Sie dauern meist nur einen Augenblick, sind nicht länger als eine Viertelstunde und oftmals nur auf Festivals zu sehen. Schade eigentlich, denn im Gegensatz zu vielen Langfilmen hat die deutsche Kurzfilmlandschaft einiges zu bieten. Leider fristen die meisten Werke von Nachwuchsfilmern, Filmstudenten und anderen Überzeugungstätern in den Archiven der Macher oder Regalen einiger weniger Sammler ein trauriges Schattendasein. Dieser Misere hat die Kompilation „Wir können alles. Außer Hollywood. Independent Days Vol. 01″ voriges Jahr den Kampf angesagt.

Nun hat das Karlsruher Label zum zweiten Mal ein paar echte Kurzfilmperlen auf DVD gebannt: „Independent Days Vol. 2 – Sieben Kurze, bitte!“ (Bohemia Filmkunst/Alive) enthält – genau – sieben Kurzfilme. En Detail zu schauen gilt’s Arbeitsunfälle mit der Kreissäge, alte Omas, noch ältere Seebären, schwule Einbrecher, sexy Transen und verliebte Jungs. Gemein haben alle Filme allein die Tatsache, dass sie bereits auf dem Low- und No-Budget-Filmfestival „Independent Days“ liefen.

Schon ob des preisgekrönten und von der Filmbewertungsstelle mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ veredelten Animationswerks „Wie gewünscht“ lohnt der Kauf von „Independent Days – Vol. 2″: Mit einem fantasievollen Mix aus Animation und Realelementen sowie großer Lust am Bilderarrangieren, erzählt die Karlsruherin Anna Kalus wohin Undankbarkeit und Übermaß führen können.

Die weiteren Filme: Das Z-Movie „Skipper und Rusty – Der Ofen“ von Ritchie Stravinski, „Augen – Blitzfilm Nr. 01″, „Zwanziguhrfünfzehn“ vom Karlsruher Animationsfilmer Tim Böhm, „Wo die Liebe hinfällt“ und „Alles Banane!“, der wie schon Guido Tölkes „Totengräber“ im Rahmen der Filmklasse von Professor Uwe Schrader an der FH Hannover entstanden ist. Ebenfalls enthalten ist das für Kurzfilmverhältnisse fast schon überlange Low Budget-Abenteuer „Die Hadesreise“ von und mit Thomas Oberlies und Helge Weichmann; gedreht an Originalschauplätzen und im heimischen Keller.

Als Bonus lockt mit „V – Der rote Raser“ eine handgemachte Verfolgungsjagd aus der Reihe „Die besten 19,95 Euro-Filme“, ein weiteres Abenteuer mit den badischen Supergrannies Oma und Berta („Korrespondenz“) sowie ein Blick hinter die Kulissen von „Alles Banane!“.

Von rasanten Trashfilmen bis hin zu aufwändigen Produktionen zeigt „Volume 2″ auf 88 Minuten einmal mehr, was mit Low- oder No-Budget und jeder Menge Passion filmisch so alles möglich sein kann. Da möchte man’s doch ganz mit dem Kalus’schen Prinzensohn halten: „Ach Augenblick verweile doch, du bist so schön!“