30. Dezember 2004

Shaun Of The Dead

Jeder Große braucht eine, ob komö­di­an­ti­sche Höhen­flüge mit Mel Brooks‘ „Space­balls“, Bruch­lan­dun­gen im „(T)Raumschiff“ oder ein­fach nur Non­sense non­stop à la „Hot Shots“ — die Liste der Per­si­fla­gen ist lang. Im Früh­jahr war es, da ließ ein gewis­ser Zak Sny­der in einem fan­tas­tisch tra­shi­gen Remake von George A. Rome­ros apo­ka­lyp­ti­schem Horror-​​Klassiker „Dawn Of The Dead“ die Zom­bies stan­des­ge­mäß den Grä­bern ent­stei­gen. Arme in die Waa­ge­rechte und hin­ter­her­ge­wankt, sag­ten sich nun der bri­ti­sche Regis­seur Edgar Wright und sein Co-​​Autor Simon Pegg (der sich neben­bei auch gleich die Haupt­rolle ver­passt hat) und neh­men auf kult­ver­däch­tige Weise das „Nicht-ganz-tot“-Subgenre aufs Korn.

Shauns (Simon Pegg) Leben ver­läuft in ein­ge­fah­re­nen Glei­sen. Er ist jetzt 29 Jahre alt und hat längst den Leer­lauf ein­ge­legt. In die Gefahr, sein Poten­zial jemals voll aus­zu­schöp­fen, kommt er ganz sicher nicht — außer er tes­tet in sei­ner Stamm­kneipe, dem Win­ches­ter, die Saug­kraft sei­ner Leber. Bis zu jenem unse­li­gen Tag, als plötz­lich über­mä­ßig viele Men­schen auf der Straße ohne jeden ersicht­li­chen Grund in „Ohn­macht“ fal­len oder sich an der Haupt­schlag­ader des Neben­manns verbeißen.

Shaun Of The Dead“ ist nun wie­der einer die­ser Filme, der schon lange vor Kino­start mit Kult­lor­bee­ren geschmückt wird; und das nicht zu knapp. Immer­hin war der Strei­fen in Eng­land ein ech­ter Publi­kums­ren­ner. Es fällt jedoch auf Anhieb ein biss­chen schwer, vor Begeis­te­rung um sich zu schnap­pen, denn Edgar Wright wusste offen­bar nicht so ganz, was er denn nun auf die große Lein­wand zau­bern wollte: Eine klas­si­sche Par­odie auf Rome­ros „Zombie“-Trilogie? Dafür tun es Macher zu oft ihrem Haupt­ak­teur gleich — und neh­men ein­fach mal den Gang raus. Vor­nehm­lich der zwei­ten Film­hälfte fehlt es schlicht an zün­den­den Anspie­lun­gen und zwi­schen­durch ver­fällt Wright zuse­hends in eben jene Strick­mus­ter, die er eigent­lich durch den Kakao zu zie­hen versucht.

Immer­hin wird fröh­lich zuge­langt, Blut und alle erdenk­li­chen Kör­per­säfte flie­ßen in Strö­men. Doch wol­len wir dem Mann auf dem Stuhl an die­ser Stelle nicht unrecht tun: Schrä­gen Humor gibt’s näm­lich durch­aus reich­lich zu schauen im Laufe die­ser größ­ten­teils kurzweilig-​​schaurigen 96 Minu­ten. Und zumin­dest der „Dire Straits-​​Anti-​​Zombie-​​Wurf“ ran­giert auf der Kult­skala ohne Zwei­fel ganz dicht hin­ter Herrn Leh­manns „Kreuz­ber­ger Schraube“. Nur fehlt’s eben lei­der ein wenig an der letz­ten über­zo­ge­nen Konsequenz.

Wer sich indes selbst ein­mal als Zombie-​​Jäger betä­ti­gen und mit Vinyl nach Unto­ten wer­fen möchte, dem sei ein Besuch auf der Film-​​Site ans hof­fent­lich noch regel­mä­ßig schla­gende Herz gelegt: „Fin­ger weg von mei­nem Bier“ heißt das blu­tige Online-​​Shooter-​​Vergnügen im „Moorhuhn“-Style. Kult wohin das Auge blickt also. Und den­noch bewe­gen wir uns im Bereich des Über­schau­ba­ren. Eine eigene Per­si­flage wird „Shaun Of The Dead“ ganz sicher nicht zuteil, doch dür­fen Lieb­ha­ber des Gen­res schon mal andert­halb Zen­ti­me­ter an pri­vi­le­gier­ter Stelle im DVD-​​Regal freihalten.