11. August 2005
Sin City
„An Old Man Dies. Young Girl Lives. Fair Trade.“ Dünn sind sie gesät, die richtig guten T-Shirt-Sprüche; im Kino erst recht. Die Comic-Verfilmung „Sin City“ hält nun wieder einen eben solchen parat. Und noch weit mehr als das. Basierend auf den gleichnamigen Graphic Novels schuf Regie-Desperado Robert Rodriguez ein Drei-Episoden-Action-Drama, wie es ohne Übertreibung bis dato noch kein vergleichbares gegeben hat.
Lange schon nennt niemand mehr Basin City noch bei seinem richtigen Namen. Schlicht Sin City schimpft sich dieser Hort der Hoffnungslosen, in dem die Grenzen zwischen Helden und Bösewichtern längst verschwommen sind. Korrupte Cops, Femmes brutales, gebrochene Outlaws — keiner der Einwohner ist ohne Schuld. Die einen sollen für ihre Taten sühnen, der nächste übt höchstselbst den blutigen Racheakt, wieder anderen dürstet es schlicht nach Erlösung. Und dann gibt es noch solche, die ein bisschen was von beidem haben wollen — kurz: ein schräges Universum voller zögerlicher Helden, die immer noch das Richtige tun wollen, obwohl es der Stadt längst vollkommen gleich ist.
Ihre Geschichten stehen im Mittelpunkt des neuen Films — oder benutzt man besser an dieser Stelle ein einz’ges Mal den seltenst zutreffenden aber um so öfter bemühten Superlativ „Meisterwerk“ — von Robert Rodriguez. Comic-Zeichner Frank Miller hat die Zustimmung, die Episoden „Stadt ohne Gnade“, „Dieser feige Bastard“ und „Das große Sterben“ aus seinem „Sin City“-Geschichtenzyklus zu verfilmen, mit der Bedingung verknüpft, als Co-Regisseur fungieren zu dürfen. Und Rodriguez ließ ihn gewähren — gemeinsam mit Gast-Anweiser Quentin Tarantino, der für eine Szene auf dem Stuhl der Stühle Platz nahm. Ein Film-Projekt, drei Regisseure. Breaking The Hollywood-Law. And Who Cares?!
Die Einstellungen jedenfalls präsentieren sich nahezu durchweg als seien sie unmittelbar den Seiten der Comic-Bücher entsprungen: Ohne den Charakter des gezeichneten Originals mit seinen scharf umrissenen Silhouetten, Stakkato-Rhythmen und der zügellosen Gewalt aufzugeben, fügen sich die drei urbanen Balladen über Bösewichte, Helden und Huren auf der Leinwand wieder zusammen; in Szene gesetzt mit modernster digitaler Tricktechnologie. Und nicht zuletzt deswegen ist das Ergebnis sogar ein potenziertes Vielfaches der Summe seiner Teile.
Da verblasst selbst die ausnahmslos vor dem Blue Screen agierende Stablist mit Bruce Willis, Jessica Alba, Mickey Rourke, Clive Owen, Michael Madsen, Josh Hartnett, Michael Clarke Duncan, Elijah Wood und Benicio Del Toro ob des (über-)wuchtigen Ganzen. Durchgehend im stilvollen Schwarzweiß-Look gehalten, hier und da mit fast schon expressionistisch anmutenden Farbtupfern verziert, präsentiert sich diese fantastische Hommage an die Krimis der Schwarzen Serie. Und degradiert ganz nebenbei sämtliche Marvel-Adaptionen der jüngsten Zeit zu leinwandgewordener Lokuslektüre.
