26. Oktober 2004

Das geheime Fenster

„Das Ein­zige was zählt, ist das Ende. Das Ende ist der wich­tigste Teil einer Geschichte. Und das hier ist wirk­lich gut. Es ist per­fekt.“ Denkt sich jeden­falls Schrift­stel­ler Mort Rai­ney am Ende von „Das geheime Fens­ter“. Regis­seur und Dreh­buch­schrei­ber David Koepp hält es ebenso und hat Ste­phen Kings Suspense-​​Story „Secret Win­dow, Secret Gar­den“ aus der Antho­lo­gie „Four Past Mid­night“, die dem Fil­me­ma­cher als Inspirations-​​Quelle für sein Werk diente, kur­zer­hand ein völ­lig neues ver­passt. Ob Koepp sei­ner selbst­auf­er­leg­ten Dok­trin gerecht gewor­den ist, kann seit kur­zem auf DVD begut­ach­tet wer­den (Colum­bia Tristar Home Enter­tain­ment).

Es gibt nur ganz wenige Werke vom Horror-​​Altmeister aus Maine, deren Leinwand-​​Adaption sich auch nur annä­hernd mit der Vor­lage mes­sen kann. „The Green Mile“ und natür­lich dem Klas­si­ker „Shi­ning“ ist die­ses Kunst­stück nicht zuletzt dank der famo­sen Leis­tung ihrer Haupt­ak­teure Tom Hanks und Jack Nichol­son gelun­gen. Die Mess­latte lag also hoch für Johnny Depp, dem sel­bige Ehre in „Das geheime Fens­ter“ zuteil wird.

In der Rolle des Schrift­stel­lers Mort Rai­ney zieht er sich von Gat­tin Amy (Maria Bello) betro­gen und von Schreib­blo­cka­den gebeu­telt in ein ein­sa­mes Haus in der Ein­öde zurück. Eines Tages tritt ein mys­te­riö­ser Mann (John Tur­turro) in sein Leben, der sich als John Shoo­ter vor­stellt und Mort beschul­digt, eine sei­ner Geschich­ten gestoh­len zu haben. Der psy­cho­ti­sche Fremde hat ihm ein Ulti­ma­tum gesetzt und unter­streicht die Ernst­haf­tig­keit sei­nes Anlie­gens als­bald mit Mord und Totschlag.

Der Film zum Buch prä­sen­tiert sich wie so viele King-​​Adaptionen weit weni­ger kom­plex als seine raf­fi­niert gespon­nene Vor­lage; einige Akteure wur­den sogar gänz­lich außen vor gelas­sen und so pas­sen 200 getippte Sei­ten ohne Pro­bleme in leicht ver­dau­li­che 96 Minu­ten Film. Wer jedoch wahr­haf­tig in die mör­de­ri­schen Abgründe der schi­zo­phre­nen Psy­che ein­zu­tau­chen gedenkt, ist unge­ach­tet der sel­tenst erreich­ten Bril­lanz King’scher Erzähl­weise die­ses eine Mal mit der Lein­wand­fas­sung weit­aus bes­ser bedient — immer von David Koepps Stand­punkt aus betrach­tet ver­steht sich: Denn das Ein­zige was zählt, ist bekannt­lich das Ende. Es ist nun­mal der wich­tigste Teil der Geschichte. Und die­ses hier ist wirk­lich bes­ser, schau­ri­ger, stim­mi­ger. Es ist perfekt.