Tap­fer blei­ben ist ange­sagt. Ver­gan­ge­nen Frei­tag ging im Stutt­gar­ter LKA der Welt letz­ter Wizo–Gig über die Longhorn-​​Bühne. Zum Jah­res­be­ginn 2005 ist beim Punkrock-​​Dreier aus Sin­del­fin­gen ohne­hin alles „Anders­ter“ (Hulk Räkorz/​SPV). Der erste Longplayer seit zehn Jah­ren, man mochte es ja schon nicht mehr für mög­lich hal­ten. Doch den wah­ren Pau­ken­schlag schickte Sän­ger Axel Kurth gleich hin­ter­her. Tap­fer blei­ben, Leute.

Abschieds­tour. Am 5. März beginnt end­gül­tig die wizo­lose Zeit­re­chung. Was hat­ten wir uns gewünscht, um’s wenigs­tens ein klein wenig mit Fas­sung tra­gen zu kön­nen? Klar, wenn schon, denn schon ein Kracher-​​Album zum Abschied! Zwar hat das Trio in der zurück­lie­gen­den Dekade nicht eben son­der­lich viel zustande gebracht; hier mal eine EP, dort eine Sin­gle, da ein Stick, doch ist es wie mit so vielem.

Sin­del­fin­ger Schwach­sinn und Westentaschenphilosophien

Die glor­rei­chen 90er leg­ten unge­ach­tet aller Rea­li­tät ihren gül­de­nen Schleier über all die halb­ga­ren Ver­su­che. „Für’n Arsch“ und „Bleib tap­fer“ haben ihren Platz in der Hall Of Fame des Punk­rock längst sicher, wenn­gleich man mit „Uaarrgh!“ 1994 die in jeder­lei Hin­sicht beste Platte pro­du­ziert hat. Selbst die nicht eben üppig gefüllte „Her­ren­hand­ta­sche“ hat uns noch solch Mei­len­steine wie „Qua­drat im Kreis“ beschert. Und jetzt ver­ab­schie­den sich Wizo mit einer Platte, die so abgrund­tief grot­ten­schlecht ist, dass dem Mach­werk im Grunde keine ein­zige Zeile gewid­met wer­den dürfte.

Wäre — ja wäre da nicht die­ser alles ein­ne­belnde gül­dene Schleier. Um nur kurz hin­ein­zu­tau­chen: Da war der Gold­fisch namens Michael, viel Gerede um „Kein Gerede“, weil man den skru­pel­lo­sen Staat zu stop­pen gedachte, der Skan­dal ums Schwein am Kreuz, unver­ges­sene Fahr­ten im B-​​Kadett oder der Anarcho-​​Auftritt beim „Bizarre“-Festival. Bei allem Spaß an der Sache hat­ten Wizo sei­ner­zeit auch noch Songs mit Aus­sage zu bie­ten, seien sie nun poli­ti­scher („Nix & Nie­mant“, „Kopf­schuss“, „Das gol­dene Stück“) oder phi­lo­so­phi­scher Natur („Raum der Zeit“, „Überflüssig“).

Tap­fer blei­ben, denn davon ist nichts, aber auch gar nichts übrig geblie­ben. Dass es text­lich nicht mehr weit her ist, hat schon das Lebens­zei­chen „R.A.F.“ mit sei­nen Kindergarten-​​Terroristen-​​Lyrics gezeigt. Doch „Anders­ter“ ist der sau­er­stoff­lose Gip­fel des Sin­del­fin­ger Schwach­sinns. Viel Pseudo-​​Fun, Punk­rock fast durch­ge­hend Fehl­an­zeige, kurzum: eine musi­ka­li­sche Bank­rott­er­klä­rung. Der Opener „Kopf ab, Schwanz ab, Has“ ist viel­leicht noch unter der Nonsens-​​Rubrik zu ent­schul­di­gen, doch lohnt der liebe Rest das Anspie­len nicht. Mit Aus­nahme des letz­ten Tracks.

„So wie’s ein­mal war, wird’s nie wie­der sein“

Aber selbst das musi­ka­lisch noch halb­wegs akzep­ta­ble „Z.G.V.“ ent­puppt sich bei genaue­rem Hin­hö­ren als abge­dro­schene Wes­ten­ta­schen­phi­lo­so­phie: „So wie’s ein­mal war, wird’s nie wie­der sein.“ Recht hat er, der Axel. Wir blei­ben tap­fer, ver­drü­cken uns die Trän­chen und sagen artig „Dan­ke­schön!“ für all die vie­len unver­ges­se­nen Hym­nen — doch mit die­sem von Wizo so oft gepre­dig­ten gol­de­nen Stück Sch.… fällt der Abschied um eini­ges leich­ter. Auch wenn wir uns den eigent­lich ganz „anders­ter“ vor­ge­stellt hatten.