Das geheime Fenster
"Das Einzige was zählt, ist das Ende. Das Ende ist der wichtigste Teil einer Geschichte. Und das hier ist wirklich gut. Es ist perfekt." Denkt sich jedenfalls Schriftsteller Mort Rainey am Ende von "Das geheime Fenster". Regisseur und Drehbuchschreiber David Koepp hält es ebenso und hat Stephen Kings Suspense-Story "Secret Window, Secret Garden" aus der Anthologie "Four Past Midnight", die dem Filmemacher als Inspirations-Quelle für sein Werk diente, kurzerhand ein völlig neues verpasst. Ob Koepp seiner selbstauferlegten Doktrin gerecht geworden ist, kann seit kurzem auf DVD begutachtet werden (Columbia Tristar Home Entertainment).Es gibt nur ganz wenige Werke vom Horror-Altmeister aus Maine, deren Leinwand-Adaption sich auch nur annähernd mit der Vorlage messen kann. "The Green Mile" und natürlich dem Klassiker "Shining" ist dieses Kunststück nicht zuletzt dank der famosen Leistung ihrer Hauptakteure Tom Hanks und Jack Nicholson gelungen. Die Messlatte lag also hoch für Johnny Depp, dem selbige Ehre in "Das geheime Fenster" zuteil wird.
In der Rolle des Schriftstellers Mort Rainey zieht er sich von Gattin Amy (Maria Bello) betrogen und von Schreibblockaden gebeutelt in ein einsames Haus in der Einöde zurück. Eines Tages tritt ein mysteriöser Mann (John Turturro) in sein Leben, der sich als John Shooter vorstellt und Mort beschuldigt, eine seiner Geschichten gestohlen zu haben. Der psychotische Fremde hat ihm ein Ultimatum gesetzt und unterstreicht die Ernsthaftigkeit seines Anliegens alsbald mit Mord und Totschlag.
Der Film zum Buch präsentiert sich wie so viele King-Adaptionen weit weniger komplex als seine raffiniert gesponnene Vorlage; einige Akteure wurden sogar gänzlich außen vor gelassen und so passen 200 getippte Seiten ohne Probleme in leicht verdauliche 96 Minuten Film. Wer jedoch wahrhaftig in die mörderischen Abgründe der schizophrenen Psyche einzutauchen gedenkt, ist ungeachtet der seltenst erreichten Brillanz King'scher Erzählweise dieses eine Mal mit der Leinwandfassung weitaus besser bedient - immer von David Koepps Standpunkt aus betrachtet versteht sich: Denn das Einzige was zählt, ist bekanntlich das Ende. Es ist nunmal der wichtigste Teil der Geschichte. Und dieses hier ist wirklich besser, schauriger, stimmiger. Es ist perfekt.
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