13. Januar 2005

Hautnah

Lieben und vor allen Dingen geliebt zu werden, vielleicht ist das der einzig wahre Motor allen menschlichen Strebens. Haben Männlein und Weiblein erst einmal zusammen gefunden und überdauert diese Beziehung ein ganzes Leben in vollkommenem Glück, dann darf man eigentlich nur noch bewundernd Beifall spenden. Denn die Welt gehört heuer den Egomanen, jeder ist sich selbst der nächste.

Aber ist denn der Mensch überhaupt fähig, sich dauerhaft auf einen einzigen Partner einzustellen? Regisseur Mike Nichols glaubt das offensichtlich nicht und bereitet mit "Hautnah" das Vier-Personen-Theater "Closer" von Patrick Marber für die große Leinwand auf. Eine freizügige Abrechnung mit Sex, Lügen und Beziehungen in unseren modernen Zeiten.

Der ebenso attraktive wie erfolglose Journalist Dan (Jude Law), die junge New Yorker Stripperin Alice (Natalie Portman), die geschiedene Fotografin Anna (Julia Roberts) und der ehrgeizige Hautarzt Larry (Clive Owen) - vier Menschen und bald zwei Paare, die sich permanent ver- und wieder entlieben: Bei Dan und Alice war es die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Doch als er kurz darauf eine Affäre mit Anna anfängt, die wiederum den selbstbewussten Larry heiratet, beginnt ein verzweifelter Kampf der Geschlechter.

Ein Kammertheaterstück überzeugend fürs Kino aufzubereiten ist eine bemerkenswerte Leistung. Da Marber höchstselbst das Drehbuchschreiben übernommen hat, war es für Nichols zwar kein Kunststück mehr, die von der Vorlage vorgegebene verwobene Erzählweise beizubehalten. Doch gelingt es ihm, der 105 Minuten konsequent auf nackte Haut verzichtet, den Zuschauer trotz zahlreicher Zeitsprünge im Plot stets dort abzuholen, wo er steht: mitten im Leben nämlich.

Freizügig-frivole Dialoge sind ein Beleg dafür, aber noch mehr das Gefühl, dass alles so bittersüß vertraut scheint. Ganz gleich auf welcher Seite des Beziehungsdramas man gestanden hat - der Abservierte findet sich ebenso wieder wie der Abservierer. Diese schonungslose Nähe zur Realität ist es, die dialoglastigem Intellektuellenkino zum Trotz schlicht fasziniert.

Und eine Erkenntnis, die so neu im Grunde gar nicht ist: Heute geht es dem Manne anscheinend viel zu oft immer weniger darum, die große Liebe zu gewinnen, als um den totalen Triumph über seinen Kontrahenten. Und die Frauen? Die haben derweil dem Film zufolge auf dem Schlachtfeld nichts verloren - sie sind das Schlachtfeld. Vielleicht treibt den Mann im Speziellen ja doch noch ein kleines bisschen mehr an, als nur lieben und geliebt zu werden.

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