17. Dezember 2004

Das Fest — Die DVD

Gar nicht sel­ten wol­len die guten Dinge im Leben ein­fach eine kleine Weile wäh­ren dür­fen. So auch gesche­hen im Falle der DVD zum größ­ten „Umsonst und draußen“-Festival Süd­deutsch­lands, dem „Fest“. Die 20. Auf­lage gab es vom 23. bis 25. Juli zu erle­ben, schon steht uns die­ser Tage bereits sein Namen­spen­dant mit der weit­aus län­ge­ren Tra­di­tion ins Haus. Dabei wurde doch schon vor Wochen und Mona­ten mit viel Pomp zur gro­ßen Release-​​Party gela­den. Etwas vor­ei­lig ver­an­schlagt, kamen die bei­den Macher mit der Pro­duk­tion plötz­lich nicht mehr so recht hin­ter­her. Aber jetzt hat sich’s end­lich aus­ge­währt: „Das Fest — Die DVD“ (Falle & Kahl Medi­en­pro­duk­tion) ist da.

„Da ich selbst gebür­ti­ger Karls­ru­her bin und Frit­jof lange in der Fächer­stadt gelebt hat, hat­ten wir uns schon zu gemein­sa­men WG-​​Zeiten über­legt, man müsste mal einen Film übers ‚Fest‘ machen“, erzählt Ste­phan Fal­ler, der das Pres­ti­ge­pro­jekt gemein­sam mit sei­nem Kom­pa­gnon, dem Kame­ra­mann und Cut­ter Frit­jof Krahl, in Angriff genom­men hat. Ursprüng­lich waren deren sogar zwei ange­dacht. Doch nach­dem sich eines der Vor­ha­ben zer­schla­gen hatte, „setz­ten wir uns mit den Übrig­ge­lie­be­nen des Par­al­lel­pro­jekts zusam­men, und beschlos­sen, aus zwei von­ein­an­der unab­hän­gi­gen Fil­men einen zu machen.“ Den „Fest“-Film eben.

Gewollt aber nicht gekonnt?

Gelun­gen ist die­ses hehre Vor­ha­ben lei­der allen­falls in Ansät­zen. Schon die Menü­füh­rung wirkt unaus­ge­reift, springt dank feh­ler­haf­ter Pro­gram­mie­rung teil­weise an die fal­schen Stel­len. Dar­über wäre ja noch groß­zü­gig hin­weg­zu­se­hen, schließ­lich kommt’s ja auf den Inhalt an. Doch hier mani­fes­tiert sich das Gefühl des „gewollt aber nicht gekonnt“ erst recht: Bild– und Ton­qua­li­tät las­sen für eine DVD doch arg zu wün­schen übrig und erin­nern dank unschön anzu­schau­en­der Kom­pri­mie­rungs­ver­zer­run­gen und das Musik­ver­gnü­gen trü­ben­dem Hall gar an ein gestream­tes Web­film­chen. Doch damit nicht genug der Unzu­läng­lich­kei­ten: Bei den Inter­views ent­puppt sich der Ton stel­len­weise gar als nicht lip­pen­syn­chron, hier und da feh­len die so genann­ten Bauch­bin­den, so dass man nur dar­über spe­ku­lie­ren kann, wer hier sei­nen „Fest“-Senf dazu geben darf. Zu allem Über­fluss sind auch die Schnitte gar nicht sel­ten durch­aus dis­kus­si­ons­wür­di­ger Natur. Immer­hin reiht sich die inhalt­li­che Auf­be­rei­tung naht­los ein.

In eine 60-​​minütige Doku ver­packt zeigt „Der Film“ unmo­de­riert und unkom­men­tiert Mit­schnitte der 2004er Gigs von Wir sind Hel­den, Casa Nos­tra, Swosh, Schein 23 und Gent­le­man; ein­zig ver­bun­den durch Inter­views, bei­spiels­weise mit Orga­ni­sa­tor Rolf Fluh­rer, „Fest“-Erfinder Die­ter Moser, Tollhaus-​​Geschäftsführer Bernd Bel­sch­ner und Festival-​​Namensgeber Alfred Godulla. Die Macher grei­fen hier und da zwar auch die „Fest“-Geschichte auf, das Gros der Bil­der — immer­hin mit Klas­sik­früh­stück, „Fest“-Cup und Mobi­ler Spie­le­ak­tion — stammt jedoch aus­schließ­lich von der jüngs­ten Auf­lage. Unver­ständ­li­cher­weise blei­ben Fal­ler und Krahl ihrer Kund­schaft jedoch den Groß­teil der Top-​​Acts inklu­sive der „Ver­klär­ten Nacht“ schuldig.

„Fest„liche Stim­mung mag ob der Unzu­läng­lich­kei­ten nur schwer aufkommen

Das zweite Kapi­tel „Kon­zerte“ besteht indes ein­zig aus den bereits im Film ange­spiel­ten Ein­zel­songs der oben erwähn­ten Aus­er­wähl­ten — mit Aus­nahme der Hel­den. Dabei hätte doch gerade der Pennäler-​​Pop sein Denk­mal ver­dient. Und zur rei­nen Farce ver­kommt schließ­lich der viel­sa­gende Menü­punkt „Info“: Dort ver­sam­meln sich neben der in spar­ta­ni­schem Text gehal­te­nen „Fest“-Chronologie und einem völ­lig deplat­zier­ten Image­film über ein Haus aus der Karls­ru­her Erleb­nis­gas­tro­no­mie nur­mehr Rolf Fluh­r­ers ulti­ma­ti­ves „Fest“-Fazit samt Die­ter Mosers welt­män­ni­scher State­ments — teils schon im Film ver­wen­det und nun end­lich auch uncut zu genie­ßen. Summa sum­ma­rum zwei Kapi­tel mit 60 Minu­ten voll­mun­dig ange­kün­dig­tem Bonus­ma­te­rial, das im Grunde genom­men gar kei­nes ist. „Fest„liche Stim­mung mag ob der gebo­te­nen Unzu­läng­lich­kei­ten jeden­falls nur schwer auf­kom­men. Was zu lange wäh­ren darf, wird offen­sicht­lich wirk­lich nim­mer­mehr rich­tig gut.