Karls­ruhe — Jeder redet vom Artist Deve­l­o­pe­ment, aber kei­ner macht’s. Kei­ner? Nicht ganz. Im beschau­li­chen Dur­lach hat sich das Bon­go­star Col­lege Of Music And Enter­tain­ment auf­ge­macht, jun­gen Gesangs­ta­len­ten eine echte Chance zu geben. „Eigent­lich wäre die Talent-​​Sichtung Auf­gabe der gro­ßen Labels, aber die wol­len und kön­nen das heute nicht mehr leis­ten. Dabei haben viele junge Leute das Poten­tial zu einer Kar­riere im Musik­busi­ness, schei­tern aber am man­geln­den Kon­zept und feh­len­der Förderung.“

Rein­hard Neroth muss es wis­sen, schließ­lich kennt er sich bes­tens aus im Biz, kann auf eine annä­hernd 20-​​jährige Kar­riere als Mana­ger und Agent zurück­bli­cken, hat in die­ser Zeit Grup­pen wie Cul­ture Beat, Oomph oder Fools Gar­den betreut.

Die „Dur­la­cher Schule“: Alles aus einer Hand

Markt­lü­cke erkannt. Und die Abhilfe? Ein Netz­werk aus Manage­ment, Pro­duk­tion und Boo­king; alles aus einer Hand. So tat er sich mit dem Musi­ker Andreas Leh­nert zusam­men, der bereits mit solch nam­haf­ten Künst­lern wie Laith Al-​​Deen, Sasha, Tho­mas D, Die Happy-​​Frontfrau Marta Jan­dová oder Patrice auf der Bühne stand — und nicht zuletzt vie­len „Fest“-Gän­gern als Saiten-​​Meister von „Spi­rit Of The Greedy Bunch“ ein Begriff sein dürfte.

Rein­hard Neroths Kon­zert­agen­tur Medusa, Leh­nerts Pro­duk­ti­ons­firma Luna­tic Media und dazu der gemein­same Ver­lag Lamar, das ganze ver­eint unter dem Label Bon­go­star in der Dur­la­cher Raum­fa­brik — fer­tig war das Music Col­lege. „Ein­zig­ar­tig in Deutsch­land,“ wie Geschäfts­füh­rer Neroth unter­streicht. Mitt­ler­weile betreut man im so genann­ten Talent Pool zusam­men mit Pro­fi­mu­si­kern, Foto­gra­fen, Desi­gnern, Video­pro­du­zen­ten und PR-​​Fachleuten 43 junge Künst­ler aus Karls­ruhe und Umge­bung, macht sie fit für eine Kar­riere im Musikbusiness.

„Unser Ziel ist der lang­jäh­rige Album– und Live-​​Erfolg“

Im Gegen­satz zu den unzäh­li­gen TV-​​Casting-​​Shows will Bon­go­star jedoch in ers­ter Linie den indi­vi­du­el­len Künst­ler för­dern: „Die TV-​​Shows bedie­nen aus­schließ­lich den aus­tausch­ba­ren Standard-​​Pop. Bei uns gilt jedoch das Credo ‚Je aus­ge­fal­le­ner, desto bes­ser!‘.“ Und daher bekommt die „DSDS“-befleckte Etti­kette „Pop“ kur­zer­hand ein „New“ vor­an­ge­stellt: „Was wir am wenigs­ten machen ist näm­lich die­ser Pop-​​Sound im Stile der No Angels. Viele unse­rer Schü­ler gehen in die Singer/​Songwriter-​​Ecke, auch Punk hat sei­nen Platz.“

Und noch einen gewich­ti­gen Unter­schied gibt es zu den sin­gen­den Geld­ma­schi­nen des Casting-​​Zeitalters: „Unser Ziel ist nicht etwa der kurz­fris­tige Single-​​Hit, son­dern der lang­jäh­rige Album– und Live-​​Erfolg“, fasst Neroth den Ansatz der „Dur­la­cher Schule“ zusammen.

Jetzt wird’s ernst: Die „Talent Nights“

Ganz neu ist die zwar nicht, aber erprobt. Nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild fin­det die Aus­bil­dung in jeweils zehn­wö­chi­gen Blö­cken statt, unter­rich­tet wird zwi­schen ein– und drei­mal die Woche. Und der Stun­den­plan ist üppig: Gesangs– und Instrumental-​​Unterricht, Bühnen-​​Show, Studio-​​Recording oder Medien– und Per­for­mance­trai­ning für Foto– und Video­shoo­tings — die Talente wer­den in allen denk­ba­ren Spar­ten geschult.

Das besor­gen büh­nen­er­fah­rene Dozen­ten, unter ihnen Musi­ker wie Sonja Wie­gand, Jus­tin Nova oder Three­sty­ler Umbo. Dabei wird ledig­lich der Gesangs­un­ter­richt berech­net, das übrige Coa­ching ist im Ausbildungs-​​Paket inbe­grif­fen. „Wir sind sozu­sa­gen zum Erfolg ver­dammt“, schmun­zelt Neroth.

Vor dem Film ist nach dem Gig

Und der lässt denn auch nicht lange auf sich war­ten: „Im Okto­ber 2004 habe ich beim Ett­lin­ger ‚Talent Con­test‘ ein Coa­ching gewon­nen — und jetzt pro­du­ziere ich bereits mein eige­nes Album!“, strahlt die 17-​​jährige Bongostar-​​Schülerin Sas­kia Kast. Beson­ders stolz ist die junge Sän­ge­rin dar­auf, dass sie fünf Songs des Albums selbst geschrie­ben hat. Nicht von unge­fähr, denn auch das Kom­po­nie­ren eige­ner Stü­cke ist den bei­den Machern ein gro­ßes Anlie­gen: „Fast alle unsere New Pop Talents schrei­ben an eige­nen Nummern.“

Um dem Nach­wuchs auf dem Weg nach oben die nötige Pra­xis zu ver­schaf­fen, wer­den in der gesam­ten Region die so genann­ten „Talent Nights“ ver­an­stal­tet — wie etwa die­ser Tage bei den „Open Air-​​Kino-​​Nächten am Schloss Got­te­saue“. Hier bekom­men die jun­gen Künst­ler die Mög­lich­keit, sich live vor Publi­kum zu prä­sen­tie­ren. Viel­leicht auch schon bald regel­mä­ßig in Karls­ruhe: „Wir den­ken über eine feste Ein­rich­tung nach, also eine Art ‚Club­night‘, wo unsere bes­ten Talente ein­mal im Monat ihren gro­ßen Auf­tritt haben“, skiz­ziert Neroth die Pla­nung um seine New Pop Talents.

Doch bei Solo-​​Künstlern soll es nicht blei­ben: „Wir wol­len unsere Aus­bil­dung lang­fris­tig auch auf Instru­men­ta­lis­ten aus­deh­nen“, berich­tet Neroth. „Aktu­ell cas­ten wir gerade an einer fes­ten Band für Sas­kia. Wer Inter­esse hat, kann sich für Band-​​Projekt wie Talent Pool über unsere Web­site bewer­ben.“ Und zei­gen, dass er das Rüst­zeug hat, um in gar nicht fer­ner Zukunft weit mehr zu sein als ein Bongostar.