21. März 2005
Liquido — „Float“
Diese vier Jungs haben ein Problem: Und dieses Luxus-Problem heißt „Narcotic“. „The New, The Classic And The Unexplored“, dareinst der Titel eines „Visions“-Samplers, auf welchem eine Formation namens Liquido vertreten war. Und Volltreffer: Newcomer ’98 — hurra, hurra der Hype ist da!
Heuer wird „Narcotic“ vielleicht einzig noch vom „Lemon Tree“ überschattet; so abgenudelt, dass man den Chartbreaker im Ruhestand mittlerweile sogar nicht mal mehr mit spitzen Fingern aus dem CD-Regal holen mag. Und wehe er zwängt sich aufgezwungenermaßen in die Gehörgänge. Jaja, One-Hit-Wonder Liquido. Und es sah ganz danach aus, als hätten die Heidelberger spätestens mit Platte Nummer drei endgültig den Weg in die Bedeutungslosigkeit eingeschlagen. Überflüssig eben.
Seit wenigen Wochen starten Liquido nun mit ihrem neuen Longplayer „float“ (Nuclear Blast Records/Warner Music) ein weiteres Mal den verzweifelten Versuch, die postnarkotische Phase einzuläuten, eine musikalische Linie zu finden. Und zumindest ein respektvolles „oho!“ entlocken sie mit ihrem Neuling allemal. Klang auf den vergangenen Scheiben doch alles mehr oder weniger nach schon mal dagewesen, legen Gitarrist und Sänger Tim Eiermann, Wolle Maier (Schlagzeug), Stephan Schulte (Bass) und Wolfgang Schrödl (Keyboard) mit „float“ eine für Liquido-Verhältnisse beachtliche Experimentierfreude an den Tag.
Tune Down Schrödl, statt dessen wechselt man geradezu galant zwischen beinahe schon Weezereskem Alternative-Rock — wie etwa beim Opener „Flip To Play“ oder „No Sensitive Healing“ und verspielten Pop-Melodien („High Roller“), hier und da versetzt mit erfrischenden Synthie– und Elektronik-Einschüben („Love Me Love Me“). Einzig bei der nur logischen Auskopplung „Ordinary Life“ wird’s denn doch wieder ziemlich narkotisch. Doch das Wachbleiben lohnt: Auch wenn die ganz große Überraschung erwartungsgemäß ausbleibt — dafür ist die Scheibe unterm Strich dann doch zu glatt und harmlos geraten — darf man zumindest wieder mit Liquido liebäugeln. Ins Ohr gekrochen ist uns ihr über und über flüssig daherkommender „float“-Sound jedenfalls schon mal. Problem noch nicht gelöst, aber ein Anfang.
