Was haben zwei Werke wie „Panic Room“ und „Tat­too“ gemein? Okay, sie bedie­nen das­selbe Film­genre, doch Thriller-​​Kino kann eben — ganz gleich ob ame­ri­ka­nisch oder deutsch — so und so aus­se­hen. Nein, 2002 war jenes Jahr, in dem die bei­den „Flight­plan“-Haupt­prot­ago­nis­ten vor wie hin­ter der Kamera das letzte mal so rich­tig im Ram­pen­licht stan­den. Jeder wie er’s ver­dient hatte.

Vom Schwa­ben­land nach Hol­ly­wood — das gab’s doch schon mal. Nun hat also auch Regis­seur Robert Schwentke nach Hol­ly­wood über­ge­macht; und wird nach drei „Tatort“-Drehbüchern und zwei Kino­fil­men gleich mit einem Groß­pro­jekt betraut. Zu mehr als die­ser einen Gemein­sam­keit reicht es aber auch im Ver­gleich mit Roland Emme­rich nicht. Beacht­lich ist die Tasa­che als sol­che den­noch alle­mal und nimmt man Schwent­kes miss­ra­te­nen Ein­stand zum Maß­stab erst recht. Einer­lei. Drü­ben in L.A. war es dem gebür­ti­gen Stutt­gar­ter sodenn ver­gönnt, eine Schauspiel-​​Institution wie Jodie Fos­ter in Szene zu set­zen. Sie spielt in „Flight­plan — Ohne jede Spur“ Flug­zeu­gin­ge­nieu­rin Kyle Pratt, die sich nach dem Unfall­tod ihres Man­nes mit der sechs­jäh­ri­gen Toch­ter Julia (Mar­lene Laws­ton) auf den Rück­flug von Ber­lin in die USA befindet.

Gezeich­net von den tra­gi­schen Ereig­nis­sen schla­fen Kyle und Julia an Bord des Dop­pel­de­ckers ein. Als Kyle einige Stun­den spä­ter auf­wacht, ist das Töch­ter­lein nicht mehr an sei­nem Platz. Als Julia selbst nach inten­si­ver Suche nicht auf­zu­fin­den ist, schlägt die latente Beun­ru­hi­gung der Mut­ter schnell in Panik um. Doch nicht genug damit, dass sich weder die Flug­gäste noch die Crew daran erin­nern wol­len, Julia über­haupt jemals an Bord gese­hen zu haben, taucht der Name ihrer Toch­ter plötz­lich nicht ein­mal mehr auf der Pas­sa­gier­liste auf. Kei­ner will der ver­stör­ten Frau jetzt mehr Glau­ben schen­ken und als ihr vom Kapi­tän (Sean Bean) mit­ge­teilt wird, Julia sei zusam­men mit dem Vater in Ber­lin töd­lich ver­un­glückt, glaubt die ohne­hin psy­chisch ange­schla­gene Witwe, den Ver­stand ver­lo­ren zu haben.

Paranoid-​​perfider Psycho-​​Plot

Eine Geschichte, die zu oft am Schei­de­weg ihres eigent­li­chen Pro­blems steht: näm­lich wel­che Rich­tung an den zahl­rei­chen Weg­ga­be­lun­gen die rich­tige ist. „Tat­too“ war weder Milieu­stu­die noch Horror-​​Thriller und wollte doch bei­des zu glei­cher Zeit ver­kör­pern. Nun hat sich Robert Schwentke kon­se­quent dem Psy­cho­thrill ver­schrie­ben und siehe da: Es funktioniert!

Konnte sich sein Debüt nie wirk­lich von den omni­prä­sen­ten Vor­bil­dern „Das Schwei­gen der Läm­mer“, „Sie­ben“ und allen voran „8MM“ lösen, so belässt er es die­ser Tage bei dezen­ten, aber dafür umso wir­kungs­vol­le­ren Hitchcock-​​Anleihen. Der Zuschauer fin­det sich nach kur­zem Vor­ge­plän­kel in einem para­no­iden, ja gera­dezu per­fi­den Psycho-​​Plot mit jeder Menge fal­scher Fähr­ten wie­der, der ganz neben­bei noch mit den vor­ur­teils­be­la­de­nen Ter­ro­rängs­ten unse­rer Zeit spielt.

Man darf es mit die­ser Bestimmt­heit sagen: Schwentke wird mit sei­nem neuen Film den geho­be­nen Hollywood-​​Standards in fast jeder Hin­sicht gerecht. Über­durch­schnitt­lich. Und mehr als das: Eine stim­mige Story, deren Span­nungs­bo­gen — im Gegen­satz zu Luxus-​​Ramsch wie dem jüngst eben­falls in der bedrü­cken­den Enge eines Flug­zeugs ange­sie­del­ten „Red Eye“ von Wes Cra­ven — immer­hin drei Vier­tel des Films ver­ein­nahmt bis er jäh zer­bers­tet. Dazu zeigt er (fast im Über­maß) auch in punkto cine­as­ti­sches Hand­werk was am New Yor­ker Colum­bia Col­lege und dem Ame­ri­can Film Insti­tute in Los Ange­les so alles gelehrt wird.

Und dass Jodie Fos­ter eine erst­klas­sige Wahl, weil erst­klas­sige Actrice ist, bedarf eigent­lich kei­ner geson­der­ten Erwäh­nung mehr. Der Teilzeit-​​Superstar ver­leiht mit ihrer ers­ten Haupt­rolle seit „Panic Room“ dem Film erst sei­nen klaus­tro­pho­bi­schen, beklem­men­den Drive. Mit alten Gemein­sam­kei­ten ist es so oder so nicht mehr son­der­lich weit her; aber es ist nicht zuletzt ihr Ver­dienst, dass Schwent­kes Jugend­sünde fortan end­gül­tig als eine eben sol­che gel­ten darf.