Ginge es nach Hen­ning Weh­land, dann wür­den in den Rock-​​Annalen unterm Ein­trag „Cross­over“ zur Erklä­rung ganz sicher seine H-​​Blockx auf­ge­führt. Zehn Jahre ist es her, da ver­kün­den die Müns­te­ra­ner laut­hals „Time To Move“ und die­ser neue Sound bleibt nicht lange unge­hört; die Aus­kopp­lun­gen „Risin‘ High“, „Move“ und „Little Girl“ wer­den zu Dau­er­bren­nern in den Clubs.

Ganze zwei­mal lodert die Flamme in Folge noch auf: „How Do You Feel“ (1996) und das Johnny Cash-​​Cover „Ring Of Fire“ (2000), dann fla­ckert es größ­ten­teils ver­hal­ten vor sich hin — bis Dicker­chen Hen­ning und seine Mit­strei­ter mit „No Excu­ses“ (X-​​Cell Recor­dings/​Sony) Mitte des Jah­res völ­lig unver­mit­telt der eige­nen Asche ent­stei­gen. Und keine drei Monate spä­ter legt das Quar­tett auch noch ein „Best Of“-Album nach: Schließ­lich ist seit dem Debüt „More Than A Decade“ (Gun Records/​BMG) vergangen.

Zu den ein­gangs erwähn­ten Klas­si­kern gesel­len sich hier­auf Kra­cher wie „Revo­lu­tion“, „The Power“, „Step Back“ oder „Go Fre­aky“. Und weil auch der Alt­fan auf seine Kos­ten kom­men — sprich ins Porte­mon­naie grei­fen — soll, gibt’s oben­drein zwei äußerst gelun­gene Neu­ver­öf­fent­li­chun­gen zu hören („True Faith“ und „Stop Tal­king To Me“), die naht­los da wei­ter­ma­chen, wo „No Excu­ses“ auf­hört: Bei sat­tem Rock näm­lich. So ist’s recht, keine fau­len Aus­re­den mehr und der Melo­die ori­en­tierte Alternative-​​Sound, wel­cher Mitte der 90er den Rap-​​Metal bei den H-​​Blockx wei­test­ge­hend aus­ge­merzt hat, klingt auf dem aktu­el­len Longplayer „No Excu­ses“ größ­ten­teils über­ra­schend frisch! Viel­leicht liegt es mit­un­ter daran, dass von der Urfor­ma­tion neben Front­mann Hen­ning nur noch Gitar­rist Tim Ten­am­ber­gen übrig geblie­ben ist.

Schluss mit fau­len Ausreden!

Ganz sicher haben auch die bei­den Neuen zum musi­ka­li­schen Kurs­wech­sel beige­tra­gen: So bear­bei­tet Stef­fen Wilm­king nach sei­nem Aus­stieg vor drei Jah­ren wie­der die Trom­mel­felle und Fabio Tren­tini, bes­ser bekannt als Pro­du­zent von Grup­pen wie etwa Donots oder Guano Apes, zupft das Rhythmus-​​Instrument. Und nicht zuletzt schlägt die Rück­kehr des erklär­ten H-​​Blockx-​​Ehrenmitglieds Dave Gappa sehr posi­tiv zu Buche — wenn auch nur als Teil­zeitrap­per beschäftigt.

Zwar hat Hen­ning Weh­land bewie­sen, dass er sei­nen Solo-​​Part ganz gut allein stem­men kann; wer die H-​​Blockx jedoch im zurück­lie­gen­den Festival-​​Sommer erle­ben durfte, hat gehört, wie immens wich­tig der fünfte Mann für die runde Sache ist. Auf alle Fälle ver­steht der H-​​Blockx-​​Sound die­ser Tage wie­der zu begeis­tern: Waren auf dem Vor­gän­ger „Get In The Ring“ noch mas­sig elek­tro­ni­sche Ein­flüsse zu hören, besinnt man sich end­lich wie­der aufs Abro­cken, siehe Hit-​​Single „Leave Me Alone“, „Hol­ly­wood“ oder das sehr gelun­gene Rick Springfield-​​Cover „Cele­brate Youth“.

Die H-​​Blockx haben soeben noch die Kurve bekom­men, gerade rech­zei­tig bevor man in den Rock-​​Annalen zu ver­schwin­den drohte. Denn unge­ach­tet der diver­sen unvor­her­ge­se­he­nen Line Up-​​Wechsel der ver­gan­ge­nen Jahre: Noch mehr halb­gare Plat­ten mit noch mehr fau­len Aus­re­den zu ent­schul­di­gen — das hätte sich die werte Kund­schaft wohl auch nicht mehr län­ger bie­ten las­sen (müs­sen). Unter „C“ wie „Cross­over“ läuft das Feil­ge­bo­tene zwar lei­der nim­mer mehr, aber viel­leicht sollte man künf­tig mal unterm Buch­sta­ben „R“ nach­schla­gen. „R“ wie „Rich­tig guter Rock“.