Diese vier Jungs haben ein Pro­blem: Und die­ses Luxus-​​Problem heißt „Nar­co­tic“. „The New, The Clas­sic And The Unex­plo­red“, dar­einst der Titel eines „Visions“-Samplers, auf wel­chem eine For­ma­tion namens Liquido ver­tre­ten war. Und Voll­tref­fer: New­co­mer ’98 — hurra, hurra der Hype ist da!

Heuer wird „Nar­co­tic“ viel­leicht ein­zig noch vom „Lemon Tree“ über­schat­tet; so abge­nu­delt, dass man den Chart­brea­ker im Ruhe­stand mitt­ler­weile sogar nicht mal mehr mit spit­zen Fin­gern aus dem CD-​​Regal holen mag. Und wehe er zwängt sich auf­ge­zwun­ge­ner­ma­ßen in die Gehör­gänge. Jaja, One-​​Hit-​​Wonder Liquido. Und es sah ganz danach aus, als hät­ten die Hei­del­ber­ger spä­tes­tens mit Platte Num­mer drei end­gül­tig den Weg in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit ein­ge­schla­gen. Über­flüs­sig eben.

Seit weni­gen Wochen star­ten Liquido nun mit ihrem neuen Longplayer „float“ (Nuclear Blast Records/​War­ner Music) ein wei­te­res Mal den ver­zwei­fel­ten Ver­such, die post­nar­ko­ti­sche Phase ein­zu­läu­ten, eine musi­ka­li­sche Linie zu fin­den. Und zumin­dest ein respekt­vol­les „oho!“ ent­lo­cken sie mit ihrem Neu­ling alle­mal. Klang auf den ver­gan­ge­nen Schei­ben doch alles mehr oder weni­ger nach schon mal dage­we­sen, legen Gitar­rist und Sän­ger Tim Eier­mann, Wolle Maier (Schlag­zeug), Ste­phan Schulte (Bass) und Wolf­gang Schrödl (Key­board) mit „float“ eine für Liquido-​​Verhältnisse beacht­li­che Expe­ri­men­tier­freude an den Tag.

Tune Down Schrödl, statt des­sen wech­selt man gera­dezu galant zwi­schen bei­nahe schon Weeze­res­kem Alternative-​​Rock — wie etwa beim Opener „Flip To Play“ oder „No Sen­si­tive Hea­ling“ und ver­spiel­ten Pop-​​Melodien („High Rol­ler“), hier und da ver­setzt mit erfri­schen­den Syn­t­hie– und Elektronik-​​Einschüben („Love Me Love Me“). Ein­zig bei der nur logi­schen Aus­kopp­lung „Ordi­nary Life“ wird’s denn doch wie­der ziem­lich nar­ko­tisch. Doch das Wach­blei­ben lohnt: Auch wenn die ganz große Über­ra­schung erwar­tungs­ge­mäß aus­bleibt — dafür ist die Scheibe unterm Strich dann doch zu glatt und harm­los gera­ten — darf man zumin­dest wie­der mit Liquido lieb­äu­geln. Ins Ohr gekro­chen ist uns ihr über und über flüs­sig daher­kom­men­der „float“-Sound jeden­falls schon mal. Pro­blem noch nicht gelöst, aber ein Anfang.