Eine Appa­ra­tur, wie sie Erfin­der Wal­lace nicht bes­ser hin­be­kom­men hätte: Man ste­cke Knet­masse in ein Stück Film, ani­miere es in Stop-​​Motion-​​Technik und her­aus pur­zeln jede Menge Trickfilm-„Oscars“. So ein­fach liest sich die Erfolgs­ge­schichte von Nick Park und den „Wal­lace und Gromit“-Abenteuern. Jetzt streift sein skur­ri­les Plastilin-​​Duo das zu enge Kurz­film­kor­sett ab.

Und Abneh­mer ste­hen schon bereit: Sel­bi­ges haben vor dem Haupt­film näm­lich vier seit kur­zem welt­be­rühmte Pin­guine über­ge­zo­gen: Kowal­ski, Pri­vate, Skip­per und Rico (ein­mal mehr gespro­chen von den Fan­tas­ti­schen Vier) stim­men im neun­mi­nü­ti­gen Appe­ti­zer „Die Madagascar-​​Pinguine in vor­weih­nacht­li­cher Mis­sion“ aufs erste abend­fül­lende „Wal­lace & Gro­mit“-Aben­teuer ein. Nach ihren bei­den „Oscar“-gekrönten Epi­so­den „Die Techno-​​Hose“ und „Unter Scha­fen“ dür­fen der Käse­fa­na­ti­ker und sein vier­bei­ni­ger Freund — bei denen wohl kei­ner mit letz­ter Bestimmt­heit sagen kann, wer nun die Rolle des Herr­chens über­nimmt — anschlie­ßend als Gemüse-​​Polizei ein kanin­chen­ge­plag­tes Dorf von ihrer Pein erlösen.

Die Jagd auf harm­lose Häs­chen ist nicht zuletzt dank Wal­la­ces Erfin­dungs­reich­tum eine mit zwei unglei­chen Kon­tra­hen­ten. Doch plötz­lich bedroht ein gigan­ti­sches Lang­ohr die lie­be­voll gepfleg­ten Vor­gär­ten samt ihrer preis­ver­däch­ti­gen Ernte in spe. Nacht für Nacht sti­bizt es die schöns­ten Gewächse aus den Gemü­se­bee­ten und lässt das humane Schädlingsbekämpfungs-​​Unternehmen Anti-​​Pesto in Per­son von Wal­lace und Gro­mit ganz schön alt aus­se­hen. Das ist umso dra­ma­ti­scher, da die präch­tigs­ten Gar­ten­früchte doch bald bei der jähr­li­chen Land­wirt­schafts­schau prä­miert wer­den sollen.

Abso­lute Detail­ver­liebt­heit und gewitzte Situationskomik

Ein paar Zah­len ver­deut­li­chen die unge­heure Arbeit, wel­che hin­ter solch einem Gedulds-​​Projekt wie „Wal­lace & Gro­mit auf der Jagd nach dem Rie­sen­ka­nin­chen“ steckt: Damit die Figuen leben­dig wer­den, war ein Team von 30 Ani­ma­ti­ons­künst­lern etli­che Jahre mit kne­ten beschäf­tigt. Dabei bedeu­ten 24 Bil­der pro Sekunde 24 ver­schie­dene Posi­tio­nen pro Figur; zehn Sekun­den Film pro Arbeits­tag sind schon das Höchste der Gefühle.

Aber es gibt Gren­zen für das Plas­ti­lin: Um etwa Nebel, Rauch oder Was­ser dar­zu­stel­len, würde sich die Pro­duk­ti­ons­zeit ins Unend­li­che stei­gern. Hier behal­fen sich die Macher dann doch mit Com­pu­ter­tech­nik. Doch soll unge­ach­tet des­sen das Hand­werk im Vor­der­grund ste­hen: Im Unter­schied zum 2000er Kino­er­folg „Chi­cken Run“ aller­dings, bei wel­chem Nick Parks Hüh­ner noch ganz arten­un­ty­pisch aal­glatt daher­ka­men, besit­zen die Figu­ren heuer — wie in allen „Wal­lace & Gromit“-Filmen seit dem Pre­mie­ren­werk „Alles Käse“ aus dem Jahr 1990 — ganz bewusst kleine Unre­gel­mä­ßig­kei­ten, so dass bei genauem Betrach­ten die Fin­ger­ab­drü­cke zu sehen sind. „Per­sön­li­che Note“ nen­nen das die Macher.

Und die kann man ihrem 96-​​Minüter nebst abso­lu­ter Detail­ver­liebt­heit und gewitz­ter Situa­ti­ons­ko­mik unein­ge­schränkt attes­tie­ren: Sei es ob der schrullig-​​drolligen Figu­ren, der schrä­gen Hand­lung mit ihren immer wie­der ein­ge­floch­te­nen Anspie­lun­gen auf „Ame­ri­can Wer­e­wolf“, „Fran­ken­steins Mons­ter“, „Ben Hur“, „Matrix“ und „King Kong“ oder nur der kind­li­chen „Sesamstraßen“-Faszination für lau­fende Knet­ge­sel­len — diese Aardman-​​Produktion ist Kino­kurz­weil nach Maß, die ihren Zuschauer durch­gän­gig in einen woh­li­gen Zustand des Dau­er­schmun­zelns zu ver­set­zen weiß.

Nick Park sollte sich am 5. März 2006 jeden­falls schon mal bes­ser nichts vor­neh­men. An jenem Sonn­tag ver­gibt die Aca­demy Of Motion Pic­ture Arts And Sci­en­ces ein­mal mehr ihren begehr­ten Goldjungen…