„Vor lan­ger Zeit in einer weit ent­fern­ten Gala­xie…“ So nahm 1977 alles sei­nen Anfang, der am Ende doch kei­ner war. Der „Krieg der Sterne“ heißt heuer „Epi­sode IV“ und als George Lucas Ende der 90er beginnt, seine Tri­lo­gie um eine wei­tere auf­zu­sto­cken, ist das Geze­ter groß. Eine sprich­wört­lich „Dunkle Bedro­hung“ sehen die „Star Wars“-Fana­ti­ker auf ihr Ding der Stunde zu kom­men: Viel Stern, wenig Krieg, statt des­sen Herz­schmerz und Polit-​​Geplänkel — und dann auch noch die Zumu­tung in CGI mit Namen Jar Jar Binks. Doch selbst die abhan­den gekom­mene Trash-​​Ästhetik und jah­re­lan­ger Merchandise-​​Terror konn­ten den Hype nicht vom Kurs abbrin­gen. Nun ist die größte Welt­raum­oper der Kino­ge­schichte vollendet.

Nach bei­nahe 30 Jah­ren des War­tens end­lich die Gewiss­heit. Ums „dass“ geht es schon lange nicht mehr, ums „wann“ nur kurze Zeit und jüngst sogar nur­mehr darum, „wie“ denn nun Obi-​​Wan Keno­bis (Ewan McG­re­gor) Pada­wan Ana­kin Sky­wal­ker (Hay­den Chris­ten­sen) jene ver­häng­nis­volle Ent­schei­dung tref­fen konnte, die ihn zur rech­ten Hand des Impe­ra­tors (Ian McDi­ar­mid) und zum gefürch­tets­ten Welt­rau­masth­ma­ti­ker aller Zei­ten macht.

Eine Frau ist des gro­ßen Übels kleine Ursache

„Furcht wird zu Hass, Hass führt zu gro­ßem Leid. Und ich spüre große Furcht in dir“, sah Jedi-​​Meister Yoda (Frank Oz) das Unheil kom­men und es hatte sich längst ange­deu­tet, dass — natür­lich — eine Frau des gro­ßen Übels kleine Ursa­che sein würde: Als Ana­kin vor die Wahl gestellt wird, seine große Liebe zu ver­lie­ren oder die Fähig­keit zu erlan­gen, sein deut­lich älte­res — wenn auch über die Epi­so­den so gut wie nicht geal­ter­tes — Mädel (Nata­lie Port­man) zu ret­ten, ver­fällt er der dunk­len Seite der Macht.

Son­der­lich viel mehr an Bedeut­sa­mem gibt der Hand­lungs­strang in „Epi­sode 3″ nicht her; mal abge­se­hen von den tra­gi­schen Gescheh­nis­sen, die dazu füh­ren, dass Darth Vader sein alber­nes Ganz­kör­per­blech samt Inha­lier­ge­rät am Leibe tra­gen muss. Um so erstaun­li­cher, dass es George Lucas trotz­dem gelingt, den Zuschauer ein­mal mehr über 140 Minu­ten mehr recht als schlecht bei der Stange zu halten.

Wenn­gleich auch die bei­den Vorgänger-​​Episoden kei­nes­wegs so unwür­dig sind, wie Aller­or­ten behaup­tet — irgend­et­was stimmt nicht mehr, ganz wie eine sanfte Erschüt­te­rung der Macht. Man ver­mag es nicht so recht in Worte zu fas­sen, doch viel­leicht ist einer der bei­den ent­schei­den­den Knack­punkte in der ach so impo­san­ten und zugleich auch so künstlich-​​sterilen Welt der Com­pu­ter­gra­fik zu suchen. Vor­bei war es ’99 mit der Trash-​​Ästhetik der eins­ti­gen Vorzeige-​​Trilogie — so die ein­hel­lige Mei­nung unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass Lucas‘ Spezialeffekt-​​Schmiede „Indus­trial Light & Magic“ schon Anfang der 80er mit der „Rück­kehr der Jedi-​​Ritter“ gezeigt hatte, was „State Of The Art“ in Sachen digi­ta­ler Trick­tech­nik ist.

Sim­pel wol­len wir die laser­tran­chierte Kino­kost ser­viert bekommen

Daran kann es also nicht lie­gen, jeden­falls nicht aus­schließ­lich. Nein, viel nerv­tö­ten­der ist doch das unaus­ge­go­rene und undurch­schau­bare poli­ti­sche Kud­del­mud­del, wel­ches mit „Epi­sode 1″ sei­nen läs­ti­gen Lauf genom­men hat: Repu­blik, Senat, Handels-​​Föderation, Sepa­ra­tis­ten, Kanz­ler und Prin­zes­sin — ein schlei­er­haf­tes grau in grau. Dabei wol­len wir die laser­tran­chierte Kino­kost sim­pel ser­viert bekom­men: Impe­rium gegen Rebel­len, hier schwarz, weiß dort. Aber ist es nicht viel­leicht doch der fal­sche Ansatz, die erste über­haupt mit der zwei­ten Tri­lo­gie mes­sen zu wollen?

Fin­det man sich mit dem Polit-​​Chaos ab, sind die viel Geschol­te­nen im Gan­zen betrach­tet näm­lich eine durch­aus runde Sache. Geschickt ver­webt Lucas nun im Finale die Jahr­zehnte und ent­lässt den Zuschauer mit einem gelun­ge­nen Brü­cken­schlag zurück in die Zukunft: Er rot­tet die Jedi nahezu aus, lässt Ana­kin und Obi-​​Wan auf dem Vul­kan ihr vor­letz­tes Duell fech­ten, schickt Yoda in die Sümpfe Dago­bahs wäh­rend der Todes­stern erste Kon­tu­ren annimmt, führt bedeut­same Cha­rak­tere wie den Woo­kie Che­w­bacca (Peter May­hew) oder natür­lich die Zwil­linge Leia und Luke ein und ent­fernt unbe­deu­ten­dere wie den in jeder­lei Hin­sicht blut­ar­men Jar Jar Binks ohne gro­ßes Auf­se­hen aus dem Plot.

Nach­dem des­sen Prä­senz auf­grund der hef­ti­gen Fan-​​Proteste schon in der zwei­ten Epi­sode auf ein Mini­mum her­un­ter­ge­schnit­ten wurde, musste er in „Die Rache der Sith“ wohl gelo­ben: „Michse sehn Zuschauer keine fünf Sekun­den.“ Und bei einer Beer­di­gung wird gott­lob auch in Gungens-​​Kreisen nicht son­der­lich viel gespro­chen… Für Slapstick-​​Einlagen sind dies­mal aus­schließ­lich R2-​​D2 und C-​​3PO (in Per­son von „Star Wars“-Urgestein Anthony Dani­els) zuständig.

Nicht zuletzt des­halb kann die Fan­ge­meinde nach zwei unbe­frie­di­gen­den Anläu­fen und trotz aber­mals eher spär­li­cher Welt­raum­schlach­ten halb­wegs ver­söhnt aus der semi­fi­na­len „Star Wars“-Messe gehen — und des Ende Anfang der größ­ten Welt­ra­um­saga ever wird George Lucas ein letz­tes Mal das Säckel mit gül­de­nen Stern­ta­lern füllen.