4. April 2005
Such A Surge — „Alpha“
Fast keine Spur mehr vom etwas mainstreamigeren „Surge Effekt“, das „Rotlicht“ ist zumindest stark gedimmt und so ist Herr Hörer einmal mehr überrascht ob der kompromisslosen Powerchords-Orgien, die ihm diesmal aus den Boxen entgegenschlagen. Münster oder Braunschweig — der Trend geht unüberhörbar zum Geradeaus-Rock. Auch bei Such A Surge, die heute ihren „Alpha“-Kracher (Nuclear Blast) gezündet haben. Martialisch-prunkloses Cover-Artwork mit Affenkopf, prägnanter Titel und zwei Frontmänner, deren Vocals zwischen melodischem Gesang, derbem Shouting und lässigem Rhymeflow pendeln.
Den sehr metallastigen Grundtenor verdankt das Album allerdings einem ganz anderen: Lutz Buch, dem „neuen“ Mann am Saiteninstrument, der 2003 Gründungsmitglied Dennis Graef ersetzt hat — und zwar vollwertig. Der Gitarrist hat bei SAS schon immer eine Impuls gebende Rolle eingenommen und Lutz Buch ist eindeutig ein anderer Songwriting-Charakter. Die Folge: „Alpha“ ist ein sattes Stück bissiger geworden als all seine Vorgänger.
So sind schon beim Opener „Überfall“ die Regler bis zum Anschlag aufgedreht. Doch der Fünfer beherrscht brachiale Brecher („OK“, „Was jetzt?“, „Radiosong“) ebenso perfekt wie relaxtes Klampfen. Und so ist es eine erwähnenswerte Randnotiz, ja schon fast ein kleines Paradoxum, dass ausgerechnet jener Track, der gänzlich ohne Verzerrer daherkommt, der vermeintlich beste des neuen Albums ist. „Mein Tag“, das ist Gesellschaftskritik, wie sie sich anzuhören hat: augenzwinkernd und pointiert nämlich.
Ansonsten geht’s straight nach vorn, musikalisch wie textlich. Bei „Mission erfüllt“ findet man klare Worte zum Irak-Krieg, meistert den schmalen Grad zwischen Pathos und Peinlichkeit. Gleiches gilt für „Alles was mir fehlt“: Wenn schon Herzschmerz, dann drehte sich’s bis dato immer um verflossene Liebschaften. Doch aus und vorbei mit „Nie mehr Lovesongs“, denn jetzt präsentieren die Braunschweiger ihre erste durch und durch romantische Nummer. Es gab wohl noch nie ein SAS-Liebeslied, das so positiv angelegt war. Eine Nummer ohne Haken, kein Post Scriptum. Nein, eine klare Aussage, ein Bekenntnis, das eben deshalb so kraftvoll wirkt.
Das soll’s aber auch schon gewesen sein mit der Sprache der Liebe. Dank des sehr Pain In The Assken „Instant Replay“ findet sich immerhin ein englischsprachiger Song auf dem neuen Album. Dabei sind doch gerade die in Französisch gehaltenen Lyrics so typisch SAS. Doch die gibt’s leider nur auf der EP („Powersurge“). Ebenso wie den klassischen Schubladen-Crossover. Zehn Jahre nach dem Hype scheint das Genre hierzulande endgültig tot. Sei’s drum und nach diesem Kracher ohnehin alles einerlei — es leben die den Affen tragen!
