Hansen Band - "Keine Lieder über Liebe"Der puren Fik­tion ent­sprun­gen, hat sich die Han­sen Band mitt­ler­weile aus dem Kino ver­ab­schie­det, doch die Songs der Film­for­ma­tion wir­ken nach im Hier und Jetzt. Was Wun­der, schart deren Sän­ger Jür­gen Vogel für „Keine Lie­der über Liebe“ (Grand Hotel van Cleef/​Uni­ver­sal) doch die Befind­lich­keits­ly­ri­ker Thees Uhl­mann von Tomte und Kettcar-​​Frontmann Mar­cus Wie­busch oder Musi­ker wie Max Mar­tin Schrö­der alias Olli Schulz‘ Hund Marie um sich.

Sogar Kettcar-​​Basser Rei­mer Bus­torff steu­ert — ohne in der Band auf­zu­tau­chen — mit „Alles tei­len“ eine nette Num­mer bei und so klingt die Musik je nach Kom­po­nist mal nach Kett­car (das groß­ar­tige „18. Stock“, „Sink­flug“, „Krei­sen“) und dann wie­der nach Tomte; aller­dings auf Powerchords-​​Droge, denn bei „Kamera“ und „Frank­reich“ hat sich ein Thees Uhl­mann zur Abwechs­lung regel­recht ausgetobt.

Die für den Film maß­geb­li­chen Stü­cke „Keine Lie­der“ (auf der Single-​​Auskopplung „Kamera“ auch als hörens­werte Unplugged-​​Fassung zu haben) und „Baby Melan­cho­lie“ stam­men aller­dings — sur­prise — fast aus­nahms­los aus der Feder von Max Schrö­der, auf des­sen neue Solo­scheibe man aber mal so rich­tig gespannt sein darf! Ein­zig Hansen-​​Bassist Felix Geb­hard tritt (noch) nicht geson­dert in Erschei­nung. Viele Köche und doch Ein­heits­brei im posi­tivs­ten Sinne: Gemein­sam ist allen zehn Songs näm­lich die herr­lich meta­phern­rei­che Befind­lich­keits­ly­rik, wel­che von so vie­len lei­der als ver­kopfte Bana­li­tät gänz­lich miss­ver­stan­den wird.

Weit weni­ger über­ra­schend dürfte hin­ge­gen die Erkennt­nis sein, dass ein Jür­gen Vogel nicht sin­gen kann. Man mag dem Hansen-​​Frontmann bei den im Stu­dio zurecht­ge­pe­gel­ten Songs zum cha­ris­ma­ti­schen Gebiss ja noch die ent­spre­chende Gesangs­stimme attes­tie­ren. Doch spä­tes­tens wenn der Titel „Was hät­ten wir denn tun sol­len“ aus Kett­cars Anfangs­ta­gen gegen den Hansen-​​Klon „Strand“ antritt, sieht Vogel schon nach weni­gen Zei­len nur­mehr die mei­len­weit ent­fernte Sil­hou­ette des zum Film-​​Gitarrero degra­dier­ten Wiebusch.

Aber wie singt’s doch ein Olli Schulz so schön: „Meine Stär­ken sind die Schwä­chen.“ Und genau hierin liegt der Charme eines Albums begrün­det, das trotz sei­ner spär­li­chen 35 Minu­ten weit mehr ist als eine GHvC-​​B-​​Seiten-​​Compilation. Man merke auf: Auch Schwä­chen kön­nen sexy sein!