Harald Hurst und Gunzi Heil - "Rum un num"„Hei­mat isch dort, wo aim d’Leut so gut verschteh’n, dass mer manchmol scho beim Schwätze merkt, s’wär bes­ser g’wese, mer hätt’s Maul g’halte.“ Sagt er. Und doch hält er sich nur sel­ten daran. Harald Hurst redet viel lie­ber wie ihm der Schna­bel gewach­sen ist. Tun natür­lich die meis­ten im Ländle. Er hin­ge­gen spricht nicht nur im Dia­lekt, er bringt ihn auch gekonnt zu Papier. Und in Musik­ka­ba­ret­tist Gunzi Heil hat der „König der Bab­b­ler“ sei­nen kon­ge­nia­len Part­ner gefunden.

Schon über 150 mal zele­brier­ten Hurst und Heil gemein­sam ihr literarisch-​​musikalisches „Eventle“ fernab von fei­er­li­chem Räus­pern und stil­lem Was­ser für Dich­ter und Den­ker. Das zuge­hö­rige „CDle“ ist seit kur­zem im Han­del: „Rum un num“ (DRW-​​Verlag/​G. Braun Ver­lag) heißt die Neue vom „Badi­schen Dop­pel­weck“, auf­ge­zeich­net in der Gag­ge­nauer Klag-​​Bühne.

Neben lieb­ge­won­ne­nen Hurst-​​Klassikern wie’s „Ing-​​Ding“, „Kat­ze­wäsch­be­cke“ oder „An de Fusi­ons­grenz“ wer­den auch eine Fülle mehr oder min­der neuer Gedichte („Naus zus“) und Text­aus­schnitte („Nei­feire bei Bratz­lers“) vom aktu­el­len Buch „Komm, geh fort“ zu Gehör gebracht. Doch ganz gleich aus wel­cher Schaf­fens­pe­riode, alle­samt sind sie so herr­lich schnodd­rig und blitz­ge­scheit zugleich, mal hin­ter­fot­zig, dann wie­der augen­zwin­kernd, las­sen stets viel, viel „G’schbür fir d’Schbroch“ erken­nen und wer­den eben eines nie­mals: volkstümlich.

Der sem­mel­blonde Barde dage­gen kommt mit gerade mal drei Musik­ein­la­gen lei­der viel zu kurz zum Zuge; seine große komö­di­an­ti­sche Gabe spielt er eigent­lich nur beim Anti-​​Faschingslied „Der Wurst­sa­lat“ aus. Dafür aber so rich­tig zünf­tig — ein ech­ter Schen­kel­klop­fer! Bleibt noch die nach wie vor geniale Mar­cel Reich-​​Ranicki-​​Parodie, wel­che als Bonus-​​Video-​​Track ihren Weg auf die CD gefun­den hat. Der „Sohn des Paps­tes“ alias „Mar­cello“ ana­ly­siert dies­mal das Hurst’sche Lebenswerk.

Ansons­ten setzt Heil mit den etwas unglück­lich gewähl­ten Num­mern („Kommt ein Vogel“, „Blos Blues“) lei­der einen eher sper­ri­gen Kon­tra­punkt zur erhei­tern­den Lesung. Und mögen sich die bei­den Bade­ner im Duett an Bril­lanz auch schier über­trump­fen, ist die­ser eine Dop­pel­weck aus der Kon­serve ziem­lich ein­sei­tig belegt: 73 Minu­ten mehr rum als num — und am Ende doch genau ins Schwarze!