22. Juli 2004
(T)Raumschiff Surprise — Periode 1
„Sie wählen, wir drehen“? Ob er denn nun wirklich die Zuschauer seiner „Bully-Parade“ darüber hat entscheiden lassen, welcher seiner Standup-Sketche zu Kinolänge gestreckt wird, sei dahingestellt. Das „(T)Raumschiff Surprise“ machte jedenfalls das Rennen und lange vor dem Start wurde mit „Lichtgeschwinditschkeit“ medienübergreifend die PR-Trommel gerührt.
2054 hat die Menschheit den Mars besiedelt. 250 Jahre später kehren die Nachkommen der ersten Siedler zurück. Ihr Ziel ist es, die Erde zu erobern und deren Bewohner zu vernichten. Und tatsächlich scheint die Lage aussichtslos: Denn die Invasion hat begonnen.
Königin Metapha (Anja Kling) befiehlt dennoch, „nicht den Sand in den Kopf zu stecken“. Schließlich gibt es eine letzte Hoffnung: Die Besatzung des „(T)Raumschiff Surprise“ — als da wären Käpt’n Kork (Christian Tramitz), Mr. Spuck (Michael Herbig) und Schrotty (Rick Kavanian) — muss auf einer Zeitreise die Besiedelung des Mars rückgängig machen.
Die Crew mit einem nicht zu übersehenden Faible fürs männliche Geschlecht hat allerdings eine sehr viel dringendere Mission: Sie steckt mitten in der Vorbereitung ihrer Tanznummer für die „Miss Waikiki Wahl“ und nimmt deshalb nur sehr widerwillig ein Taxi zur Erde, welches von dem leckeren Han Solo-Verschnitt Rock (Til Schweiger) gelenkt wird.
Es läuft in Folge aber natürlich nicht alles ganz planmäßig: Die Zeitmaschine befördert die „(T)Raumschiff“-Crew und ihren Chauffeur samt Königin unverhoffterweise ins finstere Mittelalter. Doch der Imperator und sein Zögling Jens Maul (Rick Kavanian) haben den schwulen Rettungstrupp längst im Visier.
Bruchlandung trotz erstklassiger Technik
Warum scheitert das „(T)Raumschiff Surprise“ auf seiner Kinomission ach so kläglich? Offensichtlich hat das Produzententeam verkannt, dass die Ausgangslage eine andere ist als noch vor drei Jahren. Vom „Schuh des Manitu“ hatte niemand sonderlich viel erwartet. Schon gar nicht, dass sich neben dem ein oder anderen „Bully-Paraden“-Nimmersatt annähernd zwölf Millionen Zuschauer in der Karl May-Persiflage verirren würden. Erfolgreichster deutscher Kinofilm — das ist Ehre und Bürde zugleich.
Was hier tricktechnisch aufgefahren wird, ist definitiv „State Of The Art“ und muss sich trotz des vergleichsweise geringen Budgets von neun Millionen Euro vor großen Hollywood-Produktionen in keinem Punkt verstecken. Dann nur noch hier ein bisschen „Star Trek“ und „Star Wars“ veralbern, da ein wenig „Zurück in die Zukunft“ durch den Kakao ziehen — und fertig ist des Kinohits zweiter Streich? Aber nicht doch.
Was fehlt denn, um der Zielvorgabe „Komödie“ gerecht zu werden? Ganz einfach: Dieser Film hat alles — aber er hat keinen Witz. Dass Bully und seine Mitstreiter Tramitz und Kavanian ihr Tuckengetue über die Jahre perfektioniert haben, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Aber gackern alleine, das reicht einfach nicht mehr. Da kann Kavanian seine dritte Rolle (er ist außerdem als Schiffsarzt „Pulle“ zu sehen) als deutscher Darth Vader noch so überzeugend spielen, ebenso wie Sky Du Mont. Einzig über Til Schweigers Leistung hüllt man wohl besser den Mantel des Namens.
Und wer dann auch noch den fatalen Fehler begeht seinen Zuschauern die einzigen drei Szenen mit Schenkelklopf-Charakter schon Monate im voraus appetitlich als Trailer verpackt wieder– und wiederzukäuen, darf sich nicht wundern, wenn anschließend im Saal die Lacher ausbleiben. Das „(T)Raumschiff Surprise“ kommt über Mopsgeschwindigkeit nicht hinaus.
