut. Der Stakkato-Rock macht richtig Laune und spätestens, wenn das „Warchild“ durch die Boxen rockt dürften auch die skeptischsten Hörer vor Freude mitwiehern: Die Formation um Sänger Kai Wingenfelder klingt fast wieder so gut wie zu ihren besten „Radio Orchid“-Zeiten.
>Zwar nur fast wie gesagt, doch vielleicht so abwechslungsreich wie nie: Ungewohnt balladenhaft („Heroin Of The Flowers“), bis zum Erbrechen süß („V.I.P.“) oder sogar mit raplastigem Refrain („Three Little Piggies“) — die Furys haben sich offensichtlich gleich mehrere Spritzen setzen lassen, ob nun mit HipHop-, Reggae– oder Elektro-Tinktur gefüllt.
Dennoch findet der Hörer auch die altbewährten „Trapped Today, Trapped Tomorrow“-Muster; Fury In The Slaughterhouse haben das unverkennbare Wiehern („Easy Way“) gottlob nicht verlernt. Im Gegenteil, mit „Nimby“ bäumt sich der alte Gaul nochmals kräftig auf. Bleibt abzuwarten wie lange die Frischzellenkur anhält — doch für den Moment darf der Schlachter getrost wieder abbestellt werden.
