2. Mai 2005
Desert Planet — „Mario Built My Hot Rod“
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell aus einer bescheidenen Gegenwart glorreiche Vergangenheit wird. Einfach gestrickt waren sie seinerzeit und vielleicht eben deshalb nach heutigem Dafürhalten, da alles immer schneller, größer, hyper sein muss, so unerreicht wunderschön, weil unübertroffen an schnörkelloser Schlichtheit. Okay, Auflösungen in Abgrundtiefen, dazu Muttern zur Weißglut treibende 8-Bit-Sounds — aber dafür von einer Sache jede Menge: Charme.
Was heute der Glaubenskrieg zwischen Macintosh-, Linux– und Windows-Usern, war einst eine überschaubare Angelegenheit der beiden Kontrahenten Amiga und dem letztlich trotz seiner Überlegenheit gescheiterten Atari ST. Die Commodore-Community der ersten Stunde schwor auf ihren C64, Newbees schätzten ihre Nintendo– und Sega-Handhelds wie –Konsolen. Und daher dürfte Desert Planets neue Elektro-Spacepunk-Scheibe „Mario Built My Hot Rod“ (9pm Records/Stupido Records/Wantok Music) mit ihrem verqueren Stilmix aus Disco-Trash und 8-Bit-Easy-Listening einmal mehr so ziemlich jede Spielergeneration in ein bittersüß-nostalgisches Retro-Wölkchen hüllen.
Und die Videospiel-Ästhetik zieht sich konsequent durchs vierte Album der beiden Finnen Jukka Tarkiainen und Jari Mikkola: Cover, Titel, Sound, als Bonus drei durche Videos („Return Of The Ninja Droids“, „Lost Galaxians“, „Asteroid Hopper“) und obendrein das schnuckelige Flash-Spielchen „Hot Rod Hit“. Spätestens da gedenken wir mit wohligem Frösteln der „Space Invaders“, „Asteroids“, „Pacman“, den „Mario Bros.“, „Sonic“ und was sich da sonst noch so alles im Laufe der Jahre in den Weiten des Arcade-Universums getummelt hat. Zu den uneingeschränkten Puristen des 8-Bit-Sounddesigns zählen Desert Planet derweil allerdings nicht unbedingt: Im Studio wird das quäkende Rohmaterial dann doch lieber mit Hardware aus dem Hause Apple veredelt…
