„Schon wie­der ein Boomhauer-​​Album? Oje, och nö, da haben wir doch keine pas­sende Schub­lade zu…“ Jaja, dem Kri­ti­ker steht der Angst­schweiß auf der Stirn, wenn die Drei aus Turku ihren ver­que­ren Stil­mix aus Garage-​​Rock, Punk, Coun­try und Rock ‚n‘ Roll in die Sai­ten hauen. Und jetzt wird’s auf dem Neu­ling „Me Think OK!“ (Tug Records/​Stu­pido Records) auch noch zuneh­mend balladesk.

Zügel­lose Spiel­freude, ein knallig-​​schräger Mix irgendwo zwi­schen Jon Spen­cer und den White Stri­pes, keine Rück­sicht auf Kon­ven­tio­nen, der Stil­bruch als Stil­mit­tel, schnell rein und noch schnel­ler wie­der raus. So ver­nah­men wir’s Anfang 2004 auf „Wild Human Con­di­tion“. Da fetz­ten Boom­hauer 16 Stü­cke in knapp 30 Minu­ten her­un­ter und heuer sind für 17 Tracks nur 412 Sekun­den mehr ver­an­schlagt. Bei die­sen Dimen­sio­nen darf man ruhig mal Pedant sein.

Stil­voll sof­tes Song­wri­t­ing statt gän­gi­ger Garage-​​Rock-​​Schmeta…

Der Spencer-​​Touch aller­dings ist auf „Me Think OK!“ ein wenig gewi­chen. Man beharrt nicht mehr län­ger aus­nahms­los auf die gän­gi­gen Garage-​​Rock-​​Schmeta, was den Boom­hau­ers aller­dings nur aufs Gesamt­werk bei­der Plat­ten gese­hen wirk­lich zu mehr Abwechs­lung ver­hilft: Die anar­chi­schen Rock­in­ter­pre­ta­tio­nen neh­men sich dies­mal näm­lich fast durch­weg sehr viel sanf­ter aus als noch auf dem Debüt.

Sel­ten geht es so strai­ght und rotzig-​​frech nach vorn wie bei „Good Hunch“, einem der bes­ten Songs des neuen Albums nach alt­be­währ­ter Mach­art. Nein, Bomm­hauer haben ganz offen­bar die Vor­züge der Gedie­gen­heit erkannt: Mit „Where You Belong“, „This Town Means Well“, „Let Your Tears Roll“, „Lake Nor­man“ oder „Come Clo­ser“ beweist Band­kopf Saku Krap­pala ech­tes Händ­chen und Köpf­chen für stil­voll sof­tes Songwriting!

Lei­der beschränkt man sich — Stil­mit­tel hin oder her — mit einer durch­schnitt­li­chen Lied­länge von sage und schreibe 1:92 Minu­ten erneut völ­lig unnö­tig selbst: Schnell rein und noch schnel­ler wie­der raus. Schon wie­der. Das funk­tio­niert zwar auch auf „Me Think OK!“ ab und an her­vor­ra­gend, doch gar nicht sel­ten bleibt’s bei Halb­ga­rem; schlicht zu viel Stil für zu wenig Zeit, die Songs wir­ken auf selt­same Art unvoll­en­det (wie beim coun­tryes­ken „Load Of Trou­bles II“) und frag­ment­haft („Up On The Roof“, „Yeah Baby“).

…aber ab und an doch zu viel Stil für zu wenig Zeit

Stro­phe? Refrain? Unschlüs­sig wo ers­te­res anfängt und zwei­te­res auf­hört zeigt sich noch der Herr Hörer, da kommt schon die nächste Num­mer her­an­ge­wir­belt respek­tive –gesäu­selt. Und im ste­ten Lech­zen nach mehr fühlt er sich im tiefs­ten Innern wie ein klei­ner Bub, dem Papa nach andert­halb Run­den durchs Rattan-​​Mobiliar ohne Begrün­dung das Bobby-​​Car beschlag­nahmt; ist doch das nahezu durch­weg unein­ge­schränkt zu attes­tie­rende Hör­ver­gnü­gen — lässt man die bei­den ein­zi­gen Vier­mi­nü­ter „This Town Means Well“ und „Come Clo­ser“ ein­mal außen vor — oft dort schon wie­der vor­bei, wo manch andere Band gerade das Intro hin­ter sich gebracht hat. Viel zu früh.

Das fast zwangs­läu­fige Ergeb­nis sind ein­mal mehr viele Stü­cke, die ent­we­der im anspruchs­vol­len Ansatz ver­har­ren und bes­ten­falls noch auf der Hälfte des Weges ste­hen blei­ben. „Huch! ‚Erneut‘ — ‚schon wie­der‘ — ‚ein­mal mehr‘? Moment­chen, hat­ten wir da nicht noch irgendwo ein Schubfach…?!“