Diese bei­den brin­gen es auf den Punkt: „Was haben wir eigent­lich vor? Ich steig oft nicht dahin­ter“, unken Musik­ka­ba­ret­tist Gunzi Heil und sein Pop­pets–Kom­pa­gnon Mar­cus Dürr schon lange vor dem erwar­tet uner­war­te­ten Aus­schei­den Karls­ru­hes aus dem Kul­tur­haupt­stadt­ren­nen. „Wenn wir gewin­nen, dann „Mit Recht“ und wenn wir ver­lie­ren, dann auch mit Recht. So kann uns nichts passier’n und das ist doch gar nicht schlecht.“ Eine herz­hafte Mischung aus „Reim dich oder ich fress dich“ und auf den Punkt gebrach­ter Satire — das sind die „Pop­pets 2010″ (Longblond Records) mit ihrer inof­fi­zi­el­len Hymne zur Hauptstadt.

Wobei Gunzi Heil den Bewer­bungs­bei­trag kei­nes­wegs als blo­ßen Abge­sang ver­stan­den wis­sen will, son­dern viel­mehr als necki­sche „Eugen­spie­ge­lei“. Der Narr darf die Wahr­heit nun­mal unver­blümt in den Mund neh­men ohne gleich einen Kopf kür­zer gemacht zu wer­den. Und wer ganz genau hin­hört, macht zwi­schen Kla­vier­spiel, poin­tier­ten Text­pas­sa­gen, den Ver­eins­strei­chern von Rot-​​Gelb Grün­win­kel und den Blas­brü­dern aus Bulach Anlei­hen bei Marius Müller-​​Westernhagen („Lass uns leben“), der Münch­ner Frei­heit („Solang man Träume noch leben kann“) und den Rol­ling Sto­nes („You Can’t Always Get What You Want“) aus.

Doch „Die Pop­pets 2010″ sind nicht nur ori­gi­nell, son­dern auch ori­gi­nal: Die CD ist limi­tiert auf 2010 durch­num­me­rierte Exem­plare und die meis­ten der Pres­sun­gen sind bis auf wenige Rest­stü­cke ent­we­der reser­viert (die Num­mer eins für Ober­bü­ger­meis­ter Heinz Fen­rich, die 2010 für Kul­tur­de­zer­nent Ull­rich Eiden­mül­ler) oder ver­grif­fen: Als die Pop­pets auf der „Kulturhauptstadt-​​Lied-​​Tour“ mit ihrem pink­far­be­nen Stage-​​Truck die Fächer­stadt beschall­ten, wurde zum Tausch­preis von drei Euro (inklu­sive 90 Cent Kul­tur­haupt­stadt­so­li­da­ri­täts­zu­schlag) kräf­tig zugelangt.

Ver­ge­bens. „Die Erste Nacht“ war ver­mut­lich auch die letzte und das stimmt selbst den immer­fröh­li­chen Nar­ren ein klein wenig weh­mü­tig: „Es ist schade, dass es nun nicht mehr wei­ter­geht. Irgend­wie hat man sich mitt­ler­weile doch an den Gedan­ken gewöhnt. Aber die Karls­ru­her waren ja schon immer gute Ver­lie­rer…“ Denn die Frei­heit des Nar­ren ist unantastbar.