1. Juni 2004
„Das Buch“ zu „Das Fest“
„Das Fest“ ist ein Festival für alle Sinne: Die Ableger titeln sich „Das Bier“ oder „Die DVD“, doch der vorangestellte Artikel suggeriert eine Absolutheit, der das Produkt manchmal nur schwer gerecht werden kann. Drauf pochen darf dagegen „Das Buch“ (Karlsruher Stadtbuch Verlag), die „Fest“-Dokumentation anlässlich des 20. Jubiläums.
Fotos von ambitionierten Amateuren und professionellen Fotografen (hinter den Suchern standen etwa Uli „Artis“ Deck, Andrea Fabry, Werner Herkert, Hans-Joachim Of, Christian Schach, Joe Miletzki, Holger Räther, Wolfram Sieber, der langjägrige Betreiber der inofiziellen „Fest“-Website, oder Herausgeber Olaf Zemanek) konservieren auf 100 Seiten Querformat mal grell-bunt ausgeleuchtet, mal schlicht schwarz-weiß „Fest“-Momente von der Premiere 1985 an.
Durchsetzt ist das Bilderbuch mit handgeschriebenen Sätzen von Künstlern, die auf dem „Fest“ zu Gast waren; und bei Songzeilen wie „This Is My Church. This Is Where I Heal My Hurts.“ oder „We Are Old, We Are Young, We Are In This Togehter“ weiß jeder „Fest“-Gänger, wessen Finger den Stift geführt haben. Maxi Jazz von Faithless (All-Time-Zitat: „Best Concert Ever Played“) und Justin Sullivan von New Model Army sind zwei der wenigen, die sich den Hügel-Flash, diesen für Künstler vor allem im Dunkel der Nacht so einzigartigen Anblick der Mount-Klotz-Menschenwand, zweimal geben durften.
Als Dreingabe zu sehen ist der zweisprachige Begleittext von Johannes Frisch in Deutsch und Englisch, der so manche große und kleine „Fest“-Anekdote bereithält. Neben den Fotos, vielfach von den zu Erscheinen aktuellen „Fest-„Ausgaben 2003 und 2002, sind auch wesentliche Stationen der „Fest“-Geschichte festgehalten; der legendäre Auftritt von Fischer-Z-Sänger John Watts etwa, der sich ohne Wasserscheue 1993 ins die Menge begab, korrespondierend dazu Thomas D.s geschwungene Liedzeile „Sagte ich nicht irgendwann mal es wird Regen geben?“ zur Illustration der umspülten Ausgabe 1995. Und auch um die Gigs der Simple Minds, Joan Armatrading und Jovanotti ranken mittlerweile Legenden.
Nostalgie darf beim Blick auf die „Fest“-Historie von 1985 bis 2003 samt aller Ankündigungsplakate aufkommen; erst recht bei den Aufnahmen der Gigs von Ska-P, Apocalyptica, den Bananafishbones, Gunzi Heil, Candy Dulfer, Daudé, Smudo, Asian Dub Foundation, Paul Roberts von The Stranglers, Morcheeba-Sängerin Skye Edwards, Jimmy Cliff, Van Morrison, Seeed, Willy de Ville, Heather Nova, George Clinton, Suzanne Vega, Neneh Cherry, Moloko-Sängerin Roisin Murphy, BAP, den H-Blockx, Marla Glen oder der Karlsruher Kulttruppe The Greedy Bunch um Andreas Lehnert, Tommy Baldu und Umbo.
Vor allem aber die ausgelassenen Massen geben eine Idee vom ganz eigenen Flair eines der größten und meistbesuchten Gratis-Open-Air-Festivals Europas. Gerade deshalb ist dieses Bilderbuch, für dessen Erscheinungsbild die beiden HfG-Studentinnen Nelly-Rose Brunkow und Evamaria Lerner verantwortlich sind, ein so zeitloses Dokument, das zu jedem „Fest“-Wochenende allen Alleinstellungsansprüchen gerecht wird.
