1. Oktober 2005
Harald Hurst und Gunzi Heil — „Rum un num“
„Heimat isch dort, wo aim d’Leut so gut verschteh’n, dass mer manchmol scho beim Schwätze merkt, s’wär besser g’wese, mer hätt’s Maul g’halte.“ Sagt er. Und doch hält er sich nur selten daran. Harald Hurst redet viel lieber wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Tun natürlich die meisten im Ländle. Er hingegen spricht nicht nur im Dialekt, er bringt ihn auch gekonnt zu Papier. Und in Musikkabarettist Gunzi Heil hat der „König der Babbler“ längst seinen kongenialen Partner gefunden.
Schon über 150 mal zelebrierten Hurst und Heil gemeinsam ihr literarisch-musikalisches „Eventle“ fernab von feierlichem Räuspern und stillem Wasser für Dichter und Denker. Das zugehörige „CDle“ ist seit kurzem im Handel: „Rum un num“ (DRW-Verlag/G. Braun Verlag) heißt die Neue vom „Badischen Doppelweck“, aufgezeichnet in der Gaggenauer Klag-Bühne.
Neben liebgewonnenen Hurst-Klassikern wie’s „Ing-Ding“, „Katzewäschbecke“ oder „An de Fusionsgrenz“ werden auch eine Fülle mehr oder minder neuer Gedichte („Naus zus“) und Textausschnitte („Neifeire bei Bratzlers“) vom aktuellen Buch „Komm, geh fort“ zu Gehör gebracht. Doch ganz gleich aus welcher Schaffensperiode, allesamt sind sie so herrlich schnoddrig und blitzgescheit zugleich, mal hinterfotzig, dann wieder augenzwinkernd, lassen stets viel, viel „G’schbür fir d’Schbroch“ erkennen und werden eben eines niemals: volkstümlich.
Der semmelblonde Barde dagegen kommt mit gerade mal drei Musikeinlagen leider viel zu kurz zum Zuge; seine große komödiantische Gabe spielt er eigentlich nur beim Anti-Faschingslied „Der Wurstsalat“ aus. Dafür aber so richtig zünftig — ein echter Schenkelklopfer! Bleibt noch die nach wie vor geniale Marcel Reich-Ranicki-Parodie, welche als Bonus-Video-Track ihren Weg auf die CD gefunden hat. Der „Sohn des Papstes“ alias „Marcello“ analysiert diesmal das Hurst’sche Lebenswerk.
Ansonsten setzt Heil mit den etwas unglücklich gewählten Nummern („Kommt ein Vogel“, „Blos Blues“) leider einen eher sperrigen Kontrapunkt zur erheiternden Lesung. Und mögen sich die beiden Badener im Duett an Brillanz auch schier übertrumpfen, ist dieser eine Doppelweck aus der Konserve ziemlich einseitig belegt: 73 Minuten mehr rum als num — und am Ende doch genau ins Schwarze!
