4. August 2005

Herbie Fully Loaded

„Soll ich dir sagen, wor­auf es bei einem Wagen ankommt? Sie bauen Zehn­tau­sende, einer sieht genau aus wie der andere. Und doch sind ein oder zwei dar­un­ter, die etwas Beson­de­res haben. Und kei­ner weiß, warum.“ Nur ganz all­mäh­lich konnte sich Renn­fah­rer Jim Dou­glas (Dean Jones) vor 37 Jah­ren mit dem Gedan­ken anfreun­den, dass sein „Tol­ler Käfer“ sogar etwas völ­lig Ein­zig­ar­ti­ges sein könnte.

Der zuvor Glück­lose eilt mit einem Mal von Sieg zu Sieg und sein Mecha­ni­ker Teddy (Buddy Hackett) tauft das Wunder-​​Auto kur­zer­hand nach sei­nem boxen­den Onkel Her­bert, des­sen Nase sich im Laufe der Mittelgewichts-​​Karriere immer mehr und mehr ver­formt hat. Bis sie fast so aus­sah wie die mar­kante Schnauze des Volks­wa­gens. Mit dem Sieg beim „Gro­ßen Preis von El Dorado“ und dem Tri­umph über Schuft Peter Thorn­dyke (David Tom­lin­son) und sei­nen Hel­fers­hel­fer Hafer­stroh (Joe Flynn) begann sei­ner­zeit der Käfer-​​Kinokult.

Nach den drei Fort­set­zun­gen „Her­bie groß in Fahrt“ (1974), „Ein tol­ler Käfer in der Ral­lye Monte Carlo“ (1977) und „Her­bie dreht durch“ (1980) bekommt der „Love Bug“ nun ein wei­te­res Tuning ver­passt, darf „Fully Loa­ded“ seine Run­den im Kino­saal dre­hen. Rennfahrer-​​Sprössling Mag­gie Pey­ton — gespielt von Lind­say Lohan, die vor knapp zwei Jah­ren mit „Fre­aky Fri­day“ schon ein­mal für wie­der­auf­ge­wärm­ten Disney-​​Stoff vor der Kamera stand — fin­det Her­bie auf dem Schrottplatz.

Nichts ahnend hatte sie ihr Paps (Michael Kea­ton) dort hin­ge­führt, um sei­ner Toch­ter ein auto­mo­bi­les Prä­sent fürs bestan­dene Stu­dium zu machen. Obwohl oder bes­ser gerade weil er Team­chef eines Renn­stalls ist, wollte Pey­ton Senior seine Toch­ter aller­dings nie mehr auf der Piste sehen müs­sen. Doch die merkt recht schnell, was wirk­lich unter Her­bies Haube steckt und träumt davon, mit der 53 Num­mer eins beim Nascar-​​Race zu werden.

Nicht nur weil sich heuer Lind­says zarte Fin­ger­chen ums VW-​​Lenkrad schlie­ßen, ist Her­bie dies­mal fest in Frau­en­hand: Angela Robin­son führte Regie im fünf­ten Teil der Rennfahrer-​​Komödie, die wie zu erwar­ten lei­der nicht über ein nett gemach­tes, wenn auch (über-)zeitgemäßes Remake von Robert Ste­ven­sons „The Love Bug — Ein tol­ler Käfer“ hin­aus­kommt. Frau trifft Auto; Auto ist beson­ders; Frau will’s nicht wahr­ha­ben; Auto ist belei­digt und will ster­ben; Frau besinnt sich eines Bes­se­ren; Frau und Auto gewin­nen Ren­nen. Das hat­ten wir alles schon mal.

Vor­nehm­lich dank sehr spar­sam ein­ge­setz­ter Spe­cial Effects und oben­drein der Anzie­hungs­kraft einer Lind­say Lohan konnte sich die — sieht man ein­mal von Her­bies Liai­son mit Mrs. Beetle ab — an wirk­li­chen Über­ra­schun­gen arme Neu­auf­lage zwar ver­gleichs­weise viel des kindlich-​​liebevollen Flairs der Disney-​​Produktion von einst bewah­ren. Doch eben nicht alles. Denn ganz gleich, ob der noch tol­lere Käfer nun blin­zeln oder die Stoß­stan­gen­mund­win­kel bewe­gen kann — die bes­se­ren wie die schlech­te­ren Herbie-​​Filme leb­ten immer auch von ihren Böse­wich­tern. Und die blei­ben anno 2005 doch arg handzahm.

Der Jugend­wahn macht ganz offen­sicht­lich auch vor einem Klas­si­ker wie Her­bie nicht halt und Milch­bubi Trip Mur­phy (Matt Dil­lon) ist nun mal kein schänd­li­cher Schurke der Marke Peter Thorn­dyke oder Alonzo Hawk. Gott­lob weiß Frau Robin­son wenigs­tens was sich gehört und folg­lich wird im ers­ten Film­drit­tel einige Male in Wort, Musik und Bild aus den Vor­gän­gern zitiert. So kann „Her­bie Fully Loa­ded“ wäh­rend sei­ner 102 Minu­ten ohne viel Zutun reich­lich vom nost­al­gi­schen Spi­rit des Ori­gi­nals zeh­ren, der gera­dezu omni­prä­sent den Kino­saal einnebelt.

Soll ich dir zur Abwechs­lung mal sagen, wor­auf es bei einem Film ankommt? Sie dre­hen Zehn­tau­sende, und oft sieht einer genau aus wie der andere. Und doch sind immer mal wie­der ein oder zwei dar­un­ter, die etwas Beson­de­res haben. „The Love Bug“ aus dem Jahr 1968 war so einer.