Karls­ruhe — Stan­des­ge­mäß wurd’s am „Fest“-Sams­tag nach einem doch mäßi­gen Musikbühnen-​​Auftakt: Es ward Juli vor dem Hügel, die „Klotze“ zum Bers­ten gefüllt und sogar das „Expe­ri­ment Wit­hin Temp­ta­tion“ — wie Orga­ni­sa­tor Rolf Fluh­rer es so hübsch beti­telt — gelingt.

Was wurde da nicht alles befürch­tet im Vor­feld. Die Teenie-​​Invasion sah so man­cher über die Günther-​​Klotz-​​Anlage her­ein­bre­chen und mit ihr Heer­scha­ren voll­trun­ke­ner Bäl­ger, die den teil­weise sehr rüpel­haf­ten Wir sind Helden-​​Tross aus dem ver­gan­ge­nen Jahr wie eine harm­lose Jungschar-​​Versammlung aus­sä­hen lie­ßen. Nichts der­glei­chen ist pas­siert. „Es war ein klas­si­sches ‚Fest‘-Publikum anwe­send, alles ver­lief sehr fried­lich“, resü­miert Fluh­rer sicht­lich zufrie­den und erleich­tert den Sams­tag­abend. Die Poli­zei schätzt, dass etwa 60.000 den Auf­tritt von Juli ver­folgt haben. Und die waren begeis­tert: „Ich habe sel­ten erlebt, dass eine deut­sche Band von Jung und Alt hier so beju­belt wor­den ist“, freut sich der Festival-​​Organisator.

Casting-​​Vorwürfe hin und Nei­der her. Von eng­li­schen Lyrics auf deut­sche Texte umge­schwenkt, um mit dem Debüt „Es ist Juli“ ganz oben auf dem Kamm der Deutschrock­welle mit­zu­sur­fen — vie­les musste sich das Gie­ße­ner Quin­tett jüngst vor­wer­fen las­sen. Doch ganz anders als die „Ori­gi­nale“ Money­bro­ther und Ampa­ra­noia erreich­ten Juli ihr Publikum.

Vor weni­gen Mona­ten noch von vie­len Radio­sta­tio­nen aus schein­hei­li­gen Pie­täts­grün­den zeit­weise geäch­tet, schwappt „Die per­fekte Welle“ im wahrs­ten Sinne über den Hügel und das gleich zwei­mal. Da tut es der Stim­mung denn auch kei­nen Abbruch, dass nach „Geile Zeit“ und „Warum“ vie­len Zuhö­rern so man­ches noch viel spa­ni­scher anmu­tete als tags zuvor.

So gedie­gen es dort am Frei­tag­abend zur Sache ging, so ver­zer­rerver­stärkt sollte es an die­sem Sams­tag wei­ter­ge­hen. Uneins waren sich die bei­den Top-​​Act-​​Booker Man­fred Goos und Rolf Fluh­rer, ob eine Band wie Wit­hin Temp­ta­tion aufs „Fest“ passt. Fluh­rer hat sich durch­ge­setzt. Und sollte Recht behalten.

Denn sur­prise sur­prise: Die Gothik-​​Rocker aus Hol­land sto­ßen kei­nes­wegs auf taube Ohren; und haben oben­drein auch fürs Auge eini­ges zu bie­ten: Mys­tisch deko­rierte Musik­bühne mit Video­lein­wand, eine Pyro­show, wie sie das „Fest“ wohl sel­ten erlebt hat — und natür­lich der Blick­fang an vor­ders­ter Front: Sharon den Adel in einem pom­pö­sen Stück aus „Ganz in Weiß“.

Einem MTV-​​Clip gleich zim­mert Lebens­ab­schnitts­ge­fährte Robert West­er­holt unter­stützt von Ruud Jolie seine düster-​​melancholischen „Silent Force“-Riffs, immer wie­der durch­sto­ßen vom alles­durch­drin­gen­den Engels­or­gan, sofern Sharon den Adel nicht gerade das eben­höl­zern­far­bene Haar auf und nie­der schüttelt.

Die Teenie-​​Invasion — oder zumin­dest ihre nega­ti­ven Begleit­er­schei­nun­gen — blie­ben zwar aus, doch mag es nicht zuletzt an Wit­hin Temp­ta­tion und ihrem Runen-​​Faible lie­gen, dass sich neben eini­gen Schwarz­kut­ten­trä­gern auch auf­fäl­lig viel brau­nes Fuß­volk in der „Klotze“ tummelt.

Doch es bleibt größ­ten­teils ruhig. Über­haupt kön­nen die „Fest“-Macher mit dem zwei­ten Tag voll und ganz zufrie­den sein: Das erklärte Ziel, ver­bes­serte Qua­li­tät auch beim Thema Sicher­heit zu bie­ten, indem links und rechts der Haupt­bühne sämt­li­che Stände ent­fernt wur­den, sorgt zumin­dest vor dem ganz gro­ßen Ansturm für die erhoffte Ent­zer­rung; auch in puncto ver­mehrte Prä­senz uni­for­mier­ter Beam­ter sehen die Macher ihr Ansin­nen erreicht — sogar Die­ter Behnle, Lei­ter des Amtes Bür­ger­ser­vice und Sicher­heit, sparte nicht des Lobes. Präch­ti­ges Wet­ter gab’s oben­drein und so froh­lockt auch der Stadtjugendausschuss-​​Vorsitzende Chris­tian Klin­ger „über den bes­ten Tages­um­satz seit ich zurück­den­ken kann“. Wir hal­ten aber­mals „Fest“: Alles wie­der standesgemäß.