"Das Buch" zu "Das Fest"Das Fest“ ist ein Fes­ti­val für alle Sinne: Die Able­ger titeln sich „Das Bier“ oder „Die DVD“, doch der vor­an­ge­stellte Arti­kel sug­ge­riert eine Abso­lut­heit, der das Pro­dukt manch­mal nur schwer gerecht wer­den kann. Drauf pochen darf dage­gen „Das Buch“ (Karls­ru­her Stadt­buch Ver­lag), die „Fest“-Dokumentation anläss­lich des 20. Jubiläums.

Fotos von ambi­tio­nier­ten Ama­teu­ren und pro­fes­sio­nel­len Foto­gra­fen (hin­ter den Suchern stan­den etwa Uli „Artis“ Deck, Andrea Fabry, Wer­ner Her­kert, Hans-​​Joachim Of, Chris­tian Schach, Joe Miletzki, Hol­ger Räther, Wolf­ram Sie­ber, der lang­jäg­rige Betrei­ber der ino­fi­zi­el­len „Fest“-Website, oder Her­aus­ge­ber Olaf Zema­nek) kon­ser­vie­ren auf 100 Sei­ten Quer­for­mat mal grell-​​bunt aus­ge­leuch­tet, mal schlicht schwarz-​​weiß „Fest“-Momente von der Pre­miere 1985 an.

Durch­setzt ist das Bil­der­buch mit hand­ge­schrie­be­nen Sät­zen von Künst­lern, die auf dem „Fest“ zu Gast waren; und bei Songzei­len wie „This Is My Church. This Is Where I Heal My Hurts.“ oder „We Are Old, We Are Young, We Are In This Togeh­ter“ weiß jeder „Fest“-Gänger, wes­sen Fin­ger den Stift geführt haben. Maxi Jazz von Faith­less (All-​​Time-​​Zitat: „Best Con­cert Ever Played“) und Jus­tin Sul­li­van von New Model Army sind zwei der weni­gen, die sich den Hügel-​​Flash, die­sen für Künst­ler vor allem im Dun­kel der Nacht so ein­zig­ar­ti­gen Anblick der Mount-​​Klotz-​​Menschenwand, zwei­mal geben durften.

Als Drein­gabe zu sehen ist der zwei­spra­chige Begleit­text von Johan­nes Frisch in Deutsch und Eng­lisch, der so man­che große und kleine „Fest“-Anekdote bereit­hält. Neben den Fotos, viel­fach von den zu Erschei­nen aktu­el­len „Fest-„Ausgaben 2003 und 2002, sind auch wesent­li­che Sta­tio­nen der „Fest“-Geschichte fest­ge­hal­ten; der legen­däre Auf­tritt von Fischer-​​Z-​​Sänger John Watts etwa, der sich ohne Was­ser­scheue 1993 ins die Menge begab, kor­re­spon­die­rend dazu Tho­mas D.s geschwun­gene Lied­zeile „Sagte ich nicht irgend­wann mal es wird Regen geben?“ zur Illus­tra­tion der umspül­ten Aus­gabe 1995. Und auch um die Gigs der Sim­ple Minds, Joan Arma­tra­ding und Jova­notti ran­ken mitt­ler­weile Legenden.

Nost­al­gie darf beim Blick auf die „Fest“-Historie von 1985 bis 2003 samt aller Ankün­di­gungs­pla­kate auf­kom­men; erst recht bei den Auf­nah­men der Gigs von Ska-​​P, Apo­ca­lyp­tica, den Banana­fish­bo­nes, Gunzi Heil, Candy Dul­fer, Daudé, Smudo, Asian Dub Foun­da­tion, Paul Roberts von The Strang­lers, Morcheeba-​​Sängerin Skye Edwards, Jimmy Cliff, Van Mor­ri­son, Seeed, Willy de Ville, Hea­ther Nova, George Clin­ton, Suzanne Vega, Neneh Cherry, Moloko-​​Sängerin Roi­sin Mur­phy, BAP, den H-​​Blockx, Marla Glen oder der Karls­ru­her Kult­truppe The Greedy Bunch um Andreas Leh­nert, Tommy Baldu und Umbo.

Vor allem aber die aus­ge­las­se­nen Mas­sen geben eine Idee vom ganz eige­nen Flair eines der größ­ten und meist­be­such­ten Gratis-​​Open-​​Air-​​Festivals Euro­pas. Gerade des­halb ist die­ses Bil­der­buch, für des­sen Erschei­nungs­bild die bei­den HfG-​​Studentinnen Nelly-​​Rose Brun­kow und Eva­ma­ria Ler­ner ver­ant­wort­lich sind, ein so zeit­lo­ses Doku­ment, das zu jedem „Fest“-Wochenende allen Allein­stel­lungs­an­sprü­chen gerecht wird.