Karls­ruhe — „Guda Owed, Fahr­zeug­kon­trolle. Fieh­rer­schei und Fahr­zeug­ba­biere bidde. Hawe se Alg­o­hol drunga oda anare Dro­gen gnomma? Ebbes inha­liert viel­leicht? Ihre Auga sin jo ganz rod — steige se amol aus!“ Tja, so kann’s gehen nach einem Kon­zert vom Söll­ner Hans.

Die Ord­nungs­hü­ter wachen ein­mal mehr mit gestren­gem Blick, dass die Besu­cher nicht den Wor­ten ihres Ver­füh­rers fol­gend des Nachts völ­lig sto­ned in moto­ri­sier­ten Vehi­keln durch Dur­lachs idyl­li­sche Gäss­chen schwe­ben. Doch im Grunde muss man gar nicht selbst gezo­gen haben, der süße Duft des Ver­bo­te­nen durch­strömt hier und da in erheb­li­chem Maße die Rei­hen, als der Bad Rei­chen­hal­ler am Mitt­woch­abend das Volk in die Fest­halle saugt.

Nicht län­ger soll die Kon­fron­ta­tion mit der Obrig­keit zum Haupt­quell sei­ner Künstler-​​Identität gera­ten, doch einen Sei­ten­hieb aufs mut­maß­lich anwe­sende Beam­ten­tum in zivil konnte sich Hans Söll­ner dann wohl doch nicht ver­knei­fen: „Wer hier und heut zu die­ser spät’n Stund no im Dienst is, sollt sich amol ernst­haft übaleng, warum des aso is…“ Ver­siert muss die „Soko Söll­ner“ aller­dings schon sein, denn wer dem sal­ven­ar­ti­gen Rede­schwall fol­gen will, sollte meh­rere Jahre Aus­lands­er­fah­rung im Frei­staat vor­wei­sen können.

Söll­ner erhascht die zweite Luft

Stets für einen provokativ-​​erheiternden Spruch gut spielt der mit sei­ner Haus­combo Bay­aman Siss­dem ange­reiste „Staats­feind Num­mer eins“ sodann reich­lich vom neuen Album „Oiwei i“ — legi­ti­mer­weise, wozu ist die Tour auch da — ver­zich­tet aller­dings im Gegen­zug wei­test­ge­hend auf alt­be­kannte Mitgröhl-​​Nummern. Viel­leicht ein Grund, warum der Funke trotz eines spiel– wie rede­freu­di­gen Hans Söll­ner lange Zeit ein­fach nicht so recht über­sprin­gen will.

Der andere ist ohne Zwei­fel in der schlech­ten Akus­tik der Fest­halle zu suchen: Der Lie­der­ma­cher ist zeit­weise fast nicht zu ver­ste­hen und das liegt nicht nur an sei­nem rekord­ver­däch­ti­gen baju­wa­ri­schen Sprechtempo. Doch bequem scheint’s ihm alle­mal zu sein: Als das Sex­tett pünkt­lich nach ein­ein­halb Stun­den die Bühne räumt, ver­lässt der Haupt­ak­teur erst­mals jene 20 Qua­drat­zen­ti­me­ter, auf wel­chen er zuvor beharr­lich und wie ange­wur­zelt sein Sai­ten­in­stru­ment bear­bei­tet hat — und lässt sich anschlie­ßend lange bitten.

Was sich indes hin­ter der Bühne getan hat oder auch nicht bleibt wohl das Geheim­nis von Peter Pich­ler (Akkor­deon), Denis Rie­ger (Bass), Man­fred Puch­ner (Gitarre), Ste­fan Zept (Key­board) und Ste­fan Hofer (Schlag­zeug), doch scheint ihr Front­mann dort die zweite Luft erhascht zu haben: Söll­ner schwingt mit einem Male die wie­der im Wer­den begrif­fe­nen Rastas, reiht unauf­ge­for­dert Zugabe an Zugabe.

Und als hätte das Publi­kum in der größ­ten­teils bestuhl­ten Fest­halle wäh­rend des gesam­ten Kon­zerts nur ein­ge­at­met, ent­lee­ren sie nun eif­rig ihre Lun­gen und stim­men ein. So muss­ten auch die mut­maß­lich anwe­sen­den Zivi­len not­ge­drun­gen Über­stun­den schie­ben — wäh­rend der Dienst ihrer uni­for­mier­ten Kol­le­gen jeden Moment wie­der begin­nen sollte.