Keine 40 Minu­ten dau­ert ihre unmiss­ver­ständ­li­che (Hass-)Predigt. Genützt hat’s nichts. Und so darf George W. Bush also wei­tere vier Jahre als mäch­tigs­ter Mann der Welt im poten­ti­el­len Fein­des­land wüten. Ein Grund mehr, Bad Reli­gi­ons aktu­el­len Longplayer wie­der aus dem Plat­ten­schränk­chen zu kra­men: Zehn Jahre nach ihrem viel­leicht bes­ten Album „Stran­ger Than Fic­tion“ holen Front­mann Greg Graf­fin und seine fünf Pre­di­ger der schlech­ten Reli­gion auf „The Empire Strikes First“ (Epi­taph) zum musi­ka­li­schen Gegen­schlag aus.

Zur Ein­stim­mung ser­viert das Sex­tett ein düs­te­res Intro und dann geht’s wie aus hei­te­rem Him­mel in einem Tempo zur Sache, dass man für einen kur­zen Moment geneigt sein könnte fälsch­li­cher­weise die Her­ren von Blind Guar­dian im CD-​​Spieler zu wäh­nen. Aber nicht nur „Sinis­ter Rouge“ wirkt unge­wohnt aggres­siv. Da hat ganz augen­schein­lich jemand rich­tig Wut im Bauch und im Fol­gen­den bewei­sen Bad Reli­gion, dass sie wohl nie­mals mehr poli­ti­schen Anspruch hat­ten als die­ser Tage: Über die volle Album­länge und ohne ein Blatt vor den Mund zu neh­men stel­len sie 14 Songs lang ihr ver­hass­tes Staats­ober­haupt samt zuge­hö­ri­ger Admi­nis­tra­tion an den Pran­ger — „Fah­ren­heit 9/​11″ fürs Ohr.

Doch so bri­sant und aktu­ell die Texte, so — oh, Über­ra­schung — kon­ser­va­tiv geben sich die California-​​Altpunks was die instru­men­tale Umset­zung ihrer Bot­schaf­ten angeht. Es klingt eben wie eh und je. Da half schon die Rück­kehr von Graf­fins kon­ge­nia­lem Songwriter-​​Partner „Mr. Brett“ Gur­e­witz anno 2002 nichts. Brand­mal oder Mar­ken­zei­chen? Die Ungläu­bi­gen wer­den der Band zwar zum 13. Mal pole­mi­sche Vor­hal­tun­gen machen, dass sie nur einen Song in zig Varia­tio­nen spie­len könne — aber diese Stim­men unken bekannt­lich schon seit man mit „Suf­fer“ den melo­di­schen Punk­rock neu defi­niert hat. Die getreue Anhän­ger­schaft begnügt sich indes damit Kon­stanz zu lob­prei­sen und sie tut gut daran. Wenn es wie­der ein­mal einen Beleg dafür gebraucht hat, dass eine Gruppe wie Bad Reli­gion nicht zu expe­ri­men­tie­ren braucht, dann ist es die­ses Album.

Konnte man beim Vor­gän­ger „The Pro­cess Of Belief“ trotz „Mr. Bretts“ viel­ge­lob­ter Komponier-​​Künste noch durch­aus vom Glau­ben abrü­cken, so besteht dazu die­ser Tage kei­ner­lei Anlass mehr; sieht man ein­mal von den sof­te­ren aber ebenso gelun­ge­nen Num­mern „To Ano­ther Abyss“ und „Boot Stam­ping On A Face Fore­ver“ ab und nimmt Songs wie „Social Sui­cide“, die Single-​​Auskopplung „Los Ange­les Is Burning“, „God’s Love“ oder den Irak-​​Krieg ankla­gen­den Titel­song „The Empire Strikes First“ zur Grund­lage. Punk­rock im Vierviertel-​​Takt, dazu wütende Melo­die­läufe, unter­malt durch den mehr­stim­mi­gen Background-​​Gesang der Gitar­ris­ten Gur­e­witz, Jay Bent­ley und Brian Baker und oben­drauf Graf­fins mar­kan­tes Organ — so klang’s, so klingt’s und so wol­len wir’s bit­te­schön auch künf­tig vor­ge­setzt bekom­men. Einen Ungläu­bi­gen indes gilt es aller­dings noch zu über­zeu­gen: Also rein­hörn, Mis­ter President!