Fast keine Spur mehr vom etwas main­strea­mi­ge­ren „Surge Effekt“, das „Rot­licht“ ist zumin­dest stark gedimmt und so ist Herr Hörer ein­mal mehr über­rascht ob der kom­pro­miss­lo­sen Powerchords-​​Orgien, die ihm dies­mal aus den Boxen ent­ge­gen­schla­gen. Müns­ter oder Braun­schweig — der Trend geht unüber­hör­bar zum Geradeaus-​​Rock. Auch bei Such A Surge, die heute ihren „Alpha“-Kracher (Nuclear Blast) gezün­det haben. Martialisch-​​prunkloses Cover-​​Artwork mit Affen­kopf, prä­gnan­ter Titel und zwei Front­män­ner, deren Vocals zwi­schen melo­di­schem Gesang, der­bem Shouting und läs­si­gem Rhy­me­flow pendeln.

Den sehr metal­las­ti­gen Grund­te­nor ver­dankt das Album aller­dings einem ganz ande­ren: Lutz Buch, dem „neuen“ Mann am Sai­ten­in­stru­ment, der 2003 Grün­dungs­mit­glied Den­nis Graef ersetzt hat — und zwar voll­wer­tig. Der Gitar­rist hat bei SAS schon immer eine Impuls gebende Rolle ein­ge­nom­men und Lutz Buch ist ein­deu­tig ein ande­rer Songwriting-​​Charakter. Die Folge: „Alpha“ ist ein sat­tes Stück bis­si­ger gewor­den als all seine Vorgänger.

So sind schon beim Opener „Über­fall“ die Reg­ler bis zum Anschlag auf­ge­dreht. Doch der Fün­fer beherrscht bra­chiale Bre­cher („OK“, „Was jetzt?“, „Radio­song“) ebenso per­fekt wie relax­tes Klamp­fen. Und so ist es eine erwäh­nens­werte Rand­no­tiz, ja schon fast ein klei­nes Para­doxum, dass aus­ge­rech­net jener Track, der gänz­lich ohne Ver­zer­rer daher­kommt, der ver­meint­lich beste des neuen Albums ist. „Mein Tag“, das ist Gesell­schafts­kri­tik, wie sie sich anzu­hö­ren hat: augen­zwin­kernd und poin­tiert nämlich.

Ansons­ten geht’s strai­ght nach vorn, musi­ka­lisch wie text­lich. Bei „Mis­sion erfüllt“ fin­det man klare Worte zum Irak-​​Krieg, meis­tert den schma­len Grad zwi­schen Pathos und Pein­lich­keit. Glei­ches gilt für „Alles was mir fehlt“: Wenn schon Herz­schmerz, dann drehte sich’s bis dato immer um ver­flos­sene Lieb­schaf­ten. Doch aus und vor­bei mit „Nie mehr Love­songs“, denn jetzt prä­sen­tie­ren die Braun­schwei­ger ihre erste durch und durch roman­ti­sche Num­mer. Es gab wohl noch nie ein SAS-​​Liebeslied, das so posi­tiv ange­legt war. Eine Num­mer ohne Haken, kein Post Scrip­tum. Nein, eine klare Aus­sage, ein Bekennt­nis, das eben des­halb so kraft­voll wirkt.

Das soll’s aber auch schon gewe­sen sein mit der Spra­che der Liebe. Dank des sehr Pain In The Ass­ken „Instant Replay“ fin­det sich immer­hin ein eng­lisch­spra­chi­ger Song auf dem neuen Album. Dabei sind doch gerade die in Fran­zö­sisch gehal­te­nen Lyrics so typisch SAS. Doch die gibt’s lei­der nur auf der EP („Powersurge“). Ebenso wie den klas­si­schen Schubladen-​​Crossover. Zehn Jahre nach dem Hype scheint das Genre hier­zu­lande end­gül­tig tot. Sei’s drum und nach die­sem Kra­cher ohne­hin alles einer­lei — es leben die den Affen tragen!