Es ist doch immer wie­der erstaun­lich, wie schnell aus einer beschei­de­nen Gegen­wart glor­rei­che Ver­gan­gen­heit wird. Ein­fach gestrickt waren sie sei­ner­zeit und viel­leicht eben des­halb nach heu­ti­gem Dafür­hal­ten, da alles immer schnel­ler, grö­ßer, hyper sein muss, so uner­reicht wun­der­schön, weil unüber­trof­fen an schnör­kel­lo­ser Schlicht­heit. Okay, Auf­lö­sun­gen in Abgrund­tie­fen, dazu Mut­tern zur Weiß­glut trei­bende 8-​​Bit-​​Sounds — aber dafür von einer Sache jede Menge: Charme.

Was heute der Glau­bens­krieg zwi­schen Macintosh-​​, Linux– und Windows-​​Usern, war einst eine über­schau­bare Ange­le­gen­heit der bei­den Kon­tra­hen­ten Amiga und dem letzt­lich trotz sei­ner Über­le­gen­heit geschei­ter­ten Atari ST. Die Commodore-​​Community der ers­ten Stunde schwor auf ihren C64, New­bees schätz­ten ihre Nin­tendo– und Sega-​​Handhelds wie –Kon­so­len. Und daher dürfte Desert Pla­nets neue Elektro-​​Spacepunk-​​Scheibe „Mario Built My Hot Rod“ (9pm Records/​Stu­pido Records/​Wan­tok Music) mit ihrem ver­que­ren Stil­mix aus Disco-​​Trash und 8-​​Bit-​​Easy-​​Listening ein­mal mehr so ziem­lich jede Spiel­er­ge­ne­ra­tion in ein bittersüß-​​nostalgisches Retro-​​Wölkchen hüllen.

Und die Videospiel-​​Ästhetik zieht sich kon­se­quent durchs vierte Album der bei­den Fin­nen Jukka Tar­ki­ai­nen und Jari Mik­kola: Cover, Titel, Sound, als Bonus drei durche Videos („Return Of The Ninja Dro­ids“, „Lost Gala­xi­ans“, „Aste­roid Hop­per“) und oben­drein das schnu­cke­lige Flash-​​Spielchen „Hot Rod Hit“. Spä­tes­tens da geden­ken wir mit woh­li­gem Frös­teln der „Space Inva­ders“, „Aste­ro­ids“, „Pacman“, den „Mario Bros.“, „Sonic“ und was sich da sonst noch so alles im Laufe der Jahre in den Wei­ten des Arcade-​​Universums getum­melt hat. Zu den unein­ge­schränk­ten Puris­ten des 8-​​Bit-​​Sounddesigns zäh­len Desert Pla­net der­weil aller­dings nicht unbe­dingt: Im Stu­dio wird das quä­kende Roh­ma­te­rial dann doch lie­ber mit Hard­ware aus dem Hause Apple veredelt…