24. Mai 2004
Everlast — „White Trash Beautiful“
Es begab sich vor etwa vier Jahren, da traf ein gewisser Herr HipHop zwei verführerische Ladies. Frau Folk und Frau Blues indes wollten mit dem Rüpel von der Straße eigentlich nichts zu tun haben, so hatten sie es bislang immer gehalten. Es l(i)ebte sich doch gut unter Seinesgleichen. „Gestatten Erik Schrody, Freunde sagen Everlast“, stellte er sich schließlich vor.
Bei den Damen überwog die Skepsis. Doch der mysteriöse Fremde gab sich in Folge derart galant charmant, dass ihm die beiden alsbald hoffnungslos verfielen. Und es blieb nicht beim „Eat At Whitey’s“. Sie taten es. Ganze dreimal, und so ist dieser Tage alles „White Trash Beautiful“ (Polydor/Universal).
Wenn sie sich lieben, dann erklingt bittersüßer Barhocker-HipHop, der Frau Folk und Frau Blues von einem Höhepunkt zum nächsten jagt. Da will freilich auch Frau Soul nicht unbefriedigt bleiben und greift beherzt ins musikalische Liebespiel ein. Wer kann’s ihr verdenken? Everlasts Akustik-Gitarren-Sound verführt auch den neutralen Betrachter des Schauspiels zum unwillkürlichen Mitwippen. Satte Beats, die bluesige Bassline und dezent eingestreutes E-Gitarrenspiel tun ihr Übriges.
So jedenfalls präsentiert sich der Opener „Blinded By The Sun“. Weiter geht’s mit druckvollen Midtempo Beats („White Trash Beautiful“), eingängigen Balladen („Broken“, „Lonely Road“, „Maybe“), rocklastigen Tracks („Angel“, „Pain“) bis hin zu reinen Rapnummern wie „Soul Music“ oder in Ansätzen „Sleeping Alone“. Nein, vom Spaß-HipHop aus den alten House Of Pain-Tagen hat er sich verabschiedet, der Rapper ist zum Singer/Songwriter gereift. Aber eben nicht ganz. Mögen Herrn H. noch viele schmutzige Stunden mit seinen Gespielinnen vergönnt sein!
