20. Mai 2004

Der Wixxer

Er war geraume Jahre Garant dafür, dass auch jene Zuschauer auf ihre Kos­ten kamen, die dem Bezahl­fern­se­hen nicht den finan­zi­el­len Tri­but zol­len woll­ten: Oli­ver Kalk­ofe und seine „Matt­scheibe“, eine Sen­dung aus der Kult-​​Schatulle. Pein­lich­kei­ten bie­tet die Glotze en masse, so dass er eigent­lich nur den Rahm abzu­schöp­fen braucht. Und wenn das Geschwätz der Fernseh-​​Prominenz ihren Höhen­punkt erreicht, drückt der selbst­er­klärte Medi­en­ter­mi­na­tor den Stopp-​​Knopf, um der sich an ihrer Statt um Kopf und Kra­gen zu reden. Jetzt fei­ert sich Kalk­ofe auf der gro­ßen Kino­lein­wand und lässt dazu sei­nen „Wix­xer“ auf die deut­schen Licht­spiel­häu­ser los.

Tief in den Wäl­dern bei Lon­don liegt das sagen­um­wo­bene Black­white Castle, eines der ältes­ten Schlös­ser Groß­bri­tan­ni­ens und das letzte noch beste­hende Bau­werk in schwarz-​​weiß. Ver­ges­sen von der bun­ten Welt geht dort der Earl Of Cock­wood (Tho­mas Fritsch) sei­nen üblen Machen­schaf­ten nach. Der­weil irren vor den Schloss­to­ren Doris und Die­ter Dubinsky (Anke Engelke und Olli Dittrich) aus Bit­ter­feld durchs Dun­kel der Nacht. Und die hat es in sich, in Per­son des Mönchs mit der Peit­sche, der das säch­si­sche Traum­paar zu file­tie­ren droht. Käme da nicht unver­se­hens ein Lkw her­an­ge­braust, dass es den mord­lüs­ter­nen Mön­chen aus den Schu­hen hebt. Und als auch noch der Frosch mit der Maske ins Gras beißt hat die Lon­do­ner Unter­welt die beängs­ti­gende Gewiss­heit: Ein neuer Schur­ken­mör­der geht um, genannt „Der Wixxer“.

Sir John von Scot­land Yard (Wolf­gang Völz) setzt seine bes­ten Män­ner auf den Fall an: Den neuen Inspec­tor Very Long (Bas­tian Pas­tewka) und Chief Inspec­tor Even Lon­ger (Oli­ver Kalk­ofe), des­sen gelieb­ter Part­ner Rather Short (Tho­mas Heinze) dem Wix­xer zum Opfer gefal­len ist. Im Visier haben sie nicht nur den Earl Of Cock­wood, der auf sei­nem Schloss einen ein­träg­li­chen Han­del mit Girl-​​Groups betreibt. Auch der kinskieske Berufs­schurke Smeer­lap (Lars Rudolph) ver­sucht mit allen Mit­teln, seine dubio­sen Machen­schaf­ten zu verheimlichen.

Oli­ver Kalk­ofe — ein Sati­ri­ker bedient sich selbst

„Nach kei­nem Roman von Edgar Wal­lace“ prangt da auf dem Kino­pla­kat. Und da ist auch gut so. Wäre der Ruf des Schrift­stel­lers und der nach sei­ner Vor­lage ent­stan­de­nen Filme ob eines sol­chen Wer­kes post mor­tem wohl ziem­lich ram­po­niert. Die Dreh­buch­schrei­ber Oli­ver Kalk­ofe, Bas­tian Pas­tewka und sogar der trans­pro­fe­sio­nelle Oli­ver „Eigent­lich bin ich ja Sport­mo­de­ra­tor, würde aber ach so gerne ein gro­ßer Come­dian sein“ Welke haben ihre Glanz­punkte ganz klar an ande­rer Stelle gesetzt.

Und des­halb darf Chris­toph Maria Herbst mit But­ler Hat­ler äußerst amü­sant den Füh­rer mimen, wäh­rend Haus­häl­te­rin­nen mit so viel­sa­gen­den Namen wie Miss Dry­c­unt beim Schloss­her­ren derer von Cock­wood ihren Dienst tun. Da ist es noch am erqui­ckends­ten, dass am Ende unter ande­rem „Mattscheibe“-Dauergast und Gott mit­tel­deut­scher volks­tüm­li­che TV-​​Liederreigen Achim Ment­zel unter der Maske des Wix­xers zum Vor­schein kommt.

Doch gerade ein Herr Kalk­ofe sollte sich im Kla­ren dar­über sein, dass es sich mit wei­ßer Weste leich­ter läs­tert. Man stelle sich etwa das gro­teske Sze­na­rio vor, wenn „Der Wix­xer“ die mediale Ver­wer­tungs­ma­schi­ne­rie durch­lau­fen hat und im Free-​​TV zu schauen ist: Herr Kalk­ofe müsste sich am Ende noch selbst ins Pro­gramm nehmen.