2. November 2004

Shrek 2

Im rich­ti­gen Mär­chen wäre jetzt Schluss. Wenn der Held aus­ge­zo­gen ist, seine Maid aus den Klauen des feu­er­spei­en­den Unge­tüms zu ret­ten, um anschlie­ßend mit ihr Haus, Hof und Bett zu tei­len, dann schließt sich im Regel­fall das Buch — und sie leben glück­lich und zufrie­den bis an ihr Lebens­ende. In der Welt der Oger hin­ge­gen sieht das ein klein wenig anders aus. Oder sagen wir bes­ser in der Welt von Hol­ly­woods Film­schmie­den wie Dream­works Pic­tures. Hier gibt es ein Leben nach dem Happy End; der Mär­chen­on­kel holt den ver­staub­ten Wäl­zer drei Jahre danach aber­mals her­vor und „Shrek, der toll­kühne Held kehrt zurück“ (Uni­ver­sal Pic­tures).

Was haben wir uns amü­siert im Som­mer 2001, über diese ach so drollig-​​unkonventionelle Geschichte um den grum­me­li­gen Sumpf­be­woh­ner, der unver­se­hens zum „Toll­küh­nen Hel­den“ mutierte, und sei­nen geschwät­zi­gen Weg­ge­fähr­ten, den Esel. Das sahen auch die Damen und Her­ren der Aca­demy so und schu­fen prompt eine neue „Oscar“-Kategorie, um das CGI-​​Spektakel zu wür­di­gen: Der „Beste ani­mierte Spiel­film“ ward geboren.

Nun kommt das Sequel in den Han­del und das knüpft unmit­tel­bar an sei­nen Vor­gän­ger an, näm­lich bei der Rie­sen­party, wel­che Shrek und Fiona anläss­lich ihrer Hoch­zeit gaben. Als das traute Paar aus sei­nen Flit­ter­wo­chen zurück­kehrt, laden die Eltern der Braut Toch­ter nebst ange­trau­tem Anhang an den könig­li­chen Hof ins Land Weit Weit Weg. Doch schein­bar hat sie nie­mand auf den Anblick ihres neuen Schwie­ger­sohns vor­be­rei­tet — und erst recht nicht dar­auf, wie sehr sich ihre einst so hüb­sche Toch­ter ver­än­dert hat. Und über­haupt: Ein grü­ner Oger auf einem roten Tep­pich — schon vom ästhe­ti­schen Far­b­emp­fin­den abso­lut undenkbar!

Ein grü­ner Oger folgt dem gel­ben Manifest

Dabei hatte das Königs­paar sich doch solch einen raf­fi­nier­ten Plan zurecht gelegt: Das mit dem Fluch gebo­rene Töch­ter­lein, wel­ches sich des Nachts immerzu in ein grü­nes Etwas mutiert, sperrt man kur­zer­hand in einen Turm, um sie sodann von Prinz Char­ming be– und anschlie­ßend freien zu las­sen. Er würde sie von ihrem Bann erlö­sen. Das hatte Papa Harold mit der Guten „bösen“ Fee so abge­macht. Dann schwingt besagte ein­mal kurz den Zau­ber­stab und Soh­ne­mann Char­ming erhei­ra­tet sich dafür den könig­li­chen Thron. Ein toll­küh­ner Plan ver­ei­telt von einem toll­küh­nen Hel­den. Nun ist der König gezwun­gen, die Dienste des berühmt-​​berüchtigten Oger-​​Killers, dem Gestie­fel­ten Kater, zu bemü­hen, um seine Ver­sion eines Happy Ends herbeizuführen.

Und das Sequel kle­ckert nicht, es klotzt: mit fast noch mehr abge­dreh­tem Humor und vor allen Din­gen noch mehr Anspie­lun­gen auf ande­res Film­werk. War im ers­ten Teil ledig­lich die bei „Matrix“ ent­lehnte Kampf­szene zwi­schen den Gefähr­ten und dem Robin-​​Hood-​​Verschnitt aus­zu­ma­chen, so fin­det man nun lie­be­voll in die Story ein­ge­floch­tene Hom­ma­gen an den „Der Herr der Ringe“, „Alien“, die „Ghost­bus­ters“, „Spider-​​Man“ oder „Mis­sion Impos­si­ble“, um nur fünf beson­ders Gelun­gene zu nen­nen. Und wer hätte eigent­lich gedacht, dass die Amis sich der­art gut bei den Gebrü­der Grimm auskennen

Oder man nehme das Land Weit Weit Weg, wel­ches schon beim „Orts­schild“ auf dem nahen Hügel doch sehr an Hol­ly­woods Gemar­kung erin­nert. Des Esels Bezie­hung zur Dra­chen­lady war zwar nicht von Dauer, doch sehr viel län­ger als neun Monate kann die Tren­nung noch nicht zurück­lie­gen. Ein­fach süß, so ein Baby-​​Dresel! Der Auf­marsch der Hoch­zeits­gäste lässt die mitt­ler­weile all­jähr­li­che Ver­lei­hung des „Bes­ten ani­mier­ten Spiel­films“ in CGI aufleben.

Dabei besan­nen sich jene Macher stets auf den „Sim­psons“-Effekt: Gerade die Klei­nen „Shrek“-Anhänger, wel­che die zahl­rei­chen Refe­ren­zen auf­grund ihrer kind­li­chen Unbe­küm­mert­heit schlicht über­ge­hen wer­den, stö­ren sich nicht an der­lei Dop­pel­deu­tig­keit. Denn die Anspie­lun­gen tra­gen jeder­zeit die Story und wur­den nicht um ihrer selbst Wil­len ein­ge­baut. Nein, „Shrek 2″ ist kein rich­ti­ges Mär­chen und weil sie nicht gestor­ben sind, leben sie noch mor­gen. Also freuen wir uns — auf ein wei­te­res Sequel jen­seits des Happy Ends.