Plop! Plop! Plop! Plop! Irgendwo nahe Mexico City. Es kreist bereits das neunte Bier im Pro­be­raum. Wie­der ein Tag ohne jed­wede Ein­ge­bung. Auch der stei­gende Promille-​​Pegel mag der Krea­ti­vi­tät ein­fach kei­nen nen­nens­wer­ten Vor­schub leis­ten. Und so fängt das Quar­tett aus lau­ter Ver­zweif­lung an zu jammen.

Ein biss­chen „Smoke On The Water“ um die müden Fin­ger zu lockern, dann „Gimme Tha Power“ — denn die Num­mer sitzt sowieso. Plop! Und wäh­rend das elfte Bier seine Harn­röhre füllt, legt Molo­tov–Gitar­rist Tito Fuen­tes auch schon wie­der los, schrubbt sich glei­cher­ma­ßen quer durch die bedeu­ten­dere wie unbe­deu­ten­dere Musik­ge­schichte. Und weil sich rich­tig gute Musi­ker sprich­wört­lich blind ver­ste­hen, stim­men seine Chi­cos Hui­dos, Paco und Gringo Loco ohne Zögern mit ein. Auf Album­länge nennt sich der Mit­schnitt die­ser Jam­ses­sion dann „Con Todo Res­peto“ (Surco Records/​Uni­ver­sal). Wobei man die zwölf Ori­gi­nale — bei allem gebo­te­nen Respekt ver­steht sich — Molotov-​​tauglich gemacht hat.

Neben Cover-​​Versionen und –Ver­satz­stü­cken diver­ser mexi­ka­ni­scher Hits fin­det sich gleich zum ful­mi­nan­ten Ein­stieg eine Neu­be­ar­bei­tung von Fal­cos „Rock Me Ama­deus“. Das heißt heuer zwar „Ama­teur“, hält aber erst­ma­lig, was der Ursprungs­ti­tel eigent­lich schon immer ver­spro­chen hat. „Mar­ciano“ stammt ehe­mals aus der Feder von Glenn Dan­zig (The Mis­fits — „I Tur­ned Into A Mar­tian“), Gil Scott-​​Heron darf sich rüh­men mit „The Revo­lu­tion Will Not Be Tele­vi­sed“ („La Revo“) ver­tre­ten zu sein, „Agüela“ wurde ange­rei­chert mit The Clashs „Magni­fi­cent Seven“, „Perro Negro Gran­jero“ zeigt sich unter ande­rem inspi­riert durch „La Grange“ von ZZ Top und was der Beas­tie Boys „Girls“ sind fortan Molo­tovs „Cha­vas“. Puh, gute Güte, was eine Zusammenstellung!

Aber Molo­tov und ein Cover-​​Album? Nach­spie­len? Pfui! Schämt euch! Habt ihr keine eige­nen Ideen mehr?! Und das einer Band, die vor acht Jah­ren mit einem groß­ar­ti­gen Crossover-​​Debüt namens „Donde Juga­ran Las Ninas?“ dem Esta­blish­ment ans Bein gepin­kelt hat bis die Stie­fel über­lie­fen? Na ja, nun mal halb­lang, liebe Molotov-​​Verfechter. Um Zeit bis zum nächs­ten Longplayer zu schin­den, ist ein sol­ches Unter­fan­gen jeden­falls nicht das schlech­teste. Zumal „Con Todo Res­peto“ eine drei­vier­tel Stunde voll erst­klas­sig ein­ge­spiel­ter Party-​​Mucke mit Gusto bereit hält, wie sie bes­ser fast nicht klin­gen kann. Was wären denn all die zünftig-​​feuchtfröhlichen Feten ohne Morgengrauen-​​Mitgröhler von den Roten Rosen oder Tom Angel­rip­per gewe­sen? Rich­tig: Kein schö­ner Tag.

Wie die Mexi­ka­ner Molo­tov aller­dings aus­ge­rech­net auf das deut­sche Vor­zei­ge­lied­gut „Da da da“ von Ste­phan Remm­lers Trio gekom­men sind? Wir wis­sen es nicht. Wol­len wir im Grunde genom­men auch gar nicht, aber bei allem was recht ist! „Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht. Aha“. Und über­haupt… Plop! Plop! Plop! Plop! Na schön, na schön, ob Band-​​Proberaum in Mexico City oder WG-​​Party in Karls­ruhe Stadt — letzt­end­lich ist das nach der 15. Pulle doch hier wie dort auch schon längst total egal.