Der Liebe Leid in Songs zu ver­pa­cken ist ebenso zeit­los wie erfolg­ver­spre­chend — zumin­dest so lange die Texte sich nicht als tumb aus­blu­tende Herzschmerz-​​Platitüden prä­sen­tie­ren. Was einem in der­ar­ti­gen Lie­bes­kri­sen bleibt, ist viel­leicht gar nicht sel­ten wirk­lich nur noch der schwa­che Trost der Musik.

Ers­tens weil — von ver­go­re­nen See­len­klemp­nern abge­se­hen — ohne­hin nichts zu blei­ben scheint und zwei­tens birgt sie ein ums andere Mal die bit­ter­süße Erkennt­nis, dass es ande­ren wohl schon ähn­lich dre­ckig gegan­gen sein muss. Und so hat auch das Alpen-​​Castingshow-​​Gewächs mit dem unüber­seh­ba­ren Fai­ble zum Luft-​​Schlagzeug auf ihrem Deutschland-​​Debüt „Schwarz­weiss“ (Uni­ver­sal/​Poly­dor) eini­ges an mas­sen­kom­pa­ti­bel rocken­den Kla­ge­lie­dern zusammengetragen.

Wo ist die per­fekte Deutschrock-​​Welle?

In Öster­reich ist Chris­tina Stür­mers Sil­ber­mond längst auf­ge­gan­gen und hier­zu­lande ver­sucht man nun mit einem neu ein­ge­spiel­ten „Best Of“ der ers­ten bei­den Stürmer-​​Alben „Freier Fall“ und „Soll das wirk­lich alles sein“ den Durch­bruch: Ob Funk oder Fern­se­hen, die wun­der­schön leicht ver­dau­li­che Power­po­phymne „Ich lebe“ geht seit Tagen die Rota­tion rauf und run­ter. Omni­prä­sent ist aller­dings auch der „Schwarzweiss“-Spagat zwi­schen laten­ter Kater­stim­mung und dem beflü­geln­den Gefühl des Frisch-​​verliebt-​​Seins, der sich ebenso kon­se­quent wie zwei­tö­nig über das 13 Tracks umfas­sende Album zieht.

Stimme hat sie, dazu dezent ange­raute E-​​Gitarren, ein­gän­gige Melo­dien­bö­gen und mal mehr, mal min­der banale, aber eigent­lich immer tref­fende Text­pas­sa­gen über ver­flos­sene Lieb­schaf­ten in allen Trauer-​​Stadien; vom mit­tel­fin­ger­be­glei­te­ten „Ach, leck mich doch!“ bis zum ver­söhn­li­chen „Lass uns ein­fach gute Freunde sein“ — die Major-​​Produzenten wis­sen, wie’s gespielt wer­den muss: Nicht dort was­sern, wo die See gar zu hef­tig bran­det. Zu seicht soll’s denn frei­lich auch nicht sein, aber um Got­tes Wil­len keine Expe­ri­mente! Allen­falls knie­tief in die Flu­ten und den Grund immer schön im Auge behal­ten. Dann ein­mal kurz umge­schaut — und da, wo Juli sich tum­meln, kann die per­fekte Deutschrock-​​Welle eigent­lich nicht mehr all zu weit ent­fernt sein.