„Wenn ich eines schö­nen Tages gestor­ben bin, soll ‚Baby, Baby‘ in End­los­schleife von mei­nem Grab­stein tönen“, ver­kün­dete einst Hosen-​​Sänger Cam­pino. Für den Fall, dass ihm die Vibra­tors im küh­len Erd­reich doch ein­mal zu ein­tö­nig wer­den soll­ten, kann er getrost zur neuen Jet­ti­son–CD grei­fen. Ihr Debüt „Heat Wave“ (Chil­ler Lounge Records/​Soul­food) bie­tet über 40 Minu­ten loungig-​​melancholischen Pop-​​Rock, der viel­leicht noch am ehes­ten mit dem Sound von The Not­wist zu ver­glei­chen ist.

Zu Anfang domi­niert stets sanf­tes E-​​Gitarren-​​Spiel zur hohen Stimme von Sän­ger Tho­mas Hahn — und erst wenn’s der Hörer schon fast gar nicht mehr zu hof­fen wagt kata­pul­tiert der Ver­zer­rer den Track in die hohen Rock-​​Sphären. Das ist das Jettison-​​Prinzip, mus­ter­gül­tig umge­setzt im Opener „Avalan­che“. So rich­tig mit­zu­rei­ßen ver­ste­hen aller­dings lei­der nur zwei Num­mern auf „Heat Wave“, näm­lich besag­tes „Avalan­che“ und Track sechs mit dem Titel „Minor Step“.

Die rest­li­chen — ab und an sehr düster-​​balladenhaften Songs („Recei­ver“) — bewe­gen sich in einer Grau­zone zwi­schen Rock und Pop; zum Teil mit Elektro-​​Anleihen, dass man beim ers­ten Hören unwill­kür­lich die CD aus dem Player nimmt, um den Rund­ling nach ver­meint­li­chen Krat­zern abzu­su­chen („Sur­ren­der To The Sea“, „Aero­s­pace“). Um keine Miss­ver­ständ­nisse auf­kom­men zu las­sen: Auch die ruhi­ge­ren Stü­cke klin­gen unterm Strich mit ihrem dop­pel­läu­fi­gen Gitar­ren­spiel und dem durch­ge­tre­te­nen Wah Wah-​​Pedal tadel­los schön, doch irgend­et­was fehlt. Rich­tig: Refrains, die ins Ohr gehen — das ist es wohl, was den gemäch­li­che­ren Tracks auf „Heat Wave“ bedau­er­li­cher­weise abgeht.

Apro­pos abge­hen: Den eng­li­schen Aus­druck für unnö­ti­gen Rei­se­bal­last haben sich Jet­ti­son als Band­na­men aus­er­ko­ren — und wenn das Münch­ner Quin­tett sich künf­tig nur ein klein wenig mehr auf ihr (bei „Avalan­che“ so herr­lich prak­ti­zier­tes) Prin­zip ein­las­sen und die größ­ten­teils dahin­plät­schern­den Num­mern nicht wie ein Rinn­saal in der Sicker­grube ver­schwin­den las­sen wür­den, dann hätte Cam­pino wohl sein neues Lieb­lings­al­bum zur Fried­hofs­be­schal­lung gefunden.