25. Oktober 2004
H-Blockx — „No Excuses“
Ginge es nach Henning Wehland, dann würden in den Rock-Annalen unterm Eintrag „Crossover“ zur Erklärung ganz sicher seine H-Blockx aufgeführt. Zehn Jahre ist es her, da verkünden die Münsteraner lauthals „Time To Move“ und dieser neue Sound bleibt nicht lange ungehört; die Auskopplungen „Risin’ High“, „Move“ und „Little Girl“ werden zu Dauerbrennern in den Clubs.
Ganze zweimal lodert die Flamme in Folge noch auf: „How Do You Feel“ (1996) und das Johnny Cash-Cover „Ring Of Fire“ (2000), dann flackert es größtenteils verhalten vor sich hin — bis Dickerchen Henning und seine Mitstreiter mit „No Excuses“ (X-Cell Recordings/Sony) Mitte des Jahres völlig unvermittelt der eigenen Asche entsteigen. Und keine drei Monate später legt das Quartett auch noch ein „Best Of“-Album nach: Schließlich ist seit dem Debüt „More Than A Decade“ (Gun Records/BMG) vergangen.
Zu den eingangs erwähnten Klassikern gesellen sich hierauf Kracher wie „Revolution“, „The Power“, „Step Back“ oder „Go Freaky“. Und weil auch der Altfan auf seine Kosten kommen — sprich ins Portemonnaie greifen — soll, gibt’s obendrein zwei äußerst gelungene Neuveröffentlichungen zu hören („True Faith“ und „Stop Talking To Me“), die nahtlos da weitermachen, wo „No Excuses“ aufhört: Bei sattem Rock nämlich. So ist’s recht, keine faulen Ausreden mehr und der Melodie orientierte Alternative-Sound, welcher Mitte der 90er den Rap-Metal bei den H-Blockx weitestgehend ausgemerzt hat, klingt auf dem aktuellen Longplayer „No Excuses“ größtenteils überraschend frisch! Vielleicht liegt es mitunter daran, dass von der Urformation neben Frontmann Henning nur noch Gitarrist Tim Tenambergen übrig geblieben ist.
Schluss mit faulen Ausreden!
Ganz sicher haben auch die beiden Neuen zum musikalischen Kurswechsel beigetragen: So bearbeitet Steffen Wilmking nach seinem Ausstieg vor drei Jahren wieder die Trommelfelle und Fabio Trentini, besser bekannt als Produzent von Gruppen wie etwa Donots oder Guano Apes, zupft das Rhythmus-Instrument. Und nicht zuletzt schlägt die Rückkehr des erklärten H-Blockx-Ehrenmitglieds Dave Gappa sehr positiv zu Buche — wenn auch nur als Teilzeitrapper beschäftigt.
Zwar hat Henning Wehland bewiesen, dass er seinen Solo-Part ganz gut allein stemmen kann; wer die H-Blockx jedoch im zurückliegenden Festival-Sommer erleben durfte, hat gehört, wie immens wichtig der fünfte Mann für die runde Sache ist. Auf alle Fälle versteht der H-Blockx-Sound dieser Tage wieder zu begeistern: Waren auf dem Vorgänger „Get In The Ring“ noch massig elektronische Einflüsse zu hören, besinnt man sich endlich wieder aufs Abrocken, siehe Hit-Single „Leave Me Alone“, „Hollywood“ oder das sehr gelungene Rick Springfield-Cover „Celebrate Youth“.
Die H-Blockx haben soeben noch die Kurve bekommen, gerade rechzeitig bevor man in den Rock-Annalen zu verschwinden drohte. Denn ungeachtet der diversen unvorhergesehenen Line Up-Wechsel der vergangenen Jahre: Noch mehr halbgare Platten mit noch mehr faulen Ausreden zu entschuldigen — das hätte sich die werte Kundschaft wohl auch nicht mehr länger bieten lassen (müssen). Unter „C“ wie „Crossover“ läuft das Feilgebotene zwar leider nimmer mehr, aber vielleicht sollte man künftig mal unterm Buchstaben „R“ nachschlagen. „R“ wie „Richtig guter Rock“.
