13. Juli 2005
Boomhauer — „Me Think OK!“
„Schon wieder ein Boomhauer-Album? Oje, och nö, da haben wir doch keine passende Schublade zu…“ Jaja, dem Kritiker steht der Angstschweiß auf der Stirn, wenn die Drei aus Turku ihren verqueren Stilmix aus Garage-Rock, Punk, Country und Rock ‚n’ Roll in die Saiten hauen. Und jetzt wird’s auf dem Neuling „Me Think OK!“ (Tug Records/Stupido Records) auch noch zunehmend balladesk.
Zügellose Spielfreude, ein knallig-schräger Mix irgendwo zwischen Jon Spencer und den White Stripes, keine Rücksicht auf Konventionen, der Stilbruch als Stilmittel, schnell rein und noch schneller wieder raus. So vernahmen wir’s Anfang 2004 auf „Wild Human Condition“. Da fetzten Boomhauer 16 Stücke in knapp 30 Minuten herunter und heuer sind für 17 Tracks nur 412 Sekunden mehr veranschlagt. Bei diesen Dimensionen darf man ruhig mal Pedant sein.
Stilvoll softes Songwriting statt gängiger Garage-Rock-Schmeta…
Der Spencer-Touch allerdings ist auf „Me Think OK!“ ein wenig gewichen. Man beharrt nicht mehr länger ausnahmslos auf die gängigen Garage-Rock-Schmeta, was den Boomhauers allerdings nur aufs Gesamtwerk beider Platten gesehen wirklich zu mehr Abwechslung verhilft: Die anarchischen Rockinterpretationen nehmen sich diesmal nämlich fast durchweg sehr viel sanfter aus als noch auf dem Debüt.
Selten geht es so straight und rotzig-frech nach vorn wie bei „Good Hunch“, einem der besten Songs des neuen Albums nach altbewährter Machart. Nein, Bommhauer haben ganz offenbar die Vorzüge der Gediegenheit erkannt: Mit „Where You Belong“, „This Town Means Well“, „Let Your Tears Roll“, „Lake Norman“ oder „Come Closer“ beweist Bandkopf Saku Krappala echtes Händchen und Köpfchen für stilvoll softes Songwriting!
Leider beschränkt man sich — Stilmittel hin oder her — mit einer durchschnittlichen Liedlänge von sage und schreibe 1:92 Minuten erneut völlig unnötig selbst: Schnell rein und noch schneller wieder raus. Schon wieder. Das funktioniert zwar auch auf „Me Think OK!“ ab und an hervorragend, doch gar nicht selten bleibt’s bei Halbgarem; schlicht zu viel Stil für zu wenig Zeit, die Songs wirken auf seltsame Art unvollendet (wie beim countryesken „Load Of Troubles II“) und fragmenthaft („Up On The Roof“, „Yeah Baby“).
…aber ab und an doch zu viel Stil für zu wenig Zeit
Strophe? Refrain? Unschlüssig wo ersteres anfängt und zweiteres aufhört zeigt sich noch der Herr Hörer, da kommt schon die nächste Nummer herangewirbelt respektive –gesäuselt. Und im steten Lechzen nach mehr fühlt er sich im tiefsten Innern wie ein kleiner Bub, dem Papa nach anderthalb Runden durchs Rattan-Mobiliar ohne Begründung das Bobby-Car beschlagnahmt; ist doch das nahezu durchweg uneingeschränkt zu attestierende Hörvergnügen — lässt man die beiden einzigen Vierminüter „This Town Means Well“ und „Come Closer“ einmal außen vor — oft dort schon wieder vorbei, wo manch andere Band gerade das Intro hinter sich gebracht hat. Viel zu früh.
Das fast zwangsläufige Ergebnis sind einmal mehr viele Stücke, die entweder im anspruchsvollen Ansatz verharren und bestenfalls noch auf der Hälfte des Weges stehen bleiben. „Huch! ‚Erneut’ — ‚schon wieder’ — ‚einmal mehr’? Momentchen, hatten wir da nicht noch irgendwo ein Schubfach…?!“
