„Mein Ego ist so groß, dass sein Schat­ten mich ver­deckt“, ist da zu ver­neh­men und für diese Aus­sage braucht’s schon reich­lich Selbst­wert­ge­fühl: Denn gera­dezu elends lang ist ihr Front­mann: 2,11 Meter Kör­per­maß — da ergibt sich der in Punk­ro­cker­krei­sen obli­ga­to­ri­sche Künst­ler­name „Das lange Elend“ von ganz alleine. Sym­pa­thi­san­ten der lie­be­voll dar­ge­bo­te­nen Drei-​​Akkorde-​​Klänge wis­sen indes längst was kommt.

Zwei Jahre nach Ver­öf­fent­li­chung der Debüt-​​Scheibe „Bacilly“ war­ten Die Elen­den die­ser Tage mit neu ein­ge­spiel­tem Schrummel-​​Punk par excel­lence auf: „Elend für alle“ (Net­mu­siczone Records) gelobt das Ber­li­ner Quar­tett auf ihrem just erschie­ne­nen Longplayer. Rund 49 Minu­ten lang ser­vie­ren Die Elen­den dar­auf „Rumm­pel­beat und Hopps­mu­sik“, wie Track 13 ach so tref­fend zusammenfasst.

Im posi­ti­ven Sinne wohl­ge­merkt und das heißt raues Organ, breite Gitar­ren, geschla­gen von Gerri Mons­ter und dem lan­gen Elend, stan­des­ge­mäß gehetzt durch Tim Talers Schlag­zeug­spiel. Mal eher ska­las­tig („Keep On Fuckin‘ For A Free World“, „Umma Fit­je­s­töe“), mal eher pop­pig („Kugel in dei­nem Kopf“), domi­niert jedoch unterm Strich schlich­ter, dafür aller­dings erfri­schend abwechs­lungs­reich vor­ge­tra­ge­ner Punkrock-​​Sound.

Anspiel­tipp: „Was mir bleibt“. Für Freunde des gepfleg­ten Pogo­tan­zes sind Die Elen­den mit ihrem neuen Rund­ling zwei­fels­ohne ein ganz hei­ßer Tipp, alle ande­ren dürfen’s jedoch getrost mit dem Song „Mons­ter“ hal­ten: „Doch hab ich alles, was mich glück­lich macht hier in mei­ner Hand: Meine Gitarre, mei­nen Schwanz und dein Bild an mei­ner Wand“. Wer braucht da noch „Elend für alle“?