Da stan­den sie also fein säu­ber­lichst auf­ge­reiht, diese drei omi­nö­sen Fläsch­chen mit den kra­ke­li­gen Auf­schrif­ten „Gothic Rock“, „Hym­nen­haf­ter Pop“, „Monu­men­tale Chor-​​Arrangements“, „Elec­tro­nic Stuff“ und „Deut­sche Texte“. Der fins­ter drein­bli­ckende Jüng­ling mit dem auf­ge­stell­ten blon­den Haar führt die Ingri­den­zien wohl dosiert eine nach der ande­ren an die vol­len Lip­pen einer vier­ar­mi­gen Schön­heit, deren dral­ler Vor­bau sich kaum mehr von dem schon groß­zü­gig geschnür­ten Leder-​​Korsett im Zaum hal­ten las­sen will. Und Nik Page krallt sich als vor­letzte Zutat eine hand­voll Sze­ne­grö­ßen, die seine „Sin­ma­chine“ (Wann­see Records/​Edel) erst so rich­tig auf Tou­ren brin­gen sollen.

Es ist die zweite Solo-​​Scheibe des eins­ti­gen Blind Pas­sen­gers–Mas­ter­minds und wenn man auf „Sacri­fight“ schon kaum mehr Anzei­chen des Indus­trial Metals aus den End­zei­ten jener For­ma­tion fin­den konnte, mit der Nik Pages Musi­ker­kar­riere begann, so geht er mit die­sem Album kon­se­quent neue Elec­tro Goth ‚n‘ Roll-​​Wege. Doch alleine wan­dert es sich auf ver­gleichs­weise unge­wohn­ten Solo-​​Pfaden nach wie vor recht unsi­cher — und das magi­sche Wort auf die­sem stei­ni­gen Geläuf heißt „Fea­turing“. Schon auf sei­nem Debüt erfreute sich Klein Nik gro­ßer Gefähr­ten; um mit Eric Fish (Sub­way To Sally) und Jür­gen Eng­ler (Die Krupps) nur zwei zu nennen.

Da wun­dert es nicht, dass auch auf „Sin­ma­chine“ reich­lich Sze­ne­pro­mi­nenz ver­tre­ten ist: So beschrei­tet er die „Road Of Dam­na­tion“ etwa gemein­sam mit Tanz­wut alias Cor­vus Corax und X-​​Perience Sän­ge­rin Clau­dia Uhle, neu­er­dings bekannt unter dem Pseud­onym Angel­zoom. Dirk Scheu­ber von Pro­ject Pitch­fork steht der Num­mer „Sweet Dust“ Pate und beim auch als Single-​​Auskopplung erschie­ne­nen „Dein Kuss“ unter­stüt­zen Dara Pain und Joa­chim Witt den Ber­li­ner. Er kann’s aller­dings durch­aus längst alleine und nicht umsonst steht Nik Page beim viel­leicht bes­ten Track sei­nen schwar­zen Mann: Das düs­tere „Sin­city“ klingt genauso schmut­zig und Industrial-​​Rock geschwän­gert wie der sün­dige Titel nahe legt.

Ob mit oder ohne fremde Hilfe — die „Sin­ma­chine“ läuft rund und weiß durch­aus zu becir­cen. Allen­falls bei „Mys­te­ry­land“ hat Nik Page ein wenig zu hoch ins Regal gegrif­fen. Doch es duf­tete wohl ein­fach zu ver­lo­ckend nach MTV und Viva, die­ses ver­ma­le­deite gift­grüne Fläsch­chen mit den „Cover-​​Songs“. Bevor nun Blasphemie-​​Rufe laut wer­den: So ist nun mal das Busi­ness und noch sind die Ärzte nicht tot. Zumal Herr Fel­sen­hei­mer wie man hört sein „Go“ gege­ben hat. Und oben­drein klingt die Page-​​Version fast wie eine peni­ble Eins-​​zu-​​eins-​​Kopie — was wie­derum die Frage nach Sinn oder Unsinn einer sol­chen Num­mer mit nur noch grö­ße­ren Dol­lar­zei­chen beant­wor­tet. Ansons­ten bleibt fest­zu­hal­ten: Viel Gothic, viel Syn­thy, viel Pathos, viel Rock. Licht aus, „Sin­ma­chine“ an! Befrie­di­gung ist garantiert.