7. Juni 2004
Bad Religion — „The Empire Strikes First“
Keine 40 Minuten dauert ihre unmissverständliche (Hass-)Predigt. Genützt hat’s nichts. Und so darf George W. Bush also weitere vier Jahre als mächtigster Mann der Welt im potentiellen Feindesland wüten. Ein Grund mehr, Bad Religions aktuellen Longplayer wieder aus dem Plattenschränkchen zu kramen: Zehn Jahre nach ihrem vielleicht besten Album „Stranger Than Fiction“ holen Frontmann Greg Graffin und seine fünf Prediger der schlechten Religion auf „The Empire Strikes First“ (Epitaph) zum musikalischen Gegenschlag aus.
Zur Einstimmung serviert das Sextett ein düsteres Intro und dann geht’s wie aus heiterem Himmel in einem Tempo zur Sache, dass man für einen kurzen Moment geneigt sein könnte fälschlicherweise die Herren von Blind Guardian im CD-Spieler zu wähnen. Aber nicht nur „Sinister Rouge“ wirkt ungewohnt aggressiv. Da hat ganz augenscheinlich jemand richtig Wut im Bauch und im Folgenden beweisen Bad Religion, dass sie wohl niemals mehr politischen Anspruch hatten als dieser Tage: Über die volle Albumlänge und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen stellen sie 14 Songs lang ihr verhasstes Staatsoberhaupt samt zugehöriger Administration an den Pranger — „Fahrenheit 9/11″ fürs Ohr.
Doch so brisant und aktuell die Texte, so — oh, Überraschung — konservativ geben sich die California-Altpunks was die instrumentale Umsetzung ihrer Botschaften angeht. Es klingt eben wie eh und je. Da half schon die Rückkehr von Graffins kongenialem Songwriter-Partner „Mr. Brett“ Gurewitz anno 2002 nichts. Brandmal oder Markenzeichen? Die Ungläubigen werden der Band zwar zum 13. Mal polemische Vorhaltungen machen, dass sie nur einen Song in zig Variationen spielen könne — aber diese Stimmen unken bekanntlich schon seit man mit „Suffer“ den melodischen Punkrock neu definiert hat. Die getreue Anhängerschaft begnügt sich indes damit Konstanz zu lobpreisen und sie tut gut daran. Wenn es wieder einmal einen Beleg dafür gebraucht hat, dass eine Gruppe wie Bad Religion nicht zu experimentieren braucht, dann ist es dieses Album.
Konnte man beim Vorgänger „The Process Of Belief“ trotz „Mr. Bretts“ vielgelobter Komponier-Künste noch durchaus vom Glauben abrücken, so besteht dazu dieser Tage keinerlei Anlass mehr; sieht man einmal von den softeren aber ebenso gelungenen Nummern „To Another Abyss“ und „Boot Stamping On A Face Forever“ ab und nimmt Songs wie „Social Suicide“, die Single-Auskopplung „Los Angeles Is Burning“, „God’s Love“ oder den Irak-Krieg anklagenden Titelsong „The Empire Strikes First“ zur Grundlage. Punkrock im Vierviertel-Takt, dazu wütende Melodieläufe, untermalt durch den mehrstimmigen Background-Gesang der Gitarristen Gurewitz, Jay Bentley und Brian Baker und obendrauf Graffins markantes Organ — so klang’s, so klingt’s und so wollen wir’s bitteschön auch künftig vorgesetzt bekommen. Einen Ungläubigen indes gilt es allerdings noch zu überzeugen: Also reinhörn, Mister President!
