„Brichst Du mir das Herz, dann brech‘ ich Dir die Beine!“ So das unmiss­ver­ständ­li­che Gelöb­nis eines gewis­sen Oli­ver Marc Schulz vor gut zwei Jah­ren. Dabei sieht der doch eigent­lich ganz dufte aus und wer sei­ner­zeit ein Ohr ris­kiert hat, durfte fest­stel­len, dass der „Ham­bu­acha Jung“ eigent­lich sogar ein ganz wit­zi­ger Zeit­ge­nosse ist. 2005 ist Schluss mit lus­tig. Olli Schulz und sein Hund Marie haben mit dem pophis­to­risch ange­hauch­ten Titel „Das beige Album“ (Grand Hotel van Cleef/​Indigo) die Spaß­bremse gezogen.

Nicht nur zah­len­mä­ßig von zwei auf vier gewach­sen — und nach wie vor wer hätt’s gedacht beglei­tet vom kon­ge­nia­len Max Schrö­der alias Hund Marie — bus­selt fortan sanfte Tra­gik aus den Boxen. Was auf dem 2003er GHvC-​​Debüt mehr als nur viel­ver­spre­chend seine Anfänge nahm, gip­felt damit vor­erst in herr­li­chem Indie-​​Pop mit über alle Maßen hüb­schem Song­wri­t­ing! Die vor weni­gen Tagen eben­falls beim Grand Hotel erschie­nene Single-​​Auskopplung „Jetzt gerade bist du gut“ (mit gleich­na­mi­ger Up-​​Tempo-​​Nummer und bis dato unver­öf­fent­lich­ten Songs wie „Ölmann“ oder „Back­stage Baby“ und dem Video­clip zu „Die Ankunft der Mar­sia­ner“ beim Country-​​Festival in Hamburg-​​Horn) sagt schon alles über den zuge­hö­ri­gen Longplayer — oder ums vorab zusam­men­fas­send ein­mal mit dem rhe­to­ri­schen Stan­dard­satz eines wasch­ech­ten Han­sea­ten zu ver­su­chen: „Wie geil ist das denn?!“

Musste Schul­zes Wau­wau auf „Brichst Du mir das Herz, dann brech‘ ich Dir die Beine!“ noch eher den instru­men­tel­len Zuar­bei­ter abge­ben, wächst das Duo (wel­ches unter ande­rem dank wei­te­rer Tomte-​​Verstärkung am Bass in Per­son von Den­nis Becker die meiste Zeit kei­nes mehr ist) musi­ka­lisch mehr und mehr zusam­men, klin­gen die neuen Stü­cke trotz sol­cher Meß­lat­ten wie „Der Moment“, dem „Song ohne Grund“, „Rock ‚n‘ Roll Life­style“, „Unten mit dem King“ oder „Durch die Nacht“ noch ein Ticken run­der, gereif­ter, weil etwas weni­ger sper­rig; aufs Album gese­hen ist ein­fach (noch) mehr (text­li­che) Sub­stanz da. Füll­stoff fast Fehlanzeige.

Vor­nehm­lich der Lyrik wegen klingt das aktu­elle Album hier und da aber auch etwas erns­ter und weni­ger offensichtlich-​​direkt als noch sein Vor­gän­ger. Iro­nie dul­det unver­se­hens Melan­cho­lie als gleich­be­rech­tig­ten Neben­buh­ler, machen lockere Sprü­che im Gegen­zug auch mal der Herz­lich­keit Platz, hält man sich mit Zoten bis auf den Trep­pen­witz vom „Aller­letz­ten Date“ und dem ner­vi­gen Hidden-​​Track auf „Klappskalli“ merk­lich zurück. Und doch ist auch „Das beige Album“ durch­weg geprägt von den schrul­li­gen All­tagsan­ek­do­ten und Betrach­tun­gen aus die­sem wun­der­ba­ren ganz eige­nen Schulz’schen Blickwinkel.

Wenn­gleich die wah­ren Poeten-​​Pointen gar nicht sel­ten nicht etwa in den Songs selbst ste­cken, son­dern erst in Kom­bi­na­tion mit den zuge­hö­ri­gen Sto­ries ihre wahre Pracht ent­fal­ten kön­nen. Die gan­zen Geschich­ten gibt’s aller­dings nur live gebo­ten und je nach Gemüts­lage soll ein Olli Schulz ja auch schon mal mehr gere­det als musi­ziert haben.

Soll er ruhig. Denn in bei­den Fäl­len ist es schlicht eine Freude ihn anzu­hö­ren! Tra­gik küsst Komik von Lied zu Spruch, von Leid zu Freud: Da macht er auf Dauerdruffi-​​Beach Boy Brian Wil­son und erfin­det sich mal eben sei­nen eige­nen Super­hel­den namens „Bett­mensch“; schmeißt das lei­dige „Spooky Girl­fri­end“ raus aus sei­nem Kopf; stimmt eine flotte, coun­tryeske Power-​​Ballade auf „Die Ankunft der Mar­sia­ner“ an oder besei­ert sich wie­derum selbst­iro­nisch mit sei­nem zuge­hö­ri­gen wun­der­ba­ren ganz eige­nen Schulz’schen Humor als „Human Of The Week“. Dann schlägt dein Herz! Autsch! Die­ses ver­ma­le­deite „Beige Album“ hat’s uns end­gül­tig gebro­chen und wie du mir, so ich dir. Also, Obacht: Ob mit oder ohne Hund an dei­ner Seite — nimm dich fortan fein in Acht, liebs­ter Olli!