30. Mai 2005
Christina Stürmer — „Schwarzweiss“
Der Liebe Leid in Songs zu verpacken ist ebenso zeitlos wie erfolgversprechend — zumindest so lange die Texte sich nicht als tumb ausblutende Herzschmerz-Platitüden präsentieren. Was einem in derartigen Liebeskrisen bleibt, ist vielleicht gar nicht selten wirklich nur noch der schwache Trost der Musik.
Erstens weil — von vergorenen Seelenklempnern abgesehen — ohnehin nichts zu bleiben scheint und zweitens birgt sie ein ums andere Mal die bittersüße Erkenntnis, dass es anderen wohl schon ähnlich dreckig gegangen sein muss. Und so hat auch das Alpen-Castingshow-Gewächs mit dem unübersehbaren Faible zum Luft-Schlagzeug auf ihrem Deutschland-Debüt „Schwarzweiss“ (Universal/Polydor) einiges an massenkompatibel rockenden Klageliedern zusammengetragen.
Wo ist die perfekte Deutschrock-Welle?
In Österreich ist Christina Stürmers Silbermond längst aufgegangen und hierzulande versucht man nun mit einem neu eingespielten „Best Of“ der ersten beiden Stürmer-Alben „Freier Fall“ und „Soll das wirklich alles sein“ den Durchbruch: Ob Funk oder Fernsehen, die wunderschön leicht verdauliche Powerpophymne „Ich lebe“ geht seit Tagen die Rotation rauf und runter. Omnipräsent ist allerdings auch der „Schwarzweiss“-Spagat zwischen latenter Katerstimmung und dem beflügelnden Gefühl des Frisch-verliebt-Seins, der sich ebenso konsequent wie zweitönig über das 13 Tracks umfassende Album zieht.
Stimme hat sie, dazu dezent angeraute E-Gitarren, eingängige Melodienbögen und mal mehr, mal minder banale, aber eigentlich immer treffende Textpassagen über verflossene Liebschaften in allen Trauer-Stadien; vom mittelfingerbegleiteten „Ach, leck mich doch!“ bis zum versöhnlichen „Lass uns einfach gute Freunde sein“ — die Major-Produzenten wissen, wie’s gespielt werden muss: Nicht dort wassern, wo die See gar zu heftig brandet. Zu seicht soll’s denn freilich auch nicht sein, aber um Gottes Willen keine Experimente! Allenfalls knietief in die Fluten und den Grund immer schön im Auge behalten. Dann einmal kurz umgeschaut — und da, wo Juli sich tummeln, kann die perfekte Deutschrock-Welle eigentlich nicht mehr all zu weit entfernt sein.
